Sonntag, 8. Dezember 2019
Eine Komödie, die euch killt
IMDb
Stille liegt über dem Land, wo einst reges Treiben herrschte, wo Menschen die Straßen bevölkerten, Autos fuhren, Kinder spielten. Es gibt keine Menschen mehr, es gibt auch kein Amerika mehr, alles dahingerafft von einem einfachen Virus, der sich wie ein Lauffeuer im gesamten Land verbreitete, nachdem Patient Null herzhaft in einen verseuchten Burger gebissen hatte. Willkommen in den Vereinigten Staaten von Zombieland!
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  • Eben noch ein von Phobien und Darmproblemen geplagter Neurotiker, dessen wenige Erfolgserlebnisse sich auf das Spielen von „World of Warcraft“ beschränkten, schon befindet sich der junge Protagonist auf der Flucht vor seiner (ehemals) schönen Nachbarin, der er eines Abends Unterschlupf gewährte, um sie vor ausgeflippten Irren zu beschützen, die sie fressen wollen.
    Er macht sich von Texas aus auf die Reise nach Columbus, einem Ort im US-Bundesstaat Ohio, um zu sehen, ob seine Eltern noch am Leben sind, als er auf einen schwer bewaffneten, entschlossenen Typen trifft, der ihn nach einer kurzweiligen Duellsituation in seinem Jeep mitnimmt. Da es kaum noch Menschen gibt, sind Namen viel zu persönlich und für gesellschaftlich bedingte kurzzeitige Bekanntschaften zu hinderlich, daher benennt Tallahassee, wie sich der Fremde selbst nennt, seinen Begleiter in Columbus um – den Zielort dessen Reise.
    »Bevor ich mit der Arbeit an Zombieland begann, hatte ich überhaupt nur einen Zombiefilm gesehen: 28 Days later«, berichtet Regisseur Ruben Fleischer, der hier sein Spielfilmdebüt gibt. »Ich muss gestehen: Ich war nicht wirklich ein Fan von Zombiefilmen. Aber als ich mit der Arbeit begann, stürzte ich mich mit voller Energie in die Recherche. Ich wollte so viele Zombiefilme in- und auswendig kennen wie möglich, weil ich den Vorbildern gerecht werden wollte. Ich habe großen Respekt vor dem Publikum dieses Genres und ich wollte sicherstellen, dass es auch mit unserem Film glücklich sein würde.«
    »Ich habe mir Zombieland immer als Midnight Run mit Zombies vorgestellt«, sagt er weiter. »Wie dieser Klassiker mit Robert de Niro lassen wir uns nicht auf ein Genre festlegen. Zunächst einmal und in erster Linie ist Zombieland eine Komödie, ein Unterwegsfilm. Selbstverständlich findet man Versatzstücke des Horrorfilms, aber es steckt auch eine Romanze drin. Mir gefielen diese vielen unterschiedlichen Aspekte des Films. Mein Ziel war es, die Geschichte glaubwürdig und nachvollziehbar zu gestalten und dabei immer den richtigen Ton zu treffen.«
    🏃🏼
    Um im neuen „Zombieland“ zu überleben, hat Columbus eigene Regeln erstellt, die dem Überleben in der neuen Gesellschaftsordnung förderlich sind: Regel #1 Ausdauer: Halte dich fit, achte auf dein Gewicht! (eigentlich die Regel, die auch so jeder befolgen müsste, um gesund zu leben) Die ersten, die sterben mussten, waren die Übergewichtigen, die nicht schnell genug laufen konnten, um ihren Verfolgern zu entwischen.
    🔫
    Regel #2 Doppelschlag: Wenn man einen Zombie niedergestreckt hat, nicht einfach nur checken, ob er wirklich erledigt ist, sondern zur Sicherheit noch einmal nachlegen, um sicherzugehen, nicht überraschend doch noch gebissen zu werden.
    🚽
    Regel #3 Vorsicht bei Toiletten! Nirgends ist man ungeschützter.
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    Regel #4 Anschnallen! Wenn man einem Zombie gerade noch einmal entkommen ist, sollte man sein Leben nicht unnötigerweise fahrlässig gefährden, weil man vergessen hat, sich anzuschnallen. Im Zuge dessen kann man zusätzlich vor dem Einsteigen in ein Gefährt Regel #31 befolgen: Auf dem Rücksitz nachsehen!
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    Regel #7 Wenig Gepäck! Wenn man zu Fuß unterwegs ist, kann man mit weniger Gepäck schneller vor den Zombies flüchten!
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    Tallahassee ist ein geborener Zombiekiller, dem nichts größere Freude macht, als Zombies auf möglichst originelle Weise niederzustrecken. Nur eine einzige Schwäche hat der ebenso coole wie furchtlose neue Weggefährte: Er liebt Twinkies und würde sich sofort in höchste Lebensgefahr begeben, um seine Lieblingssüßigkeit in die Finger zu bekommen. Deshalb müssen die beiden auch einen Zwischenstopp in einem riesigen Supermarkt einlegen.
    Hier sind zwei weitere Regeln recht praktisch: Regel #18 Sich aufwärmen! Manchmal muss man mit dem Unerwarteten rechnen und sich blitzartig schnell bewegen. Und Regel #22 Im Zweifelsfall immer den Weg nach draußen finden! Man weiß nie, wann man sich einer zu großen Bedrohung ausgesetzt sieht.
    Columbus macht sich also locker und sichert die Fluchtwege, bevor er Tallahassee bei der Arbeit zusehen kann, wie man einen Supermarkt binnen kürzester Zeit zur zombiefreien Zone macht. Allerdings finden sie keine Twinkies, dafür aber zwei Schwestern im Lagerraum – die 20-jährige Wichita und die zwölfjährige Little Rock. Wichita raubt Columbus sofort den Atem – keine Frage: Für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick!
    Doch schon kurze Zeit später sind sie den Trickbetrügerinnen auf den Leim gegangen und müssen nun zu Fuß weiterreisen. Schnell finden sie einen knallgelben Humvee, der ganz ihren Erwartungen entspricht. Man müsse sich eben auch über die kleinen Dinge im Leben freuen, erklärt Tallahassee – was Columbus gefällt, weshalb er sein Regelwerk erweitert: #32 Erfreue dich an den kleinen Dingen!
    Kaum sind sie losgefahren, da stoßen sie auch schon auf den am Wegesrand mit einer Panne liegengebliebenen Jeep, mit dem die Mädchen davongebraust waren. Und wieder sind sie so naiv, sich von Wichita und Little Rock täuschen zu lassen. Diesmal sind sie jedoch besser vorbereitet und einigen sich schließlich darauf, zunächst einmal zu viert weiterzufahren.
    Nachdem die Mädels berichten, Columbus sei eine Geisterstadt, einigen sich die Vier, zum Vergnügungspark Pacific Playland in Los Angeles zu reisen, nicht nur weil Little Rock dort glückliche Tage aus ihrer Kleinkindheit wiedererleben will, auch weil es der einzige zombiefreie Ort im Land sein soll…
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    »Mir gefiel an diesem Film, dass er lustig ist, ohne auf albernen Slapstick zurückzugreifen, und dass er gruselig ist, ohne einem mit krasser Gewalt Albträume zu machen«, überlegt Emma Stone. »Er hält die Balance zwischen diesen beiden Polen und zieht sein ganz eigenes Ding durch. Es ist ein Zombiefilm mit vielen Gesichtern. Wer hätte gedacht, dass man so etwas überhaupt machen kann?«
    Die Arbeit mit einer talentierten Crew erwies sich für Ruben Fleischer als unbezahlbare Erfahrung: »Ich will nicht aufgeblasen klingen, ich weiß, wir haben eine Komödie gemacht, aber diese Jungs haben dafür gesorgt, dass der Film mehr nach großem Kino aussieht als die meisten Komödien. Jede Einstellung von Michael war beeindruckend – er legte die Latte sehr hoch.
    Und Mahers Designs sind unglaublich. Er entwarf und baute den Lebensmittelladen von Grund auf. Das ist irre. Am meisten beeindruckt hat mich aber die Szene, bei der sich Columbus und Tallahassee auf dem Highway kennenlernen. Wir haben 75 Autos, 30 Wracks und ein Boot. Das Ausmaß der Zerstörung und Verwüstung ist unglaublich – ganz großartige Production Value. Ich schätze mich glücklich, dass ich mit solchen Leuten arbeiten durfte.«
    Zombieland ist tatsächlich eine Genremischung, wie man sie noch nicht so erlebt hat! Er mag nicht Jedermanns Geschmack sein, dennoch macht der Film trotz seines morbiden Themas ordentlich Spaß, vermutlich weil die Chemie der Schauspielenden funktioniert hat und der Film nur kurzweilige 90 Minuten geht. Und wer wollte nicht schon immer mal bei einem Zombiefilm mitmachen?! Auf jeden Fall Bill Murray, der sich witzigerweise selbst spielt, als die Vier seine Villa aufsuchen. Dieser Auftritt ist einfach nicht nur urkomisch, sondern auch eine Verbeugung vor dem Gesamtwerk des Komikers.
    »Dies ist eine postapokalyptische Welt«, sagt der Regisseur. »Es geht nicht um eingeschlossene Menschen inmitten eines Angriffs von Zombies. Unsere Geschichte dreht sich um Menschen, denen wir durch eine Welt folgen, in der es mehr Zombies als Menschen gibt. Es ist die Geschichte einer kleinen Gruppe von Überlebenden, die sich ihren Weg durch eine Welt ohne Zivilisation bahnt.«
    Und irgendwie möchte man davon mehr haben! Das Drumherum wirkt so echt und die Zombies so bedrohlich, vor allem weil sie nicht wie in den klassischen Zombiefilmen so langsam umherdümpeln und vor allem auch bedrohlich ansteckend wirken! Auf jeden Fall ist der Film eine unterhaltsame Art, den Abgang des Jahres zu feiern.

    10.12.2009 | mz
    Kategorien: Filme