Freitag, 13. Dezember 2019
Emmy macht's dem Oscar nach

 

Vergangene Nacht wurden zum 71. Mal im Microsoft Theater in Los Angeles die Preise der Television Academy vergeben. Wie schon bei den Oscars® fanden auch die Emmys® in diesem Jahr ohne Moderator statt. Zu den illustren Gästen des Abends gehörten u.a. Gwendoline Christie aus Game of Thrones, die in einem Kleid eintraf, das von einem Vorhang hätte abstammen können, aber auch Michael Douglas, der mit seiner Ehefrau Catherine Zeta-Jones erschien und erneut für seine Rolle in der Komödienserie The Kominsky Method nominiert ist.
Wie auch schon in den vergangenen Jahren übertrug TNT Serie die Show. Während der Austragungssender FOX während der Ankunft der Stars ordentlich Eigenwerbung betrieb, machte der sky-Sender in den Werbepausen Programmwerbung – sehr zum Ärgernis der Game of Thrones-Fans, die noch nicht auf dem aktuellen Episodenstand sind, denn ständig wurden Trailer für die letzten Folgen gezeigt. Aber Game of Thrones beherrschte auch die Show an sich, denn mit 32 Nominierungen stellte die Serie einen neuen Rekord auf!
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Zu aller Überraschung begann die Show mit einem hauseigenen Gastgeber – Homer Simpson! …der schließlich von einem Klavier erschlagen wurde und Anthony Anderson „gespielt“ die Show retten musste, der Bryan Cranston auf die Bühne schickte, der uns verschiedene TV-Welten präsentierte, die uns über die gesamte Bühne hinweg eintauchen ließen.
Ben Stiller präsentierte dann den ersten Preis des Abends, bei dem er einen Vortrag über TV-Komödien-Legenden hielt, dabei an Wachsfiguren vorbei ging und schließlich am noch lebenden Bob Newhart stehen blieb, der ihm klar machte, dass er ihn in Tropic Thunder nicht gemocht hat. Zusammen präsentierten sie den Preis für den besten männliche Nebenrolle, in der allein die Serie Barry dreimal nominiert war [insgesamt 17x], dort jedoch leer ausging, denn Tony Shalhoub bekam seine vierte Trophäe [die ersten drei für Monk], nachdem er im vorigen Jahr leer ausging.
Das zweite Segment eröffnete „American Dad“ und fragte uns, wer denn die diesjährigen Bill Cosby und Roseanne seien, die sich in den Preisen stets abwechselten… Aber auch beim weiblichen Gegenpart erhielt The marvelous Mrs. Maisel-Kollegin Alex Borstein einen weiteren Emmy. Die amazon-Serie war mit 20 Nominierungen nach Game of Thrones die meist-nominierte des Abends. Es folgten Chernobyl mit 19, Saturday Night Live mit 18 und Barry und Fosse/Verdon mit jeweils 17 Nominerungen.
Für Spaß sorgten Maya Rudolph und Ike Barinholtz, die mit fiktiver Augenlaserchirurgie so ganz andere Sachen vom Teleprompter „abgelesen“ haben. Sie überreichten den Emmy für die beste männliche Komödienserien-Hauptrolle an Bill Hader, der bei Barry nicht nur die Hauptrolle spielt, sondern auch produziert und das Drehbuch schreibt.
Stephen Colbert und Jimmy Kimmel hielten einen Vortrag über die gastgeberlose Show und machten sich den Jux, dass vermutlich nächstes Jahr Alexa die Show moderieren würde, die nach dem Zauberwort prompt die Nominierten vortrug und die Gewinnerin bekanntgab – Phoebe Waller-Bridge, die für Fleabag [11 Nominierungen] gleich zweimal ausgezeichnet wurde – für die beste Hauptrolle und das Drehbuch.
Stehende Ovationen gab es dann, als die Hauptdarsteller von Game of Thrones die Bühne betraten, um den Preis für die beste weibliche Nebenrolle einer limitierten Serie oder TV-Film zu präsentieren. Patricia Arquette, die nach Medium ihren zweiten Emmy mit nach hause nahm, hielt eine Dankesrede, in der sie sich, besonders nach dem Tod ihrer Schwester Alexis, für die Trans-Gemeinde aussprach. Das Thema machte an diesem Abend jenseits der Show die Rede, da in zwei Wochen das Supreme Court darüber entscheidet, dass Menschen der LGBTQ+-Gesellschaft nich Aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gekündigt werden dürfen.
Ben Whishaw bekam für seine Rolle in der Miniserie A very English Scandal die Statue, bedankte sich bei seinem Kollegen Hugh Grant, seinem Autor Russell T. Davies und bei seinem Lebenspartner. Phoebe Waller-Bridge und Bill Hader machten uns klar, was denn „limitierte Serien“ seien – »Serien, die nach einer Staffel eingestellt wurden«.
Jharrel Jerome erhielt den Preis für seine Hauptrolle in der Miniserie When they see us, worin es um fünf Teenager aus Harlem geht, die in einen Albtraum geraten, als sie fälschlicherweise für einen brutalen Angriff im Central Park beschuldigt werden. Die Mitdarsteller begrüßten den Gewinn mit stehenden Ovationen und erhobenen Fäusten zu Public Enemys „Fight the Power“.
Erwartungsgemäß gewann die Black Mirror-Episode „Bandersnatch“ den Preis für den besten TV-Film. Es folgten weitere stehende Ovationen, als die Besetzung der anderen legendären Serie, die in diesem Jahr endet, auf die Bühne kam – Veep. Das war die letzten Jahre gewiss eine „Roseanne“. Julia Lois-Dreyfus und Tony Hale überreichten daraufhin den Emmy für die beste weibliche Hauptrolle in einer limitierten Serie oder TV-Film an Michelle Williams, bei derer Dankesrede zu Fosse/Verdon das Publikum ebenfalls aufstand.
Die in Litauen gedrehte Miniserie Chernobyl erhielt insgesamt acht von den 19 Auszeichnungen – u.a. für die beste limitierte Serie, Drehbuch und Regie. Für das beste bunte Programm wurde eine bunte Tanznummer aufgeführt, die nicht ganz so mitreißend war. Adam Devines Gesang kam auch nicht so astrein herüber. Dementsprechend gewann auch Last Week with John Oliver, bei dem sich der Produzent u.a. beim Bürohund bedankte. Die Late-Night-Show gewann auch den Preis für die beste Talkshow.
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Als beste Sketch-Sendung gewann der „Bill Cosby“ unter den Shows – Saturday Night Live. In seiner Dankesrede erinnerte sich Produzent Lorne Michaels, der die Show vor 45 Jahren und 270 Emmy-Nominierungen startete, noch ganz bewegt an den Auftritt von Adam Sandler, der nach 24 Jahren erstmals wieder durch die Show führte und seinem damals verstorbenen Kollegen Chris Farley Tribut zollte. Autor Don Roy King erhielt zudem seinen neunten Emmy für seine Arbeit an der beliebten Sketchshow, insbesondere der Adam Sandler-Ausgabe.
Interessant war auch ein Zusammenschnitt der Serien, von denen wir in diesem Jahr Abschied nehmen mussten – u.a. Gotham und The Big Bang Theory – perfekter Übergang zum Dramafach. Bei drei Nominierungen in der Kategorie „beste männliche Nebenrolle“ gewann dann doch der „größte“ der GoT-Nominierten – Peter Dinklage, der in seiner Dankesrede sagte: »Wir sind buchstäblich durch Feuer und Eis gegangen, und wir würden es wieder und immer wieder machen.« Erstaunlicherweise setzte sich bei den Damen Julia Garner aus der Serie Ozark gegen die vier! Damen aus Game of Thrones durch. Diese war demnach auch sichtlich aufgeregt.
Zum „In memoriam“-Segment sang Halsey das Lied „Time after Time“. Bei den männlichen Hauptdarstellern einer Dramaserie gewann Billy Porter, der Mann mit dem schrägsten Hut des Abends, für seine Rolle in der Serie Pose. Für seine euphorisierende Dankesrede stand das Publikum ebenfalls wieder auf. Gleich danach kam die nächste Überraschung, als Ozark-Hauptdarsteller Jason Bateman den Preis für die beste Regie erhielt. Auch bei den Damen ging der Preis an eine Erstnominierte – Jodie Comer für ihre Rolle in der Serie Killing Eve.
Zum Schluss gab es dann noch die Hauptgewinne – die beste Komödienserie wurde Fleabag, die beste Dramaserie wurde…Game of Thrones! Glück gehabt! Man hätte vermuten können, dass die Serie einen auf Herr der Ringe macht, der damals mit dem letzten Teil sämtliche Oscars einheimsen konnte. Vermutlich war die letzte Staffel dann doch zu enttäuschend, dass es hier nicht ganz für alle nominierten Kategorien gereicht hat. Entsprechend gedrückt fiel dann auch die Dankesrede aus.
Alles in allem hat sich gezeigt, dass eine Moderation solcher Shows nicht zwingend notwendig ist, da die vielen Präsentatoren eh schon die Witze übernehmen. Nicht ganz so stimmig waren hier zudem die witzig sein sollenden Bemerkungen von Kommentator Thomas Lennon, der das Programm füllte, wenn die Stars zur Bühne gingen. Aber immerhin fiel die Show durch Abwechslung und Diversität auf, weshalb sie auch sehr frisch wirkte. Und wer weiß, vielleicht übernehmen ja nächstes Jahr tatsächlich Alexa und ihr Google-Assistent die Moderation solcher Shows…

23.09.2019 | mz
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