Donnerstag, 22. August 2019

Margot (Michelle Williams) muss eine Entscheidung treffen.
© Koolfilm

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Take this Waltz ist der zweite Spielfilm von der Schauspielerin Sarah Polley nach einem eigenen Drehbuch. Ihr Debütfilm An ihrer Seite war die zärtliche Geschichte eines Paares im Winter ihres Ehelebens. Take this Waltz zeigt nun ein jüngeres, erst seit wenigen Jahren verheiratetes Paar dabei, wie es den Frühling des Verliebtseins hinter sich lässt, um sich in einem warmen, von Liebe erfüllten gemeinsamen Leben einzurichten – so jedenfalls sollte es sein.

Der Film beginnt mit Hitze. Margot (das t ist stumm) bäckt Muffins in der Schwüle eines Sommers in Toronto. Der Ofen strahlt Hitze ab, durch das Fenster fällt Sonnenlicht, und wenn sich Margot an den Ofen lehnt, wird der Film zu einem sinnlichen Erlebnis. Dann sieht man, wie sie mit Gepäck das Haus verlässt. Zunächst denkt man an den Trip, den sie zu Beginn des Films unternimmt, doch am Ende weiß man, dass sie das Haus für immer verlässt. Wie es dazu kommt, wird im Film nach und nach erläutert. Diese Schlüsselszene wirkt wie eine Buchstütze im Film, oder auch ein Lesezeichen.

»Ich beginne und beende den Film mit dieser Szene, auch wenn dazwischen sehr viel passiert«, so Polley. »Ich wollte einen Film über Begehren machen – kein philosophisches Essay, sondern darin eintauchen, um zu fühlen, wie herrlich es ist, und wie schwierig es für uns menschliche Wesen ist, diesem Gefühl entweder einfach den Rücken zu kehren oder aber mit der Ur-Lücke zu leben, die es schafft. Ich wollte zeigen, wie jemand versucht, diesem grundsätzlichen Zustand zu entkommen, und wie das nicht immer klappt.«

Wie schon bei dem kürzlich gestarteten ►Celeste & Jesse als auch bei dem diese Woche gestarteten, mehr komödiantischen Ansatz dieser Lebenskrise in ►Liebe und andere Turbulenzen erzählt der Film von der Realität der Gefühle in einer Beziehung. Wenn Margot mit ihrem Mann im Restaurant sitzt und Konveration führen will und Lou nichts zu erzählen weiß, was nicht beide eh schon wüssten, merkt man, was Zusammenleben bedeutet – dass man sich ständig alles erzählt und die Themen irgendwann aufgebraucht sind. Das können mit Sicherheit viele Paare nachvollziehen. Dass Lou an dieser Stelle aber nicht eingreift, um die Situation, bzw. ihre Beziehung, zu retten, könnte ein ausschlaggebender Fakt für ihre spätere Entscheidung sein.

Aber was war geschehen? Während ihres Trips trifft sie in einem Küstenstädtchen ausgerechnet bei einer historisch nachgespielten Ehebrecher-Auspeitschszene auf den charmanten Daniel, neben dem sie später auch im Flugzeug sitzt. Die beiden kommen sich näher und teilen auf der Heimfahrt das Taxi. Dabei stellen sie fest, dass sie Nachbarn sind. Als Margot das klar wird, erwähnt sie sofort, dass sie verheiratet ist. Doch ihre Neugier übermannt sie später immer wieder. Beide haben einen Narren am Anderen gefressen, doch Margot will das nicht wahrhaben. Sie treffen sich in einem Café und später in einer Bar, wo sie mit Martinis an einem Tisch sitzen.

David: Trink.
Margot: Trink du.
David: Du zuerst.
Margot: Ich möchte mich nicht mit dir betrinken.
David: Ich bin von deiner Beharrlichkeit beeindruckt.
Margot: Ich will.
David: Du willst.
Margot: Ich will wissen… (Sie sieht hoch, wird knallrot.)
Ich will wissen, was du mit mir machen würdest.

Was dann folgt, stellt Meg Ryans gespielten Orgasmus in Harry & Sally in den Schatten: verbale Erotik! Ein ebensolches Highlight ist die New Yorker Komikerin Sarah Silverman als ihre beste Freundin, eine Alkoholikerin, die ebenfalls versucht, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Silverman, bekannt für ihr salopp-kritisches Mundwerk, brauch sich hier jedoch nicht zu verstellen und gibt eine Breitseite nach der anderen ab. Bei einem gemeinsamen Aquafit-Training, bei dem Daniel einziger Zuschauer ist, merkt sie schließlich, dass da etwas nicht stimmt. Als Margot schließlich einige Zeit später ihren Mann verlässt, fühlt sie sich alleingelassen, flüchtet wieder zurück in den Alkohol und hält das Margot schließlich unter die Nase.

Margot wünscht sich mehr von ihrem Mann, der als Hühnchen-Kochbuchautor ständig in der Küche steht und leckeres Essen zubereitet. Beim Zusammenspiel mit Seth Rogen spürte Michelle Williams intuitiv, wie sich diese beiden Figuren zueinander verhalten: »Als ich ihn und sein Spiel erlebte, dachte ich bei mir ‚Wie könnte ich je diese Ehe aufgeben? Er ist ja so liebenswert!’ Aber wenn man die Welt von Margots Standpunkt aus betrachtet, fragt sie sich, ob das Leben an ihr vorbei geht und sie vielleicht etwas verpasst. Margot ist in der Klemme. Sie tut nicht ganz das, was sie tun will. Sie schreibt nicht genau das, was sie schreiben möchte.«

Zufriedenheit kann so trügerisch sein wie Begehren. Als Daniel auftaucht, ist das, so Williams, wie ein Adrenalinstoß für Margot. »Ich glaube, dass das Sich-Verlieben in der westlichen Kultur einer religiösen Erfahrung am nächsten kommt«, gesteht sie. »Eine so sanfte Sache, die ein solches Chaos in deinem Leben anrichtet und deine Werte und moralischen Überzeugungen durcheinander bringt.«

Das war sicher die Rechtfertigung, mit der sich Margot motivierte, aber ob sie real war oder einfach real genug für sie, ist die Frage, denn Daniel wird zum Träger ihrer Hoffnungen und Träume und ihres Ehrgeizes. »Daniel ist der Ort, wo sie damit hin kann«, so Williams. Hier bewahrheitet sich die Magie des Schauspielens, denn die Schauspielerin und ihre Figur nehmen sich die Freiheit der Mehrdeutigkeit, die Polley ins Buch geschrieben hat, und bewegen sich damit optimistisch voran.

Michelle Williams mochte es nicht in Worte fassen, wie Margot ihre endgültige Entscheidung trifft. Lieber sagt sie: »Möchte sie mehr oder hakt sie es unter etwas Sexuellem ab, das sie mit Daniel entdecken möchte? Ich hoffe, dass sie ihrem Herzen folgt, ihrem besten, nobelsten Herzen. Wir wissen nicht, ob es ein Fehler ist oder nicht.« Und genau das ist es, was diesen und die voran genannten Filme ausmacht: Man weiß nicht, was das Leben noch so bringt, was es an Überraschungen bereithält. Haben wir den richtigen Partner gefunden, mit dem wir bis ans Lebensende zusammenleben wollen? Ist das alles? Gibt es da vielleicht noch mehr rauszuholen?

Komiker Seth Rogen, der in diesem Film mal zur Abwechslung eine eher ernsthafte Rolle spielen darf, kommt in seiner Rolle des Lou sogar immer sympathischer herüber, je mehr Margot einen Keil zwischen ihre Beziehung treibt. Rogen sieht in Lous Hühnchengekoche eine Analogie zu ihrer Beziehung: »Hühnchen ist die (neutrale) Mitte bei Fleisch. Es ist eine gute Metapher für die Beziehung. Es ist gut, aber nicht die aufregendste Sache auf der Welt.«

Und genau das merkt Margot immer mehr. Sie hat da diesen durchaus humorvollen Hühnchenkoch, eine Beziehung zum Wohlfühlen. Doch sie möchte „nicht immer nur Hühnchen essen“. Andererseits, wenn Lou mit sie in der Küche vernaschen will, wiegelt sie ab – sie will keinen Sex auf dem Küchenboden. Margot ist während des Films genauso zweideutig wie der Film an sich. Ihre seltsamen, launenhaft wechselnden Verhaltensweisen zeugen von einer Unsicherheit in ihrem Leben.

Für Sarah Polley lautet die eigentliche Frage: »Ist je etwas wirklich genug? Ich wünsche mir den ganzen Film über, dass man nicht weiß, was Margot tun sollte, und dass die Zuschauer von ihrem eigenen Leben her entscheiden. Der Film ist ausgesprochen zweideutig. Ich hoffe, dass Menschen, die eine schale Beziehung hinter sich gelassen haben und damit zufrieden sind, das Gefühl haben, dass der Film ihnen Recht gibt. Und dass andererseits diejenigen, die der Versuchung widerstanden haben und ihre Beziehung nicht aufgegeben haben, auch glauben, dass der Film ihre Wahl bekräftigt!«

Nachdem Margot dann Lou verlassen hat und mit Daniel zusammengezogen ist, sehen wir dann das Leben der beiden im Zeitraffer – eine interessante Kreisfahrt ums Loft der beiden, untermahlt mit dem Titelsong von Leonard Cohen. „Take this Waltz“ dient hierbei als Mutprobe, den Tanzpartner im Leben zu wechseln, um zu sehen, ob dieser besser tanzt. Als dann Margot und Daniel an dem Punkt angelangt sind, an dem Margot vorher mit Lou war, kommt die alles entscheidende Schlussszene der beiden, die man sonst nur in Horrorfilmen zu sehen bekommt – ob es ein Happy End gibt oder einen Langweiler-Albtraum ohne Ende, aus dem man nicht mehr aufwachen kann…

Michelle Williams, die diese Woche gleich in zwei Filmen im Kino zu bewundern ist (►Die fantastische Welt von Oz), spielt ihre Rolle so hervorragend, dass man als Zuschauer eine richtige Hassliebe zu Margot entwickelt. Und im Endeffekt will man genau das, wonach sie sich am Anfang sehnt: Wärme und Geborgenheit. Dass eine gewisse Abwechslung dazugehört, sollte man dann aus dem Film gelernt haben… Take this Waltz ist großes Gefühlskino jenseits von Hollywood und Kitsch! ■ mz

OT: Take this Waltz
Drama/Komödie
CAN/E/J 2011
116 min
FSK 12

mit
Michelle Williams (Margot) Anna Grisebach
Seth Rogen (Lou) Tobias Kluckert
Luke Kirby (Daniel) Tim Knauer
Sarah Silverman (Geraldine) Ghadah Al-Akel
Jennifer Podemski (Karen) Peggy Sander
Diane d’Aquila (Harriet) Sonja Deutsch
Vanessa Coelho (Tony) Leonie Hagelstein
Graham Abbey (James) Christoph Banken
Damien Atkins (Aquafit-Trainer) Andi Krösing
u.a.

drehbuch
Sarah Polley

musik
Jonathan Goldsmith

kamera
Luc Montpellier

regie
Sarah Polley

produktion
Joe’s Daughter
Astral Media
The Harold Greenberg Fund

verleih
Kool

Kinostart: 7. März 2013

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08.03.2013 | mz |
Kategorien: Filme | ohne