Sonntag, 31. Mai 2020
New York – Die Welt vor deinen Füssen
The World before your Feet
IMDb
15.000 Kilometer – das ist die Distanz, die Matt Green seit 2012 zu Fuß zurückgelegt hat. Sie entspricht ungefähr der Entfernung zwischen Deutschland und Australien. Allerdings ist Matt diese Strecke ausschließlich in einer einzigen Stadt gelaufen – in seiner Wahlheimat New York City.
Für seine Mission hat Matt fast alles aufgegeben – seinen Job als Ingenieur, seine Beziehung, selbst seine Wohnung. Was macht es mit einem, wenn man acht Jahre zu Fuß in der eigenen Stadt unterwegs ist? Mit kleinem Besitz, aber großer Aufmerksamkeit für Menschen und Momente. Vor New York war er auch schon quer durch die USA unterwegs – von der Ost- zur Westküste. Wir sehen Ausschnitte von dieser Tour wie auch ein Interview mit seiner Ex-Verlobten, was uns das Wesen dieses Mannes näher bringt.
Wie kommt man auf einen so eigensinnigen Plan? Matt Green hat New York auf eine Weise erkundet wie noch niemand vor ihm. Was er dabei über die Stadt herausgefunden hat, diese wundervolle, wahnsinnige und wilde Metropole, deren Faszination sich kaum jemand auf der Welt entziehen kann, zeigt dieser Film.
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Seit acht Jahren hat es sich Matt Green zum Ziel gesetzt, jeden Häuserblock und jede Straße in New York entlang zu gehen. Er lebt von 15 Dollar pro Tag, und übernachtet bei Freunden und Bekannten kreuz und quer in New York City, verdient seine Unterkunft oder Verpflegung mit dem Aufpassen auf Katzen oder Hunde, die er uns auch namentlich vorstellt.
Zu seinen Wanderungen gehört auch einiges an Recherche zu den unzähligen Kuriositäten, die er dabei aufspürt – vom Denkmal bis zum Gullydeckel. Dabei bleibt er jedoch strikt Beobachter, ohne sich belehrend oder kritisierend zu äußern, wie z.B. über das offensichtliche Müllproblem.
Matt Green hat nun schon Jahre seines Lebens dieser Unternehmung gewidmet, aber kann mit Gewissheit eigentlich nur die Gründe nennen, aus denen er es nicht macht: Er will kein Buch schreiben, und auch nicht als Fremdenführer arbeiten. Er sammelt dabei keine Spenden für wohltätige Zwecke und schert sich auch nicht um Werbung. Er fühlt sich einfach dazu gezwungen, zu wandern, und dadurch die Welt und die Menschen, die in ihr leben, besser zu verstehen.
Überall stellt er sich vor und erklärt den Leuten sein Projekt, was nach geraumer Zeit für die Zuschauenden ein wenig nervt. Aber der Mann hat das Tag für Tag über Jahre hinweg immer wieder gemacht, weshalb man als Zuschauer in dieser Hinsicht darüber hinwegsehen sollte. Allerdings sollte man sich lieber die Originalfassung oder die Untertitelfassung ansehen, denn die deutsche Fassung mit simultanübersetzter Sprache verursacht schon bald Kopfschmerzen.
Regisseur Jeremy Workman, ein langjähriger Freund des Protagonisten, hat aus über 500 Stunden Filmmaterial, das er über einen Zeitraum von drei Jahren an Orten in allen New Yorker Stadtbezirken aufgenommen hatte, eine Geschichte destilliert, die die Vielfalt der riesigen, pulsierenden Stadt zeigt, und von der kuriosen Mission eines Einzelnen. Produziert und vermarktet hat das Ganze der New Yorker Schauspieler Jesse Eisenberg.
New York – Die Welt vor deinen Füßen ist ein äußerst unterhaltsamer Reisebericht über das wahre New York jenseits des Mainstreams und gibt uns einen Eindruck über die Geschichte der Stadt. Und mal ehrlich: Wer kennt sich schon in jeder Seitenstraße seiner Stadt aus? Wer nach dem Film nicht genug bekommen kann, kann sich die Fotos ansehen, die Matt Green tagtäglich in seinen ▶Blog gestellt hat! 

29.05.2020 | mz
Kategorien: Feature | Filme