Dienstag, 18. Juni 2019
Wine Country
Zu Ehren von Rebeccas 50. Geburtstag hat Freundin Abby nicht nur eine Reise ins kalifornische Weinland Napa organisiert, sondern auch all die anderen Freundinnen mit eingeladen – Workaholic Catherine, die frisch operierte Val, Stubenhocker Jenny und die abgekämpfte Mutti Naomi sind natürlich schnell mit dabei, wenn es um Entspannung und Wiedersehen geht. Doch kaum fließt der Alkohol, scheinen die Unsicherheiten des Alltags hindurch und, wie das bei Alkohol so üblich ist, auch die ungefilterten Gefühle.
Amy Poehler, die hier die Initiatorin Abby spielt, kam auf die Idee, einen Film über eine Frauenfreundschaft zu machen, der auf ihrer persönlichen Erfahrung basiert: »Er basiert auf einem wahren Ausflug ins Napa-Tal, den wir alle machten – meine Wenigkeit, Tina Fey, Rachel Dratch, Maya Rudolph, Paula Pell, Ana Gasteyer sowie Emily Spivey und Liz Cackowski, die beide das Drehbuch mit mir zusammen geschrieben haben. Wir hatten einfach nur damit angefangen, was für ein Spaß es wäre, wenn wir einen Film über Frauenfreundschaft machen würden, der auf unserer realen Freundschaft basiert.«
Letztere hat übrigens ebenfalls eine Gastrolle als Weinkellerin. Auch Amys SNL-Kollegin Tina Fey gehört nicht zur Reisegruppe. Sie spielt die Gastgeberin, der das idyllische Haus gehört, in dem die Frauen in der Zeit wohnen. Ebenfalls zum Haus gehört der von Jason Schwartzman gespielte Devon, der am ersten Morgen Abby erschreckt, weil dieser in der Küche werkelt. Er sagt, er mache Paella, arbeitet dabei an Tintenfisch und anderem Seefutter, wird jedoch nie damit fertig.
»Jason ist solch ein lustiger, wundervoller Typ, und ich war so aufgeregt, dass er das machen wollte, denn er hat dieses Besondere an sich«, sagt Amy Poehler. »Er fühlt sich bei Frauen sehr wohl, und er ist wirklich geschickt und interessant und feinfühlig. Aber er spielt auch eine Figur, die sich ihren eigenen Weg bahnt. Devon ist jemand, der in den Tag hinein lebt. Er ist kein introspektiver Typ. Er denkt nicht, dass er sich verbessern sollte, Er ist wirklich mit dem, was er hat, glücklich. Also beschließt Abby, Devon für ihr Wohlbefinden zu benutzen. Und Devon ist damit einverstanden. Was super ist.«
»People tend to talk about wine around here.«
Naomi
Amy Poehler wollte die Geschichte keinem Fremden überlassen, also beschloss sie, selbst die Regie zu übernehmen – sehr zur Freude/Leid ihrer Freundinnen: »Ich habe bereits bei TV-Episoden Regie geführt und wollte mal einen Film machen. Ich dachte, das wäre eine wirklich aufregende Geschichte, die es zu erzählen gäbe, und ich dachte, dass ich mit dem Erzählen dieser gute Arbeit leisten könnte.
Eine Menge der Persönlichkeiten im Film waren auch die Persönlichkeiten am Set. Meine Figur im Film, Abby, hat diesen Ausflug organisiert und hält alle auf dem Laufenden. Sie ist diejenige, die allen sagt, sie sollen sich beeilen, sie wollen los. [lacht] Dabei drückt sie manchmal ein wenig zu doll und geht zu weit, und kümmert sich zu sehr. Das war also leicht zu spielen, wenn ich gleichzeitig die Regie führte. [lacht]«
Die Damen kennen sich schon eine Weile, weshalb sie sich auch mit nur wenig Ausdrücken verstehen und Redewendungen einflechten, wie „Things we say now“ oder sich immer wieder gegenseitig „Feedback“ geben, was zum (davon)rennenden Witz werden sollte. Die Regisseurin klärt uns auf, wo sie sich alle kennengelernt haben: »Wir haben uns alle zu verschiedenen Zeiten getroffen. Ein kleiner Zufall: Tina, Dratch und ich trafen uns Mitte der 90er in Chicago, dann kam SNL. Ich traf Maya bei SNL. Sie war aus dem LA-Aufgebot, das aus ihr und Spivey stammte. Spivey und ich teilten unseren ersten Tag bei SNL.
Ana kannte ich nicht, bevor ich zu SNL kam. Sie ging außerhalb von Chicago zur Uni, bevor sie in LA zur Improvisateurin wurde. Paula war die Rebellin, die aus Orlando via Chicago kam. Wir alle befanden uns in der gleichen Art von Graben. Da gibt es dieses Zusammenschweißen, das passiert, wenn man Teil dieser Show ist. Aber die meisten von uns kennen sich schon seit über 20 Jahren.
Es git da so viele Stücke in Film und Fernsehen, die Frauen als entkoppelt und eingeteilt darstellen. Sie wollen den selben Typen oder kämpfen um denselben Beruf usw. Und das ist nicht nur meine Erfahrung mit den Frauen, die ich kenne. Ich bin von wirklich, wirklich komplizierten, tiefgründigen, interessanten, wahnsinnig komischen Frauen umgeben, die Witze erzählen. Das wollten wir aufzeigen, die Unterhaltung, die stattfindet. Der Film ist eine Art lange Unterhaltung.«
👩‍🦱 👩‍🦰 👱‍♀️ 👩 🍷 🍇 🥂
Es ist ja schön, dass Amy Poehler mal bei einem Film Regie führen wollte. Und dass Netflix ihr dabei half, ihr das Geld dafür gab, war nicht nur mutig, sondern auch bahnbrechend für andere Frauen, die ihre Filme „an den Mann“ bringen wollen. Dass der Film jedoch eine Art Privatstück bleibt, lag dabei eher am Drehbuch. Die Frauen spielen sich nicht selbst, sondern Rollen, die auf einigen Merkmalen ihrer Persönlichkeiten beruhen. Dabei wäre eine Art ungespielter Ausflug der echten Frauen vermutlich lustiger geworden als diese Aneinanderreihung von Anekdoten. Es gibt außer Vals Urlaubsromanze mit der avantgardistischen Künstlerin Jade keine wirklich dramatischen Szenen, dafür jedoch einige schöne Landschaftsbilder.
So bleibt Wine Country trotz der Gastrollen von Jason Schwartzman und Cherry Jones ein eher belangloses Konversationsstück, zu dem man getrost Wein reichen kann. Dazu gibt es Filmmusik von Wendy & Lisa, die mit Prince und der Band The Revolution Musikgeschichte geschrieben haben und dementsprechend ihren Titel „I would die 4 U“ von der Frauenclique besingen ließen, was den Film noch ein wenig größer erscheinen lässt, als er wirklich ist. Diese Version sollte unbedingt als Single erscheinen…

10.05.2019 | mz |
Kategorien: Filme