Sonntag, 31. Mai 2020
IMDb
Ray Garrison verliert seine Frau durch einen verrückt-brutalen Widersacher, und dann auch noch sein eigenes Leben. Er erwacht im Labor der RST Corporation. Der führende Wissenschaftler Dr. Emil Harting experimentiert mit Nanotechnologie, die es den Probanden ermöglicht, mit neuartiger Technologie Körperteile oder/und -Funktionen zu unterstützen oder zu ersetzen.
In Rays Fall bedeutet das, dass dieser mit Hilfe der Milliarden von Nanobots in seinem Körper nicht nur superstark sein kann, sondern auch durch diese komplett geheilt werden kann. Aber mit der Kontrolle seines Körpers herrscht RST auch über sein Gehirn und seine Gedanken und kann ihn mit einem Mausklick abschalten. Ray weiß nicht, was Realität ist und was nicht – aber er begibt sich auf eine Mission, es herauszufinden…
  • Bloodshot 02
    »You used open sourcecode in my multi million dollar tech?!«
    Dr. Emile Harding
Wieder einmal gibt es ein neues Comic-Filmuniversum – diesmal von Valiant Comics, die „Bloodshot“ herausbrachten, als DCs „Superman“ gerade gestorben war. Bloodshot ist einer jener Superhelden, die keine Erwähnung brauchen. Nicht einmal wird im Film der Name erwähnt. Der Name stammt wahrscheinlich daher, dass Rays Blut mit selbstreplizierenden Naniten injiziert wurde. Aber das tut dem Film nur gut, dass man sich nicht an solch einem Codenamen festhalten muss. Ray Garrison klingt auch gleich viel menschlicher, was der Film auch eigentlich sein will.
David S.F. Wilson, der bislang hauptsächlich für visuelle Effekte von Videospielen verantwortlich war, gibt hier sein Regiedebüt. Für ihn war die Figur des verstärkten und durch Technik und Wissenschaft entwickelten Superhelden eine Chance, die Überkreuzung von Technologie mit unserem täglichen Leben zu erforschen.
»Bloodshot ist sicherlich ein Superheld, doch seine Kraft bekommt er von Technologie«, merkt er an. »Daher ist er sehr bodenständig. Wir alle werden von der Technik um uns beeinflusst, sogar kontrolliert. Oder ich sollte sagen: Technologie gibt uns die Illusion der Kontrolle über unser Leben, während sie eigentlich zügellos unser Leben kontrolliert.«
Der Regisseur weist auch darauf hin, dass das, was Ray Garrison erlebt, nicht allzu weit von der Realität entfernt sei, ob gut oder schlecht: »Offensichtlich sehen wir bereits Menschen mit fortschrittlicher Prothetik. Im Moment sind diese Prothesen den menschlichen Gliedmaßen noch unterlegen. Aber der Tag wird kommen, an dem sie überlegen sind. Man wird Kraft kaufen können. Was ist angsteinflößender als wenn man Intelligenz kaufen kann, weil wir dadurch bestimmt werden, was wir uns leisten können. Es gibt einen Begriff dafür: Transhumanismus – wobei wir uns jenseits der physischen und neurologischen Beschränkungen, mit denen wir geboren werden, verändern können werden. Und das sind nur einige der Fragen, die der Film aufwirft.«
👨🏼‍🦲 💉 🦠 💪🏼 🔓 💥
Trotz des philosophischen Aspekts bleibt Bloodshot in erster Linie ein Actionkracher mit viel Optik und viel Action. Spätestens wenn sich Vin Diesel sein Oberteil vom Körper reißt, weiß man, was man erwarten kann – Testosteron ohne Ende! Aber nicht nur die Frauen dürfen schwärmen, die neben Vin Diesel auch noch Outlander-Schönling Sam Heughan mit Drei-Tage-Bart, Beinprothesen und zusätzlichen Armen begutachten können.
Auch das männliche Publikum darf an der Seite von Ray Garrison schmachten, wenn dieser Eiza González (als Mitbringsel von Fast & furious | Hobbs & Shaw) bei einem äußerst ästhetischen und sinnlich anmutenden Unterwasserkampfsport zusieht. Damit die Geschichte komödiantisch aufgefrischt wird, ist Lamorne Morris aus der Serie New Girl als Mitentwickler der Nanotechnologie und Dr. Hartings Nemesis zu sehen, der Ray aus dem Untergrund hilft, sich der Willkür Hartings entgegenzustellen.
Die Actionszenen sind rasant inszeniert. Das menschliche Auge kann den Bewegungen gerade so folgen. Zusammen mit der packenden musikalischen Untermahlung von Steve Jablonsky wird man in die Action hineingerissen – für Leute mit hohem Blutdruck nicht unbedingt zu empfehlen. Allerdings fehlt bei einigen Sequenzen der offensichtliche dreidimensionale Effekt, weshalb man sich, wenn man schon die 3D-Technik einstampft, das wenigstens filmtechnisch besser für 2D umsetzen sollte. 
Dafür besitzt der Film aber auch einige grandiose visuelle Effekte. Man sieht zum Beispiel, wie eine Blendgranate in Zeitlupe losgeht oder Vin Diesels halbes Gesicht weggepustet wird. Doch das Hauptaugenmerk liegt auf der Handlung, die die Zuschauenden von Anfang bis Ende mitreißt. Manchmal ist man dabei zwar nicht sicher, was das Drehbuch so alles an Peinlichkeiten noch bieten wird, doch man wird nicht enttäuscht aus dem Film entlassen.

29.05.2020 | mz
Kategorien: Feature | Filme