Freitag, 23. Juli 2021
78. Golden Globes verliehen
© HFPA
Vergangene Nacht wurden zum 78. Mal im Beverly Hilton Hotel im kalifornischen Beverly Hills die Golden Globes® verliehen. …und im Rainbow Room in New York. Pandemiebedingt fand die Zeremonie größtenteils unter Ausschluss der Gäste statt. Einzig die Gastgeberinnen Amy Poehler (Los Angeles) und Tina Fey (New York City), Präsentatoren[m/w/d] und Sketchpartner[m/w/d] waren vor Ort. Die Tische vor der Bühne konnte man an einer Hand abzählen, die Anwesenden in den kleinen Sälen waren diesmal keine Stars sondern Notärzte und trugen Mund-Nase-Bedeckungen.
Nicht nur dass durch die Pandemie die Nominierten via Videochat zugeschaltet wurden, auch versäumte man es, die Sendung in Deutschland im Fernsehen zu übertragen. Die letzten Jahre hatte TNT Serie die Show live übertragen. Einige Internetseiten berichteten, die Show würde auf E! übertragen werden, doch dort gab es (wie üblich) nur die Berichterstattung vom Roten Teppich.
Die Gastgeberinnen hießen alle herzlich bei den 78. Hungerspielen willkommen und klärten uns über die Unterschiede zwischen TV- und Kinofilm auf. Tina Fey wies zudem die HFPA darauf hin, keine farbigen Mitglieder zu haben, und rief sie zu einer Änderung auf. Zwischendurch kommentierten sie auch die verschiedenen Zoom-Chat-Bilder der zugeschalteten Nominierten – so Don Cheadles „komm-mach-hin“-Armgeste oder der unrasierte Jason Sudeikis im Kapuzenshirt.
Neben gespielten Sketchen von Saturday Night Live-Kollegen[m/w/d] gab es auch Einspieler mit Kindern, die Fragen beantworten mussten, oder gespielte Videoanrufe von Stars bei ihren Ärzten. Neben den zahlreichen Globes für Film und Fernsehen gab es auch wieder den Carol-Burnett-Preis, der diesmal an den revolutionären Komödienserien-Drehbuchautor Norman Lear ging, sowie den Cecil-B.-deMille-Preis, der an Jane Fonda ging.
Im TV-Bereich dominierten die Serien The Crown, Das Damengambit und Schitt’s Creek, und Jason Sudeikis erhielt den Globe für die Titelrolle in der Apple TV-Serie Ted Lasso. Disneys Soul wurde neben dem Preis für den besten animierten Spielfilm auch für die beste Filmmusik ausgezeichnet. Trent Reznor akzeptierte den Preis mit Vergnügen, denn »das ist das erste Mal, dass meine Kinder einen Film sehen dürfen, für den ich die Musik gemacht habe.«
Im Filmbereich waren die Frauen recht überrascht – Rosamund Pike wurde für ihre Rolle der Altenpflege-Hochstaplerin in I care a lot ausgezeichnet und Jodie Foster für ihre Rolle der Anwältin in Kevin Macdonalds Der Mauretanier, der Ende Juni in die deutschen Kinos kommen soll. Dadurch ging auch „Systemsprengerin“ Helena Zengel leer aus, die für ihre Rolle in Neues aus der Welt nominiert war.
Wer Ma Rainey’s black Bottom gesehen hat, wusste sofort, dass Chadwick Bosemans Rolle des Levee prämiert werden würde. Durch dessen Ableben bedankte sich an seiner Stelle dessen Witwe mit Tränen in den Augen – ein Vorteil, dass sie das auf der heimischen Couch und nicht auf der Bühne machen konnte.
In der Kategorie Musikfilm oder Komödie wurde Sacha Baron Cohen gleich doppelt überrascht – mit einem Preis als bester Hauptdarsteller und bester Film. »Ich bedanke mich bei der völlig weißen Hollywood Foreign Press!«, ließ der Komiker aus Borat: Anschluss Moviefilm los. Im Dramabereich bestach Nomadland von Chloé Zhao, die die Preise für die beste Regie und den besten Film erhält. Hauptdarstellerin Frances McDormand musste sich jedoch gegen Andra Day geschlagen geben, die den Goldenen Globus für ihre Darstellung von Billie Holiday in Lee Daniels The United States vs. Billie Holiday erhalten wird.
Zum Schluss sei zu sagen, dass die Show trotz der unüblichen Durchführung ein voller Erfolg war – vermutlich weil die Komiker[m/w/d] nicht sehen konnten, ob die Gäste im Saal gelacht haben oder nicht und die Liveschaltungen zu den Nominierten ohne Probleme funktionierten. Jetzt muss sich nur noch ein deutscher Sender erbarmen, die Golden Globes® künftig wieder regelmäßig zu übertragen…

01.03.2021 | mz
Kategorien: Aktuell | Frisch zubereitet