Freitag, 30. Januar 2026
Rental Family
レンタル ファミリー
Phillip Vanderploeg (Brendan Fraser)
zurück
vor
 
Schauspieler Phillip lebt seit sieben Jahren in Tokio und hält sich mit Gelegenheitsarbeiten für Werbespots oder Statistenrollen über Wasser. Als er eines Tages für eine gespielte Beerdigung engagiert wird, bekommt er von der Agentur „Mietfamilie“ ein Angebot, in diverse Rollen zu schlüpfen, um den Leuten beim Lügen und Vorgaukeln oder auch bei der psychologischen Bewältigung zu helfen.
Während er mehr und mehr in die Lebenswelten seiner Kunden eintaucht und ihnen hilft, ihre familiären Lücken zu füllen, beginnt er echte Bindungen aufzubauen, die die Grenzen zwischen Schauspiel und Realität verschwimmen lassen. In der Auseinandersetzung mit den moralischen Aspekten seiner neuen Arbeitsstelle, entdeckt er den Sinn im Leben, das Gefühl von Zusammengehörigkeit und die Schönheit zwischenmenschlicher Beziehungen neu.
🗼
Sie dürfen eine Begleitperson zur Hochzeit mitbringen, sind aber leider Single. Ihr neuer Freund möchte Ihre Mutter kennenlernen, aber Sie haben Angst, dass sie Sie in Verlegenheit bringt. Sie haben es satt, jedes Wochenende allein ins Kino zu gehen, aber keiner Ihrer Freunde ist ein Cineast. Sie möchten sich mit jemandem über Ihre Lieblingsserie unterhalten, aber niemand in Ihrem Freundeskreis hat sie gesehen.
Wer hat sich in einer solchen Situation nicht schon einmal einen idealen Begleiter gewünscht, eine Person, die uns hilft, unsere emotionelle Leere in unangenehmen sozialen Situationen zu füllen? Regisseurin, Produzentin und Drehbuchautorin Hikari, die sich mit Kurzfilmen ausprobiert hat und nach ihrem Spielfilmdebüt 37 Seconds (2019) an den Serien Tokyo Vice und Beef mitgearbeitet hat, führt uns in die skurrile Welt der japanischen Mediengesellschaft.
Nur statt vor Kameras agieren unsere Helden aus der Mietfamilien-Agentur live vor echten Menschen – mal dominant einen Angestellten entwürdigen, mal als Geliebte der Ehefrau vorführen oder, wie in Phillips Fall, einen Reporter mimen, der einen ehemaligen Filmstar interviewen will, mit einem allein Lebenden Videospiele zocken oder als Vater fungieren, damit ein Mädchen an die Eliteschule kommt.
Thematisch erinnert der Film ein wenig an den deutschen Film Stellungswechsel um fünf Freunde, die alle aus unterschiedlichen Gründen in finanziellen Nöten stecken, die eine Begleitagentur für Frauengründen und sich unter dem Motto „Deutsche Delikatessen“ als Begleitungen anbieten, jedoch schnell feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, sich selbst zu vermarkten.
Rental Family ist jedoch viel feinfühliger und drückt nicht auf Scham und Lachmuskeln. Hikari verzaubert uns mit einer leichten unterhaltsamen Handlung, die von unglaublich charmanten und wirklich grandios spielendem Ensemble getragen wird. Die Musik von Jónsi und Alex Somers zieht sich wohlklingend als nebulöser Klangteppich durch den Film, der in allen filmischen Dimensionen überzeugt. Zum Lokalkolorit gehören auch Bilder, die verschiedene Facetten Japans zeigen, aber gleichzeitig auch den Augen gut tun.
Wenn das Filmjahr so beginnt, kann es praktisch nur noch bergab gehen. Rental Family ist ein Film, der das Herz erweicht, Spaß macht und uns letztlich den wortwörtlichen Spiegel vorhält. Der Film lebt weniger vom Konflikt, als dass er sich von den Entwicklungen der Figuren ernährt. Am Ende sind Herz und Seele so gerührt, dass man vor Lebensfreude schniefend aus dem Film entlassen wird.

30.01.2026 | mz
Kategorien: Kino
Genres DramaKomödie