Donnerstag, 24. September 2020
Proteste gegen Polizeibrutalität zeigen Auswirkungen
Bereits nach den Protestaufmärschen nach dem Tod von George Floyd, der am 25. Mai durch die brutale Festsetzung eines Polizeibeamten auf der Straße starb, wurde die Reality-TV-Serie Cops aus dem Programm des US-Kabelsenders Paramount Network genommen. Jetzt wurde bekannt: Sie kommt nicht wieder ins Programm und wird eingestellt.
Seit 1989 lief die Serie um echte Polizisten aus verschiedenen Regionen auf dem Sender FOX. Damals war die Serie ein echter Hit. Es gab noch keine Soziale Medien, das Internet steckte noch in den Babyschuhen. Cops zeigte die titelgebenden Polizisten bei ihrer Arbeit, stets mit einer Handkamera als „Fliege an der Wand“. Die Kameramänner waren zwar polizeilich geschult, durften jedoch nur ins Geschehen eingreifen, wenn die Beamten in Lebensgefahr gerieten. Niemand wusste, was passieren würde. Es waren echte Menschen, die gezeigt wurden – auf beiden Seiten des Gesetzes. Und als Titelmusik war der Hit „Bad Boys“ von Inner Circle zu hören.
Kriminologen und Medienwissenschaftler werteten die kritischen Stimmen gegen das Format aus, was 1994 zu einer Inhaltsanalyse führte, nach der die Beaten der Serie insgesamt Weiße waren, während Verdächtige eher Schwarze oder Latinos waren. Eine weitere Studie kam zu dem Schluss, dass die TV-Beamten weitaus bessere Verbrechensbekämpfer als der Rest der Kollegen waren, zumindest den Regierungsstatistiken nach, und dass die Darstellung von Gewaltverbrechen in der Sendung eher karikativ als echt erschien.
Vergewaltigungen, Raubüberfälle, Morde und dergleichen machten nur 13 Prozent aller 1994 in den Vereinigten Staaten begangenen Straftaten aus, in der Welt der „Cops“ waren es jedoch 43 Prozent. Zudem ergab die Studie, dass weitaus häufiger andersfarbige Mitbürger als Weiße mit Gewaltverbrechen in Verbindung gebracht wurden.
Zwei getrennte Studien im Jahr 2004 kamen zu dem Schluss, dass die Sendung „rassistisch verzerrt“ war und zur Rechtfertigung von sogenannten „Rassenprofilen“ werwendet werden konnte. In einem Interview im Jahr 2018 sagten die Schöpfer John und Morgan Langley, dass sie die Sendung vor langer Zeit so angepasst hätten, dass sie eine „rassistisch unterschiedliche Mischung aus Polizisten und Tätern“ als Reaktion auf die Kritik enthalte.
Die Bürgerrechtsorganisation Color of Change, eine langjährige Kritikerin der Serie, war ganz oben bei der Anklage gegen Cops dabei, als FOX die Sendung 2013 einstellte. Doch kurz darauf nahm Spike TV die Sendung ins Programm. 2017 feierte Cops die 1000. Ausgabe mit einem Live-Spezial, das der Ex-Football-Spieler Terry Crews moderierte. 2018 wandelte sich Spike TV in das derzeitige Paramount Network um.
»Seit mehr als 30 Jahren hat Cops die Öffentlichkeit falsch aufgeklärt und Ungerechtigkeit normalisiert«, sagte Arisha Hatch, Viezepräsidentin von Color of Change in einer Stellungnahme zum Thema gegenüber dem Magazin Entertainment Weekly. »Kriminalfernsehen ermutigt die Öffentlichkeit, die Normen des Überpolizierens und der übermäßigen Gewalt zu akzeptieren und Reformen abzulehnen, während es das genaue Verhalten unterstützt, das die Leben der Schwarzen zerstört.
Cops war dabei federführend, beunruhigende Auswirkungen auf Generationen von Zuschauern zu haben. Jetzt ist es für andere Sender an der Zeit, ähnlich schädliche Sendungen abzusetzen. Wir rufen A&E auf, als nächstes Live PD abzusetzen. In einem Augenblick, in dem jeder verkünden möchte, dass „schwarze Leben Bedeutung haben“, müssen wir diese Unternehmen zur Rechenschaft ziehen, um mit einer vollständigen Überarbeitung der Branche Taten Worte folgen zu lassen.«
Live PD ist eine Art Nachfolger von Cops und hat ein etwas ähnliches Format. Die 2016 gestartete Show wechselt zwischen der Echtzeitpolizei auf Patrouille in verschiedenen Städten und wird von Dan Abrams, dem Chef für Rechtsangelegenheiten bei ABC News, moderiert. Die Sendung ist in der Regel die am besten bewertete Kabelserie am Freitag- und Samstagabend. Eine Folge im letzten Sommer hatte einen Serienhöhepunkt von 2,4 Millionen Zuschauern erreicht. Erst letzten Monat hat A&E die Serie um 160 weitere Folgen verlängert. Derzeit wird die Sendung ausgesetzt, doch wird derzeit mit einer Rückkehr ins Programm zu einem späteren Zeitpunkt gerechnet.
Aktualisierung 12. Juni: Nur einen Tag nach der Einstellung von Cops wurde nun auch bei Live PD der Stecker gezogen. In der Stellungnahme von Sender A&E heißt es: »Dies ist eine kritische Zeit in der Geschichte unserer Nation und wir haben die Entscheidung getroffen, die Produktion von Live PD einzustellen. Künftig werden wir ermitteln, ob es einen klaren Weg gibt, die Geschichten beider Seiten zu erzählen – die der Gemeinde wie auch die der Polizisten, deren Aufgabe es ist, ihnen zu dienen. In diesem Sinne werden wir uns mit den Gemeinden und Bürgerrechtsführern sowie mit Polizeibehörden treffen.«

10.06.2020 | mz
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