Montag, 22. April 2019


Snow (Guy Pearce)
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Ist CIA-Agent Snow ein Verräter und kaltblütiger Kollegenkiller? CIA-Hardliner Scott Langral hat keine Zweifel. Schließlich konnte er mit eigenen Augen sehen, wie Snow bei einer Kofferübergabe in einem Hotelzimmer seinen Mentor Frank erst erschossen hat und dann geflüchtet ist. Seinem CIA-Vertrauten Harry übermittelt Snow heimlich, dass er den Koffer vor seiner Verhaftung seinem Partner Mace zuspielen konnte. Und der hat ihn sicher in einem Schließfach verstaut. Nur in welchem?

Snow wird im Schnellverfahren zu dreißig Jahren Knast ohne Bewährung im ausbruchssichersten Gefängnis der Zukunft verurteilt: Die MS One schwebt 50 Meilen über der Erde mit 500 der gefährlichsten Verbrecher der Welt an Bord, die im künstlichen Tiefschlaf liegen. Dorthin fliegt Präsidententochter Emilie auf humanitärer Mission. Sie hat gehört, dass dieses Sedierungsverfahren zu gefährlichen Nebenwirkungen führen soll und möchte sich selbst ein Bild von den Haftbedingungen machen.

Der Verdacht bestätigt sich bei einem Gesundheitscheck schnell: Insasse Hydell entpuppt sich als durchgeknallter Psychopath. Und dann kommt es zur Katastrophe: Während der Befragung durch Emilie reißt er mit einer zugespielten Waffe die Macht an sich und zwingt das Gefängnispersonal, alle Schlafkabinen zu öffnen.

Eile ist geboten und es gibt nur einen, der genug Verve und Mut besäße, sich in diesen Hexenkessel zu wagen. Langral macht Snow, der sich noch auf der Erde befindet, ein Angebot: Stoppt er die feindliche Übernahme, bietet ihm die US-Regierung seine Freilassung an. Snow zeigt verständlicherweise null Interesse, Langral zu helfen. Erst als er von Harry erfährt, dass auch Mace längst verhaftet wurde und sich auf der MS One befindet, sagt Snow zu. Ausgestattet mit modernstem High-Tech wird er zu dem Hochsicherheitsgefängnis geflogen…

Obwohl Lockout in erster Linie ein Actionthriller ist, hat er auch komödiantische Momente. Es sei sehr schwierig, eine solche Balance hinzubekommen, wie Stephen St. Leger erklärt, da Comedy ein äußerst subjektives Genre sei, denn »Jeder hat eine eigene Auffassung von gutem Humor. Mit einer Szene, die witzig gemeint ist, kann man fürchterlich auf die Schnauze fallen. Für mich ist der Meister dieses Fachs Billy Wilder. Sein Humor trifft immer ins Schwarze und wirkt nie bemüht oder gar schwerfällig. Bei ihm gibt es auch keinen Gag um des Gags willen. Man spürt, dass er nie um jeden Preis witzig sein will. Wir haben versucht, uns ein wenig bei ihm abzuschauen.«

Gleichzeitig orientiere sich Lockout an den 1980er Jahren, sagt der Regisseur zufrieden: »Ich liebe die Stirb langsam-Reihe und Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten, diesen Humor findet man auch bei uns.« Und genau das ist es auch, was den Film vor dem C-Movie-als-Ersterscheinung-auf-DVD rettet – die Bösen sind so richtig böse und die Helden sind Megacool.

Die Charakterzeichnung war den beiden Regisseuren besonders wichtig. Aber sie haben es sich dabei nicht leicht gemacht und den Helden anfangs so zynisch und leidenschaftslos angelegt, dass es einem schwer fällt, ihn zu mögen. Andererseits ist er sehr komisch und hat einen staubtrockenen Humor.

»Er erinnert mich an die Charaktere, die William Holden für Billy Wilder gespielt hat«, stimmt Stephen St. Leger zu. »Ein sarkastischer Kerl mit bissigem Witz. Die Beziehung zwischen Emilie und Snow weckt Erinnerungen an Humphrey Bogart und Katharine Hepburn in African Queen, mit anderen Worten: auch hier treffen zwei völlig gegensätzliche Charaktere zusammen, die aufeinander angewiesen sind.«

»Beim ersten Lesen musste ich lauthals lachen«, erzählt Maggie Grace (LOST, The Fog). »Es gefiel mir sofort sehr, denn es erinnerte mich an Actionfilme, wie es sie früher gab, die ich geliebt habe, weil sie einfach nur Spaß machten. Unser Drehbuch nimmt sich auch nicht sonderlich ernst, hat Sinn für Humor und ist total respektlos, und es bietet großartige One-Liner. Ich war total begeistert und konnte den Drehbeginn kaum abwarten.«

»Wir haben lange darüber nachgedacht, wen wir für die Rolle von Snow haben wollten«, erinnert sich Produzent Marc Libert, »bis die Regisseure und Luc Besson sich mit Guy Pearce trafen, der zu der Zeit Mildred Pierce drehte und sehr schlank war. Das bereitete James und Steve zwar einige Sorgen, denn Snow sollte sehr durchtrainiert sein. Aber Guy beruhigte uns und sagte, er sei als 16-Jähriger ein australischer Bodybuilding-Champion gewesen und sein Körper würde bis Drehstart topfit sein.«

»Ich habe im Kraftraum trainiert und massiv Gewicht zugelegt, aber das war eigentlich keine große Sache, da ich grundsätzlich versuche, mich körperlich einigermaßen fit zu halten. Die größte Herausforderung ist es vielmehr, möglichst überzeugend zu wirken«, sagt Guy Pearce, der in diesem Jahr in einer weiteren Science-Fiction-Produktion im Kino zu sehen sein wird: Prometheus – Dunkle Zeichen.

Pearce ist ein Ausbund an Disziplin und Organisationsvermögen. »Er kam mit einem ganzen Ordner ans Set«, so Libert weiter. »Er hatte die Entwicklungskurve seiner Filmfigur perfekt ausgearbeitet, bestimmte Szenen des Drehbuchs markiert und sich sogar die Charakterentwicklung der Figuren erarbeitet, mit denen Snow zusammentrifft.«

Produzentin Leila Smith ergänzt: »Wir witzelten, dass wir uns das Gehalt für den Script Supervisor hätten sparen können, weil Guy bei jedem kleinen Detail total im Bilde war.« Und tatsächlich hat Guy Pearce vor seiner Schauspielkarriere im Continuity-Bereich gearbeitet. »Guy war sehr engagiert, aber dabei immer bestrebt, Szenen insgesamt zu verbessern und nicht nur selbst besser dazustehen«, sagt Libert.

Über Maggie Grace sagt Smith: »Sie ist eine tolle Schauspielerin, mit der man ausgezeichnet zusammenarbeiten kann. Sehr professionell und immer offen für Vorschläge.« Libert ergänzt: »Manchmal muss sie sich für ein paar Minuten mit ihrem iPod zurückziehen, um sich neu zu konzentrieren, aber sobald sie vor der Kamera steht, ist sie hundertprozentig dabei, vom ersten Take an.«

Leila Smith ergänzt: »Es machte ihr überhaupt nichts aus, als wir sie baten, drei Wochen vor Drehstart einzufliegen, um die Arbeit mit den Drähten zu üben und bestimmte Szenen zu proben. Maggie und Guy kamen, sobald sie ihre vorhergehenden Verpflichtungen erfüllt hatten.«

»Ich liebe maskuline Energie«, sagt Grace. »Meine besten Freunde in meiner Jugendzeit waren immer Jungs und mir gefällt es auch, größere Brüder um mich zu haben. Deshalb ist Kampftraining genau mein Ding. Ich habe sogar immer noch eine Schippe draufgelegt, um hinterher stolz meine blutigen Knöchel zu zeigen.«

Die Wahl des geeigneten Schauspielers für Hydell, die Rolle, die mit Abstand am schwierigsten zu besetzen war, fiel auf Joseph Gilgun, der zuletzt in der britischen Anti-Superhelden-Serie Misfits brillierte. Hydell ist ein unberechenbarer Typ, frustriert, ständig von seinem großen Bruder Befehle entgegennehmen zu müssen. Weil er auch noch ein totes Auge hat, das der Umkehr des cryogenetischen Prozesses zum Opfer gefallen ist, ist er eine absolut furchterregende Erscheinung.

Leila Smith: »Joe Gilgun stammt aus einer der gefährlichsten Gegenden Manchesters. Er hatte ein irres Leben und eine Menge Ärger, als er noch ein Kind war. Er hat gelitten und dadurch eine erstaunliche künstlerische Sensibilität entwickelt.« Stephen St. Leger sagt: »Ich bat ihn, mit schottischem Akzent zu sprechen, weil ich es amüsant fand und der Manchester-Akzent außerdem das Markenzeichen der Gallagher-Brüder ist!«

Obwohl der Film von EuropaCorp in Frankreich initiiert und produziert wurde, entstand er in Serbien mit englischsprachigen Schauspielern und profitierte von Irlands Steuervorteilen. Die Regisseure stammen zwar aus Dublin, dennoch war es schwierig, dort Filmateliers zu mieten.

Was die Drehorte betraf, profitierte die Produktion von der grenzenlosen Kreativität des Produktionsdesigners Romek Delimata, der oft geniale und verblüffende Lösungen fand. Diverse Locations in Belgrad kamen ins Spiel, die an Blade Runner erinnern, etwa die U-Bahnkorridore und düsteren Gassen. Die Szene im Oval Office des Weißen Hauses entstand in Wirklichkeit in einer Amstel-Brauerei in einem Vorort von Belgrad.

Marc Libert sagt: »Romek ist ein Geek, sehr von Star Wars beeinflusst, der die meiste Zeit damit verbrachte, auf den Fotos der Drehorte herumzukritzeln, bis er ausgetüftelt hatte, wie man sie für den Film verändern musste. So hat er mit fast nichts spektakuläre Ergebnisse erzielt.«

Insgesamt gibt es im Film rund fünfhundert Aufnahmen, die Visual Effects erforderten. Entsprechend lang wurde an ihnen gearbeitet, um alles so realistisch wie möglich aussehen zu lassen. Während Bildbearbeitung und Grading in Frankreich stattfanden, wurden die Visual Effects in Irland von Windmillane produziert.

»Wir waren sehr erfreut mit ihnen zusammenzuarbeiten, schließlich war das mal U2s Aufnahmestudio«, sagt Marc Libert. »Der Chef ist immer noch derselbe, obwohl sich das Unternehmen stark erweitert hat und jetzt auch Filmproduktionen und Postproduktion macht. Außerdem war Steve St. Leger mal Kameramann bei einigen von U2s Videos. In Dublin kennt jeder Jeden.«

Für ihr Kinofilmdebüt hat das irische Duo Saint & Mather eine ordentliche Nummer hingelegt, die sich sehen lassen kann. Für einen solch anspruchslosen Actionfilm wirkt er recht aufgeräumt, was vermutlich an der europäischen Produktion liegt. Und wenn Luc Besson einen solchen Film produziert, muss genau so etwas dabei herauskommen – frech, böse und (irr)witzig. ■ mz

OT: Lockout
F 2012

Science Fiction/Action
FSK: 16
100 min

mit
Guy Pearce (Snow) Matti Klemm
Maggie Grace (Emilie Warnock) Uschi Hugo
Vincent Regan (Alex)
Joseph Gilgun (Hydell)
Lennie James (Shaw)
Peter Stormare (Langral) Klaus-Dieter Klebsch
Jacky Ido (Hock)
Tim Plester (Mace)
Mark Tankersley (Barnes)
Anne-Solenne Hatte (Kathryn)
Peter Hudson (Präsident Warnock)
u.a.

musik
Alexandre Azaria

kamera
James Mather

drehbuch
James Mather
Stephen St. Leger
Luc Besson

regie
James Mather
Stephen St. Leger

produktion
Europa Corp.
Canal+
Ciné+

verleih
Universum

Kinostart: 10. Mai 2012

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09.05.2012 | mz |
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