Montag, 25. Oktober 2021
93. Oscars® verliehen
Die Union Station in Los Angeles
📷 Troy Harvey | © A.M.P.A.S.
Am Sonntag, den 25. April 2021, wurden in Los Angeles wieder die begehrten Preise der Akademie für Filmkunst und -Wissenschaft, die Oscars® vergeben – diesmal, in Anbetracht der Pandemie, zwei Monate später und an zwei lokalen sowie einigen internationalen Örtlichkeiten. Statt im traditionellen Dolby® Theater im Hollywood & Highland Center® wurde die Show ungewöhnlicherweise in der Union Station in Los Angeles durchgeführt. Ganze vier Tage wurde der Bahnhof aus dem regulären Verkehr genommen, denn es mussten schließlich Bühne, Tische und Stühle aufgestellt und der Rote Teppich ausgerollt werden.
Wie schon in den Vorjahren gab es keine durchgängige Moderation – nur die üblichen Präsentatoren[m/w/d], die teilweise zwei Kategorien zusammen präsentierten (vermutlich um pandemiebedingt die Anzahl der Agierenden hinter der Bühne so gering wie möglich zu halten). Da bot sich der Bahnhof wegen der Weitläufigkeit an. Auch galt jenseits von Sitzplatz, Bühne und Kameras das Gebot der Mund-Nase-Bedeckung, die auch größtenteils eingehalten wurde. Einige Stars (wie z.B. Zendaya) hatten auch passend zur Kleidung farblich abgestimmte Masken auf.
Im Vorfeld wurde die Werbetrommel geschlagen, die Verleihung solle das Flair eines Films haben, doch das einzige Flair war der Ort an sich, der schon in zahlreichen Filmen als Kulisse diente. Letztlich war es eine relativ normale Show, an der jedoch ein paar Änderungen vorgenommen wurden. Beim US-Sender abc, der die Show jedes Jahr live überträgt, gab es im 90-minütigen Spezial vor der Show eine Live-Aufzeichnung der nominierten Lieder, die durch die internationale Aufteilung der übertragenden Sendeanstalten den meisten Zuschauenden vorenthalten wurde.
In Deutschland sendete ProSieben wie üblich mit „Pro“-Steven Gätjen live vom Roten Teppich, der recht überschaubar blieb, da weltweit nur zehn berichterstattende Teams Zugang bekamen. Auch gab es diesmal keine Zuschauenden vor Ort. Die Stars hatten eine Abrenzung von 2 Metern zu den Reportern, weshalb man einen langen Arm für das Mikrofon brauchte.
Die Produzenten[m/w/d] der 93. Oscar®-Verleihung (Jesse CollinsStacey Sher und Steven Soderbergh) hatten dafür geworben, die Verleihung irgendwie als Film zu drehen, doch die Nummer schien nach hinten loszugehen, denn der Trailer dazu wurde unlängst zurückgenommen. Stattdessen gab es eine Show ohne Anfangsmonolog, ohne die üblichen nominierten Lieder und eine vermutlich neu gewürfelte Reihenfolge, bei der der beste Film nicht wie üblich zum Schluss ausgezeichnet wurde, sondern als Drittletztes.
Im Gegensatz zu den bisherigen Jahren fand die Verleihung diesmal mit Tageslicht statt, denn nicht alle Fenster wurden zugehangen oder zugebaut, was das Ganze wie eine Messe wirken ließ. Aufgrund der Corona-Beschränkungen kamen auch nicht alle Stars nach Los Angeles. So gab es Liveschaltungen nach London, Paris, Berlin, Stockholm, Sydney und Seoul, wo entweder die Nominierten zusahen, den Preis entgegen nahmen oder präsentierten.
Da die Gesangsnummern fehlten, gab es auch mehr Zeit für die Dankesreden, die diesmal nicht von Musik abgebrochen wurden. So gab es teilweise etwas längere Vorträge, wie die emotionale Rede von Thomas Vinterberg, der mit seinem Film Der Rausch den Preis in der Kategorie Internationaler Spielfilm erhielt. Auch gab es diesmal zwei Jean Hersholt Humanitärpreise – einen für MPTF-Präsident und CEO Bob Beitcher (eigens dafür von Bryan Cranston aus dem leeren Dolby® Theatre präsentiert) und einen für Tyler Perry, der erst im vorigen Jahr einen ähnlichen Emmy®-Preis für sein Werk erhalten hat und zudem mit stehendem Beifall geehrt wurde.
Statt der Gesangsnummern wurde nun auch hier Questlove (ohne Kamm im Haar, der vermutlich beim Aufsetzen der Maske stört) als DJ engagiert, der in den Werbepausen für musikalische Unterhaltung sorgte. Auch gab es ein musikalisches Oscar®-Quiz mit Lil Rel Howard, der die Stars fragte, ob denn das gehörte Lied Oscargewinner, nominiert oder keines davon war. Die doch recht informative Nummer endete mit Glenn Close, die „Da Butt“ tanzte. Zu erwähnen wären da noch Harrison Fords witzige Anekdote an Blade Runner und Frances McDormands Wolfsgejaule nach ihrem Oscargewinn als beste Schauspielerin in einer Hauptrolle.
Ansonsten war die Veranstaltung recht unspektakulär. Natürlich gab es auch in diesem Jahr wieder in Erinnerung bleibende Kleider wie das weite schuppige Pailettenkleid von Carey Mulligan, das knallrote Kleid mit den riesig aufgepufften Schultern von Angela Bassett, die man mit langen Haaren zudem kaum wiedererkannt hat, das bauchfrei lächelnde gelbe Kleid von Zendaya oder etwa der um die Hüften aufgepuffte Lampenschirm von Dana Murray.
Was die Preise an sich angeht, gab es keine großen Abräumer. Jeweils zwei Preise erhielten Nomadland (u.a. bester Film), The Father, Mank, Sound of Metal, Soul sowie Ma Rainey’s black Bottom. Das alljährliche Trauersegment „In Memoriam“ wurde diesmal nicht live gesungen untermahlt und war recht vollgepackt. Man hatte teilweise Mühe, den Einblendungen zu folgen. Manche wurden kürzer eingeblendet, manche länger. Falls jemand nicht alle mitbekommen hat – das Segment gibt es auf dem YouTube-Kanal der Akademie.
Die Umstellung der Reihenfolge und das Herausnehmen der Musikbeiträge hat sicher bei vielen Zuschauenden Ärger hervorgerufen, und die Bühne war von der Größe her ein wenig zu klein (gab aber auch schließlich keine Tanzszenen wie früher). Dafür war das Ambiente hell und überschaubar, und die Show mit dem internationalen Konzept hat schon ein wenig an den ESC erinnert. Das wär doch auch mal was – weltweite Länderbewertungen der nominierten Filme! Dann würde die Show jedoch sicher doppelt so lang werden…

28.04.2021 | mz
Kategorien: Aktuell | Frisch zubereitet