Samstag, 20. April 2019


Jonah Hill als Schmidt und Channing Tatum als Jenko auf dem Weg zum Abschlussball
© Sony Pictures

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Die Idee, 21 Jump Street als Spielfilm mit neuem Leben zu erfüllen, stammt von Stephen J. Cannell selbst, dem legendären Fernsehproduzenten, der die damalige Serie gemeinsam mit Patrick Hasburgh aus der Taufe gehoben hatte. Auf das Konto des vielseitigen, talentierten und viel beschäftigen Cannell gehen außerdem legendäre Serien wie Das A-Team, Detektiv Rockford: Anruf genügt, Trio mit 4 Fäusten oder Stingray, um nur ein paar wenige zu nennen, die ihm eine Schar von Fans und Bewunderern bescherten, besonders unter Kollegen in der Unterhaltungsbranche.

Einer dieser Bewunderer ist der Produzent Neal H. Moritz, der sich einen Ruf erarbeitet hat, genau der richtige Mann zu sein, wenn es um die Umsetzung von Actionstoffen geht. »Er war unglaublich charismatisch – es gab nichts an ihm, das ich nicht geliebt hätte«, sagt Moritz über Cannell, der 2010 im Alter von 69 Jahren überraschend verstarb.

Moritz erinnert sich an ihr erstes Treffen: »Wir begannen, uns über 21 Jump Street zu unterhalten, und ich sagte ihm, wie sehr ich die Serie liebte. Er erwähnte beiläufig, dass er darüber nachdachte, die Serie in einen Spielfilm zu verwandeln, und er sagte, dass er ein Fan meiner Filme sei. Und dann fragte er mich ganz gerade heraus, ob ich nicht Lust hätte, bei dem Projekt mit an Bord zu kommen. Hat man Worte?«

21 Jump Street lief fünf über Staffeln hinweg. Die ersten vier wurden bei dem damals aufstrebenden FOX-Network gezeigt – es war einer der ersten durchschlagenden Erfolge des Senders. Johnny Depp hatte seine erste große Hauptrolle in der Krimireihe über jugendlich aussehende Cops, die verdeckt in Highschools ermitteln. Die Zielgruppe jugendlicher Zuschauer, die der Sender angestrebt hatte, sorgte für ausgezeichnete Einschaltquoten.

Im Mittelpunkt der Actionkomödie 21 Jump Street stehen Schmidt und Jenko: In der Highschool waren sie erbitterte Feinde, jetzt sind sie gemeinsam auf der Polizeiakademie und, unglaublich aber wahr, haben sich angefreundet. Vermutlich sind sie nicht die besten jungen Cops, die man auf Streife schicken kann.

Aber jetzt erhält das Duo Infernale eine einmalige Chance: Schmidt und Jenko stoßen zur geheim operierenden Jump-Street-Abteilung, die von Captain Dickson geleitet wird. Auf Knarren und Abzeichen können sie künftig verzichten, jetzt sind Rucksäcke und ihr jugendliches Aussehen gefragt, damit sie verdeckt arbeiten können. Das Problem ist nur, dass die Teenager von heute ganz anders sind als noch vor ein paar Jahren, als die beiden Cops auf der Schule waren.

Und Schmidt und Jenko entdecken, dass alles, was sie über Teenager zu wissen glauben, von Sex über Drogen bis hin zu Rock’n’Roll überhaupt nicht mehr stimmt. Schwerer wiegt allerdings, dass sie sich auf einmal mit all den Problemen herumschlagen müssen, die sie damals in ihrer Jugend verdrängt hatten: Jetzt sind sie gezwungen, den Schrecken und die Ängste zu bewältigen, die mit dem Jungsein einhergehen, und sich mit all den fürchterlichen Dingen zu konfrontieren, die sie längst hinter sich gelassen glaubten.

Phil Lord und Christopher Miller, die zuvor für den Animationsfilm Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen verantwortlich zeichneten, wurde die Regie übertragen – keine leichte Aufgabe der Produzenten. »Wir fanden, dass wir nach „Wolkig“ etwas machen wollten, was das genaue Gegenteil von dem Film sein sollte, den wir gerade gemacht hatten«, erzählt Miller.

»Obwohl wir fairerweise sagen müssen, dass auch „Wolkig“ eine Actionkomödie war – wenngleich für ein ganz anderes Publikum. Dennoch hatten wir einiges zu beweisen. Also erstellten wir eine riesige Präsentation, bei der wir haarklein zeigten, was wir machen wollten. Wir wussten, dass wir etwas auf die Pauke hauen mussten.“

Hills Gespür für Komödie unter der Regie von Lord und Miller, kombiniert mit Moritz’ Erfahrung im Actiongenre – eine perfektere Mischung an Kreativtalenten konnte man sich für das Projekt eigentlich nicht vorstellen. »Auf der einen Seite hat man Neal und seine Fast & Furious-Filme, auf der anderen Seite ist Jonah Hills unverkennbarer Comedystil«, merkt Miller an. »Diese Dinge kombinieren, explodieren und rekombinieren ihre Atome und ergeben schließlich einen perfekt geformten Film.«

»Tatsächlich war es so«, erinnert sich Miller, »dass wir uns Autos ansahen, und Neal wusste genau, was wir brauchten. Es musste ein Camaro Z28, Baujahr 1971, sein. Er wusste sogar ganz genau, wie der Auspuff aussehen musste. Er ist der Experte. Er weiß mehr über Autos als irgendein anderer Mensch.«

»Es gibt einige gewaltige Verfolgungsjagden in unserem Film«, sagt der ausführende Produzent Ezra Swerdlow. Eine davon ist die wahnwitzige Hatz durch die Stadt, in der sie von Gangstern verfolgt werden und jedes Klischee einer Explosion negiert wird – ob das ein umgekippter Tanklaster ist, der ausläuft und Feuer fängt, oder ein mit Hühnern beladener Pick-up gegen eine Wassertonnenbarriere donnert und explodiert.

»Man kann sich keine Pause leisten, um einen Witz anzubringen – die Pointe muss im Zusammenhang mit der Verfolgungsjagd funktionieren«, sagt Stuntkoordinator George Aguilar (Zombieland). »Neal will, dass es realistisch aussieht; er will, dass es schnell ist; er will, dass die Leute staunen und „Wow!“ sagen. Aber er will dafür nicht den Witz und den Humor opfern. Man muss am oberen Limit arbeiten und die witzigen Situationen einbauen.«

Aguilar sagt, dass Hill beträchtlich zur Gestaltung der Actionszenen beitrug. »Jonah überlegt ständig und lässt sich neue und bessere Sachen einfallen«, berichtet er. »Er kam immer mit noch einem neuen Dreh an. Er bestand darauf, dass seine Figur nicht wie geleckt aussehen sollte – obwohl er gerade die Polizeiakademie absolviert hat, gibt es immer noch gewisse Dinge, die er nicht so einfach meistert.«

Hill spielt natürlich Schmidt, den ehemaligen Nerd, der zum eigenen Erstaunen miterleben darf, dass er zum ersten Mal in seinem Leben cool ist. Für die Filmemacher ging es auch darum, einen Schauspieler für die Rolle des Jenko zu finden, der perfekt mit Hill harmonierte. Jenko ist ein Typ, bei dem in der Highschool einfach alles funktioniert hat und der entdeckt, dass es beim zweiten Mal nicht mehr ganz so einfach ist.

Channing Tatum, der auch als ausführender Produzent an Bord kam, sagt bescheiden: »Ich bin der größte Komödienfan, den man sich vorstellen kann, aber ich mache mir bei dem Gedanken, in einer Komödie mitzuspielen, vor Angst in die Hosen. Ich bin unfassbar neidisch auf Jungs wie Jonah.«

Und im Film können die beiden sich gegenseitig bereichern, ob nun hinter oder vor der Kamera. Während Schmidt Jenko hilft, die Fakten besser auf die Reihe zu bekommen, trainiert Jenko seinen neuen Partner in Sachen körperlicher Fitness. Diese Einheit ist es schließlich, die am Ende auch funktioniert, sei es die Chemie der beiden Schauspieler oder die Zusammenarbeit der Bubi-Cops.

Brie Larson (Taras Welten) spielt Molly, eine der wichtigsten Nebenrollen. Obwohl die von Jonah Hill gespielte Figur des Schmidt in der Schule von den Mädchen nicht beachtet wurde, stellt er fest, dass nerdig heute das neue Cool ist. Die Mädchen, speziell Molly, umschwirren ihn wie die Motten das Licht.

Bei der Ausarbeitung der Figur waren die Filmemacher schnell einer Meinung, dass Molly mehr sein musste als eine klischeehafte Cheerleaderin. Sie sollte ein Mädchen sein, das aus der Masse herausragt. Es war wichtig, dass sie jemand ist, der das Herz des Publikums gewinnt – und zwar nicht, weil sie schön ist, sondern weil sie etwas hat, was andere Mädchen nicht haben.

»Man muss nur einen Blick auf Brie werfen, und schon weiß man, dass viel mit ihr los ist«, sagt Miller. »Sie verfügt über ein großes komisches Talent und ist eine tolle Schauspielerin. Aber was sie so unverkennbar macht, ist ein persönlicher Stil und eine Haltung, wie man sie bei jungen Frauen nur selten findet.«

James’ Bruder Dave Franco übernahm die wichtige Rolle des Drogendealers Eric, der die gesamte Handlung in Bewegung setzt. »Da ist also dieser coole Typ, der übers Kompostieren und die Bewahrung des Wassers referiert, aber gleichzeitig auch Drogen vertickt«, meint Franco. »Ich fand, dass es ein ganz neuer Ansatz war, von einer solchen Figur zu erzählen. Es machte viel Spaß, weil ich nicht einfach nur einen totalen Idioten zu spielen hatte. Klar, er hat einen miesen Charakter, aber er ist auch sehr charmant – man darf auch eine sehr verletzliche Seite der Figur miterleben.«

Wie in der Serie spielt auch im Film ein Farbiger die Rolle des Vorgesetzten. »Captain Dickson ist ein Mann, der einem das Fürchten beibringen kann, dem man aber dennoch unbedingt gefallen will«, überlegt Lord und erklärt, warum Ice Cube der absolut Richtige für die Rolle war. »Ice Cube wirkt absolut einschüchternd auf mich – aber das beruht alles nur auf meiner Einbildung. Es muss wohl an seinen Augenbrauen liegen. Tatsächlich ist er ein ungeheuer netter Mensch, total freundlich und sehr intelligent. Für mich war es die Erfüllung eines Kindheitstraums, ihn kennenzulernen. Wie spricht man ihn an? Mr. Cube? Ice?«

Wie es in einer Komödie so ist, werden auch hier jede Menge Sprüche geklopft, wo bei manchen schon mal die Hutschnur platzen kann. Dass das Genze aber keine Farce wird, haben wir nicht nur den gut funktionierenden Schauspielern und Gags zu verdanken. Es musste natürlich auch die Verbindung zur Serie hergestellt werden. Die erste wird von Deputy Chief Hardy geknüpft, der die beiden Helden des Films versetzt: „Euer neuer Einsatzort ist 36, Jump Street. Nein. Moment. Das klingt irgendwie falsch…“

Wie schon oft praktiziert, funktioniert die Geschichte hier mit dem Faktor Zeit. Über 20 Jahre ist es her, als Penhall, Hanson, Booker und Hoffs für die Jump-Street-Abteilung ermittelt hatten. Holly Robinson Peete z.B. überreicht als Officer Hoffs den neuen Dienstwagen dem ungleichen Ermittlerduo. Auch auf dem Bild oben sieht man im Hintergrund das Straßenschild „Booker Blvd“, in Anlehnung an Dennis Booker, gespielt von Richard Grieco, der damals sogar seine eigene Spin-off-Serie bekam. Und am Schluss des Films gibt es dann auch noch eine saftige Überraschung – nicht nur für Schmidt und Jenko.

Das Produktionsteam, zu dem auch Hill und Tatum selbst gehören, liefert mit dieser Kinoversion einer „alten“ TV-Serie eine außergewöhnlich erfrischende Adaption ab. Der Film macht sogar Spaß und lehnt sich ein wenig in seinem Stil an die damaligen Actionfilme. Bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen: Wann kommt jetzt T.J. Hooker – The Movie? ■ mz

OT: 21 Jump Street
USA 2012

Komödie/Krimi/Action
FSK: 12
109 min

mit
Jonah Hill (Schmidt) Tobias Müller
Channing Tatum (Jenko) Daniel Fehlow
Brie Larson (Molly Tracey) Kristina Tietz
Dave Franco (Eric Molson) Wanja Gerick
Rob Riggle (Mr. Walters) Stefan Fredrich
Ice Cube (Captain Dickson) Tobias Meister
DeRay Davis (Domingo)
Dax Flame (Zack)
Chris Parnell (Mr. Gordon)
Ellie Kemper (Ms. Griggs)
Holly Robinson Peete (Officer Judy Hoffs)
u.a.

musik
Mark Mothersbaugh

kamera
Barry Peterson

drehbuch
Michael Bacall
Jonah Hill
basierend auf der TV-Serie von Patrick Hasburgh & Stephen J. Cannell

regie
Phil Lord
Chris Miller

produktion
Columbia Pictures
MGM
Relativity Media
Original Film
Cannell Studios

verleih
Sony

Kinostart: 10. Mai 2012

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09.05.2012 | mz |
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