Montag, 22. April 2019

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„The Master“ Lancaster Dodd und Freddie kurz vor ihrer Verhaftung auf der Veranda.
© Senator Film


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Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Amerika eine rastlose Nation im Umbruch. Es war eine Ära beispiellosen Aufschwungs, eine Zeit großer Hoffnungen und Erwartungen, aber auch eine Zeit der Entwurzelung und schwelenden Unsicherheit. Dieses Aufeinanderprallen der Gegensätze brachte eine Kultur des Suchens und Hinterfragens hervor, die bis ins 21. Jahrhundert überdauert hat. Junge Männer, die aus der unfassbaren Finsternis des Krieges in die Heimat zurückkehrten, bauten eine schöne neue Welt des Wohlstands und Aufbruchs auf. Dennoch sehnten sich viele nach einem tieferen Sinn, nach etwas Größerem als sie selbst – etwas, das ihnen Halt geben sollte in dieser verwirrenden, gnadenlos modernen Welt.

Vor dem Hintergrund dieser spirituellen Sinnsuche erzählt Paul Thomas Andersons sechster Kinofilm eine kraftvolle, zutiefst menschliche Geschichte am Vorabend des Jahres 1950. Der Film verfolgt das bewegte Schicksal von Freddie, einem labilen Ex-Marineoffizier, der im Alltag nicht mehr zurechtkommt. Als er zufällig auf eine noch junge Bewegung namens „Der Ursprung“ (Original: „The Cause“) stößt, nimmt sein Leben eine unerwartete Wendung.

Der Vagabund und Außenseiter Freddie steigt zum Günstling des charismatischen Anführers Lancaster Dodd auf. Doch „Der Ursprung“ strebt die völlige Kontrolle menschlicher Gefühle an, und bald entwickelt sich zwischen den „Glaubensbrüdern“ Freddie und Dodd ein erbittertes, intimes Psychoduell. The Master ist seit Jahrzehnten der erste Film, der in 65mm-Format entstand, und wird von einer engagierten Crew und grandiosen Schauspielern getragen. Das Ergebnis ist ein auch optisch überwältigendes, provokantes Portrait dreier Menschen, die ihre Welt verändern wollen.

Anderson berichtet, er habe viele zeitgenössische Werke gelesen, von Steinbeck bis zu L. Ron Hubbard, merkt aber an: »Wenn du nicht gerade eine Doku oder Biografie drehst, gehen Recherche und Vorstellungskraft hoffentlich nahtlos ineinander über.« Während das Drehbuch diverse Phasen durchlief, gewann die Fantasie tatsächlich die Oberhand und „Der Ursprung“ wurde zu einer eigenständigen Organisation – eine Ersatzfamilie, in der sich dieselben Probleme und dasselbe komplizierte Kräftespiel finden wie unter Blutsverwandten.

In jeder Szene geht es zwischen den Protagonisten um das Dilemma zwischen Rivalität und Liebe, Ambition und Desorientiertheit. »Wenn ich mir den Film jetzt ansehe, sehe ich in Freddie und Dodd zwei Menschen, die unbedingt zusammen bleiben, zusammen sein wollen«, sagt Anderson über sein Paar. »Ich glaube, sie sehen im Anderen Stärke, möchten ihm aber zugleich dabei helfen, seine Schwächen zu erkennen. Ich sehe beide als großmütige Männer, die auf sehr unterschiedliche Art vermitteln, was sie zu geben haben.«

Die Oscar®-Nominierungen zeigen, dass dieses Spiel der drei Hauptdarsteller schon außergewöhnlich ist. Auch die Bilder sind zum Teil recht groß angelegt, wenn z.B. Dodd und Freddie in der Wüste auf dem Moped mal ordentlich die Sau rauslassen, ihren Geschwindigkeitsrausch ausleben, ihre im Innern angestauten Frustrationen freigeben. Allerdings war es das auch schon, was man dem Film zu Gute halten kann.

Allein der Fakt, dass es sich nicht direkt um Scientology dreht, aber trotzdem viel vom „Ursprung“ erzählt wird, verpufft irgendwie in der Fiktion, weil vermutlich ein-zwei Details nicht stimmen und sich Anderson daher auf den fiktiven „Ursprung“ festgelegt hat. Dabei liegt die Analogie auf der Hand, kann jedoch nicht so recht überzeugen, wodurch dieser Teil der Geschichte unattraktiv wirkt.

Dass Joaquin Phoenix erneut eine preisverdächtige Darstellung abliefert, steht außer Frage, doch man kann die inneren Beweggründe nicht so recht nachvollziehen, es sei denn, man stempelt Freddie als geistig behindert, zurückgeblieben ab. Dann macht das alles auch mehr Sinn und man kann so einiges verstehen. Dass Dodd von ihm fasziniert ist, steht wiederum auf einem anderen Blatt. Er sieht in Freddie ein Experiment seiner Glaubensgemeinschaft – ihn aufzubauen, auf den Weg des „Ursprungs“ zu stellen, um dann einen überzeugten Jünger herauszubekommen.

Dass das nicht wirklich funktionieren kann, zeigt der Film. Dodd hilft zwar Freddie, sich mehr zu sozialisieren, seine gewalttätigen Gefühlsausbrüche unter Kontrolle zu bekommen, doch so richtig überzeugt wird Freddie von der „Sache“ schließlich nicht. Mit Schuld daran ist Dodds Sohn, der die ganze Angelegenheit gelassen sieht und sich aus der Glaubensfrage heraushält und sein Leben genießt, was Freddie bewundert. Ganz anders ist es bei Dodds Ehefrau Peggy, die ihren Mann mit strenger Hand unter Kontrolle hat, Psychogramme erstellt und treibende Kraft im „Ursprung“ ist. Sie ist keineswegs von Freddie überzeugt, geschweige denn das Interesse ihres Mannes teilt.

Dass lediglich die drei Hauptdarsteller für den Oscar® nominiert sind, sagt einiges über den Film aus. Die Handlung ist ausschweifend lang, was sich in den zweieinhalb Stunden Filmlänge niederschlägt, die dann durch einige lange Einstellungen schon mal auf gefühlte 3 Stunden kommt. Auch die Musik ist dabei nicht hilfreich. Das Gefidel hört sich nach Verrücktheit an. Da freut man sich, wenn dann mal zeitgenössische Songs von Ella Fitzgerald oder Jo Stafford zu hören sind.

Der Film besticht durch seine herausragende Optik und Schauspieler, kann jedoch nicht so recht den Zuschauer fesseln. Am Ende hat man nur Mitleid mit Freddie, der den Anschluss zu seiner Vorkriegsfreundin verpasst hat. Der Rest der Geschichte verschwindet alsbald im Nirvana. Da hatte Anderson schon unterhaltsamere Filme mit Anspruch gedreht. Auch wenn einige Kritiker das Thema Familie im Film mit Boogie Nights vergleichen – dem „Master“ fehlt eindeutig ein vernünftiger „Commander“. Man vergeudet jetzt nicht unbedingt Zeit, sich den Film anzusehen, doch man bleibt am Ende vom Gesamtwerk enttäuscht. mz

OT: The Master
USA 2012

Drama
137 min
FSK 12

mit
Joaquin Phoenix (Freddie Quell) Gedeon Burkhard
Philip Seymour Hoffman (Lancaster Dodd) Oliver Stritzel
Amy Adams (Peggy Dodd) Giuliana Jakobeit
Ambyr Childers (Elizabeth Dodd) Luisa Wietzorek
Jesse Plemons (Val Dodd) Timmo Niesner
Laura Dern (Helen Sullivan) Sabine Jaeger
Christopher Evan Welch (John More) Olaf Reichmann
Barlow Jacobs (James Sullivan)
Kevin J. O’Connor (Bill William)
u.a.

drehbuch
Paul Thomas Anderson

musik
Jonny Greenwood

kamera
Mihai Malaimare jr.

regie
Paul Thomas Anderson

produktion
The Weinstein Company
Ghoulardi Film Company
Annapurna Pictures

verleih
Senator

Kinostart: 21. Februar 2013

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22.02.2013 | mz |
Kategorien: Filme | ohne