Donnerstag, 24. Juni 2021
Anonymous
William Shakespeare lässt sich feiern.
© Sony Pictures
Angesiedelt in der politischen Schlangengrube des elisabethanischen Englands, spekuliert der Film über eine Frage, die schon seit vielen Jahrhunderten zahlreiche Wissenschaftler und kluge Köpfe von Mark Twain und Charles Dickens bis hin zu Henry James und Sigmund Freud beschäftigt hat, nämlich: Wer war der Autor der Stücke, die William Shakespeare zugeschrieben werden?
Zahlreiche Experten haben darüber diskutiert, Bücher wurden geschrieben und Gelehrte haben ihr ganzes Leben der Aufgabe gewidmet, die Theorien, die die Autorenschaft der berühmtesten Werke der englischen Literatur umgeben, zu bewahren oder zu zerstreuen. Anonymus gibt eine mögliche Antwort und konzentriert sich dabei auf eine Zeit, als sich politische Intrigen und verbotene Romanzen am königlichen Hof und die Machenschaften habgieriger Aristokraten, die die Macht des Throns an sich reißen wollten, an einem der ungewöhnlichsten Orte widerspiegelten: der Londoner Bühne.
Die Betonung hierbei liegt in dem Wort „möglich“! Es gibt Befürworter und Gegner dieser Theorie, daher wird es auch Leute geben, die den Film wertschätzen und welche, die den Film an sich gelungen, jedoch die Geschichte, die hier erzählt wird, an den Haaren herbeigezogen finden.
»Ich mache gerne Filme über Dinge, über die die Menschen sich streiten können«, erzählt Regisseur Roland Emmerich. »Nehmen Sie einen Film wie The Day after tomorrow. Natürlich hoffe ich, dass er unterhaltsam ist, aber ich wollte auch ein heißes Eisen anpacken und Gedanken anstoßen. Wenn man es auf diese Weise betrachtet, ist es, glaube ich, nicht mehr wirklich überraschend, dass mich dieser Stoff gepackt hat.«
Der Filmemacher schafft es, das elisabethanische England mit all seiner Detailtreue auferstehen zu lassen. Allein das ist schon bemerkenswert. Dass er jetzt auch noch einen künstlerisch (und womöglich auch historisch) wertvollen Film gedreht hat, scheint dazu noch die Mehrheit der Kritiker überrascht zu haben.
Anonymus besticht neben seiner auwändig, in Babelsberg gedrehten, inszenierten Geschichte mit einer illustren, prominenten Besetzung, mit der Jung und Alt etwas anfangen können. Für alle, die es nicht wissen ein interessanter Fakt: Joely Richardson, die die junge Elizabeth spielt, ist die Tochter von Vanessa Redgrave, die die alte Königin spielt.
Der Erzählstil mit den leicht verwirrenden Zeitsprüngen mag zwar etwas schwer daherkommen, doch wahrscheinlich ließ sich die Geschichte so etwas spannender erzählen. Bleibt abzuwarten, wie der Film in ein paar Jahren gesehen wird, wenn der 400. Todestag des Barden ansteht…

11.02.2021 | mz
Kategorien: Feature | Filme