Mittwoch, 26. Juni 2019

Emma Stone als Grace Faraday und Ryan Gosling als Sgt. Jerry Wooters
© Warner Brothers

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Regisseur Ruben Fleischer schildert in Gangster Squad die schillernden Ereignisse im Zuge der Bemühungen des LAPD, einem der gefährlichsten Mafiosi aller Zeiten die Kontrolle über die schnell wachsende Stadt wieder abzujagen. Der Film beruft sich auf das Buch „Gangster Squad“ des früheren Autors und Redakteurs Paul Lieberman von der Los Angeles Times. Sein Sachbuch schildert die „Schlacht von Los Angeles“ zwischen der Polizei und der Cohen-Bande von Mitte der 1940er Jahre bis zum Ende der 1950er. Will Beall, der einst als Detective für das LAPD gearbeitet hat, schrieb das Drehbuch.

»Mich fasziniert, dass diese Jungs alles aufs Spiel setzten. Dabei ging es ihnen nicht um Anerkennung, um Orden oder finanziellen Vorteil, sondern nur um das Wohl der Stadt«, berichtet Beall. »Sie glaubten daran, dass L.A. eine bessere Zukunft verdiente.« In der actionreichen Story geht es um Erlösung, um die Bestrafung der Bösewichte. Männer nehmen sich, was ihnen zusteht. Mit nachdrücklichem Engagement retten sie die Stadt, die ihnen am Herzen liegt – die Stadt der Engel.

Los Angeles 1949: Der skrupellose Gangsterboss Mickey Cohen aus Brooklyn beherrscht die Stadt und sahnt bei allen illegalen Geschäften ab: Drogen, Waffenhandel, Prostitution. Wenn es nach ihm ginge, würde er auch bei jeder Pferdewette westlich von Chicago seinen Anteil kassieren. Mickeys Imperium gründet sich nicht nur auf die von ihm bezahlte Schlägertruppe – auch die Polizei und die Politik tanzen nach seiner Pfeife.

Das reicht, um selbst die unerschrockensten, mit allen Wassern gewaschenen ehrlichen Cops einzuschüchtern… außer vielleicht eine kleine geheime Einheit von Außenseitern des LAPD unter der Leitung von Sgt. John O’Mara und Jerry Wooters, die Cohen gemeinsam von seinem Thron stürzen wollen.

»Ich wollte schon immer einen Gangsterfilm drehen«, sagt Produzent Michael Tadross. »Humphrey Bogart, Jimmy Cagney und George Raft haben mich begeistert. Wills Skript lässt das Genre und jene Zeit gleich auf der ersten Seite wieder auferstehen. Einfach unglaublich, dass Lieberman tatsächlich wahre Geschichten über historische Figuren aufgeschrieben hat. Wir wollten eine echten Gangsterfilm machen, der sich aber an das heutige Publikum wendet.«

Dafür waren in erster Linie die dargestellte Kompromisslosigkeit als auch der bombastische Score von Actionfilmkomponist Steve Jablonsky (►Battleship, Transformers, Die Insel) zuständig: »Bei meinem ersten Treffen mit Ruben sagte er mir, dass er das klassische Gangsterfilmgenre für die heutigen Zuschauer neu interpretieren möchte. Ich war schon sein Fan, bevor ich ihn kennen lernte, vor allem, weil er seine Geschichten stets auf eine unverwechselbare, originelle Weise erzählt. Wir gingen bei der Musik ähnlich vor, tendieren zu einem modernen Sound, der sich aber auf einige klassische Rhythmen und Instrumente beruft. Das Experimentieren mit Ruben bringt Spaß – und so einigten wir uns auf einen ausgewogenen Score, der zu diesem Film passt.«

Daneben kümmerte sich der Music Supervisor Steven Baker um die Auswahl ganz besonderer Musiker, die jene Titel interpretieren, die im Film vor der Kamera von Live-Bands gespielt werden – im Slapsy Maxie’s, im Club Figaro und im Club Alabama. Unter der Leitung von Saxophonist und Musikproduzent Dan Higgins (Mitglied des Live-Orchesters bei Dancing with the Stars, das früher mit Größen wie Quincy Jones und Frank Sinatra aufgetreten ist) wurde das Ensemble aus erstklassigen Filmmusikern mit jahrelanger Erfahrung zusammengestellt – sie sorgten für die von den Filmemachern geforderte Authentizität.

Josh Brolin spielt den Leiter des Einsatzkommandos, Sgt. John O’Mara: »Im Film kehrt O’Mara aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. Er hat dafür gekämpft, dass sein Land und etliche andere ihre Unabhängigkeit bewahren. Er war ein Held. Dann kehrt er nach L.A. zurück und merkt, dass Mickey Cohen aus dem Begriff Ehre ein Schimpfwort gemacht hat.

Deshalb ist O’Mara sofort bereit, als sein Chef ihn um Unterstützung bittet. Und weil O’Mara und die anderen eine geheime Einheit bilden, machen sie sich keine Sorgen über die Konsequenzen. Sie fürchten keineswegs: „Oh, wenn wir das tun, wird man uns haftbar machen.“ Im Grunde gehen die Cops genauso gesetzlos vor wie die Verbrecher, denn anders kann man die nicht schnappen.«

»O’Mara legt großen Wert auf seine Prinzipien. Nach dem amerikanischen Sieg über die Nazis ist er heimgekehrt«, sagt Fleischer. »Ihm passt es gar nicht, dass sich eine andere Erscheinungsform des Bösen in seiner Stadt eingenistet und sie mit Glücksspiel, Prostitution und Drogen korrumpiert hat. Das kann er nicht zulassen. Deshalb stellt er sich Parkers Aufgabe, obwohl er damit sein Leben und das seiner Familie aufs Spiel setzt.«

Obwohl er zahlreiche Kollegen hat, arbeitet O’Mara am liebsten allein und nach seiner eigenen Methode. Er bleibt ein Rebell, der sich nur auf sich selbst verlässt und manchmal sogar auf seine Waffe verzichtet. »Im Skript steht, dass O’Mara einen so starken Kiefer hat, dass man sich die Hand daran brechen kann«, erinnert sich Fleischer. »Josh entspricht diesem Aussehen genau. Er sieht so aus, als ob er aus jener Epoche stammt, und er spielt die Rolle hinreißend mit seinem angemessenen, ruhigen Gleichmut.«

Um Cohen auszuschalten, muss O’Mara eng mit einem Team zusammenarbeiten, und der Chef beauftragt ihn, eine Mannschaft zusammenzustellen. »O’Mara rekrutiert eine Bande von Außenseitern, wie er einer ist«, sagt Brolin. »Männer, die es wegen ihrer Aufsässigkeit nie zu höheren Posten gebracht haben, die aber ihr Handwerk verstehen und manchmal äußerst brutal vorgehen.«

Als Ersten spricht er Sgt. Jerry Wooters an, einen Einzelgänger besonderer Art, den Ryan Gosling spielt. »Bis jetzt ist O‟Mara ständig gegen die Wand gelaufen, er wurde herumgeschubst und hat Leute verhaftet, die Stunden später bereits wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. Jerry schaut sich dagegen das Spiel von der Reservebank seines Barhockers an«, meint Gosling. »Jerry war ebenfalls Soldat und hat bei der Rückkehr miterlebt, wie die gesamte Stadt abgesoffen ist. Doch wie er im Film sagt: Statt sich wie O‟Mara einen Eimer zu greifen, schnappt Jerry sich eine Badehose.«

Deshalb lehnt Wooters O’Maras Angebot zunächst ab. »Er hat das Heldentum satt«, fährt Gosling fort. »Er macht sich da keine Illusionen mehr. Wahrscheinlich haben ihm die Kämpfe an den Kriegsschauplätzen gereicht, und weil die Korruption hier derart überhand nimmt, findet er die ganze Aktion sinnlos. Er versucht einfach den Kopf über Wasser zu halten und am Leben zu bleiben… Wooters wird nicht ins Team geholt, weil er gut schießen, kämpfen oder technische Aufgaben übernehmen kann. Er wird gebraucht, weil er instinktsicher ist und Überlebensstrategien entwickelt.« Doch Jerry Wooters hat noch einen weiteren Grund, Cohen im Auge zu behalten: Grace Faraday, die derzeitige Freundin des Gangsters. Trotz des offensichtlichen Risikos findet Wooters sie unwiderstehlich, und auch Grace ist gegen seinen Charme nicht immun.

Emma Stone begeisterte sich für die Rolle und wollte gern wieder mit Regisseur Fleischer arbeiten, der mit ihr bereits Zombieland gedreht hat. Stone stellt fest, dass diese völlig fiktive Grace, eine Erfindung des Drehbuchautors Will Beall, »nach Hollywood gekommen ist, um ein Star zu werden – nicht Schauspielerin, sondern Star.« Offenbar läuft nicht alles nach Plan. »Ich stelle mir vor, wie sie sich Mickeys Entourage anschließt. Am Arm dieses unglaublich mächtigen Mannes bekommt sie die Bewunderung, die sie sich gewünscht hat. Dadurch glaubt sie dann selbst, dass alles in Ordnung ist. Sie merkt zwar, dass sie in der Falle sitzt, aber ihr ist durchaus klar, dass sie ohne ihn nichts ist. Nur ein paar Geldscheine trennen sie vom Leben in der Gosse.«

»Emma zählt zu den intelligentesten und lustigsten Schauspielerinnen, mit denen ich je gearbeitet habe. Und wenn sie auf der Leinwand erscheint, kann man die Augen nicht von ihr abwenden. Diese Art Anziehungskraft brauchten wir für die Rolle«, sagt Fleischer. »Das Liebesdreieck zwischen Grace, Mickey und Jerry ist kompliziert, denn wir wissen nicht, wer eigentlich von welchen Motiven getrieben wird. Sie und auch Wooters suchen einen Ausweg. Und so entdecken sie, dass sie verwandte Seelen sind. Es funkt gewaltig zwischen ihnen – das können beide nicht übersehen, obwohl sie sich dadurch in große Gefahr begeben.«

Grace und Wooters sind pragmatisch genug, um zu merken, dass ihre Beziehung über einen Flirt hinausgeht. Doch wenn sie der gegenseitigen Anziehung nachgeben, sind sie praktisch dem Tode geweiht. Mickey Cohen ist zwar der Boss der Unterwelt, tritt aber in aller Öffentlichkeit auf und verfügt über eine dominante Persönlichkeit. Niemand sollte ihm in geschäftlichen oder privaten Dingen in die Quere kommen. Er reagiert gnadenlos: Wer ihn verrät, bezahlt mit dem Leben. Dennoch hat er zweifellos jenes Charisma, das alle Mächtigen dieser Welt auszeichnet.

Sean Penn wusste nur wenig über die historische Figur. Über seine Interpretation der Rolle sagt er: »Ich habe nicht versucht, das echte Vorbild zu imitieren. Der richtige Mickey Cohen sah Al Capone sehr ähnlich, und den hat Robert de Niro auf unvergessliche Weise in The Untouchables – Die Unbestechlichen gespielt.

Wenn ich also Cohen im Aussehen oder Verhalten nachgeahmt hätte, wäre das eine unnötige Belastung der Rolle gewesen, zumal die normalen Zuschauer das reale Vorbild kaum kennen. Deshalb habe ich mich nur von ein paar Aspekten aus Cohens Biografie inspirieren lassen. Darauf baute ich meine Darstellung auf. Er war Preisboxer, und damals wurde sehr viel primitiver als heute gekämpft. Cohen war in vieler Hinsicht sehr primitiv.«

Weil sich Cohen, O’Mara, Wooters und die anderen Figuren in Motiven an realen Vorbildern orientieren oder aus tatsächlichen Personen kombiniert wurden, sagt Produzent Dan Lin: »Wir haben uns mit der Geschichte einige Freiheiten erlaubt, wie das im Kino üblich ist. Aber wir wollen unseren historischen Vorbildern gerecht werden, und deshalb hielten wir es für nötig, dass unsere Schauspieler über die wahren Ereignisse Bescheid wissen. Unsere Darsteller müssen begreifen, dass damals etliche verschiedene Einheiten eingesetzt wurden: das Hut-Team, das Ermittlungsteam und eben auch die Gangster Squad. Nick Nolte, der den Chief Parker spielt, hat die Handlungszeit unseres Films als Kind miterlebt und kennt sich bestens mit der Geschichte dieser Polizeieinheiten aus.«

»In Los Angeles konnte man leicht absahnen«, erinnert sich Nolte. »Parker war clever, ein guter Polizeichef. Er führte Krieg gegen Bugsy Siegel, und Cohen war Siegels Stellvertreter. Als Bugsy nach Las Vegas wechselte, erbte Cohen L.A. Zu Anfang des Films hat Cohen sich bereits voll etabliert, beherrscht den Sunset Strip – es muss einfach zum Duell mit Parker kommen.«

»Nick gehört zu den Größten der Filmgeschichte«, sagt Fleischer. »Taffer kann man sich den Typ gar nicht vorstellen, der den Ton in dieser Machoeinheit der Cops angibt. Im Drehbuch wird Parker als Richard Löwenherz beschrieben, und diesem Image wird Nick durchaus gerecht.« Von seinem Chef bekommt O’Mara den Auftrag, das Team zusammenzustellen. Doch es ist seine Frau Connie, die dem Sergeant hilft, die einzelnen Mitglieder auszusuchen.

»Connie ist eine nüchterne Frau«, sagt Mireille Enos. »Sie weiß genau, dass ihr Mann im Krieg traumatisiert worden ist, und sie versucht ihm zu helfen, damit er sich ändern kann, mehr auf Sicherheit bedacht ist. Als sie von der Einheit erfährt, ist sie entsetzt. Sie empfindet das als Todesurteil – als ob er entschieden hätte, sie zur Witwe zu machen, und seinem ungeborenen Kind den Vater zu nehmen. Doch weil sie nun mal so ist, wie sie ist, und weil sie ihn liebt, wendet sie sich nicht von ihm ab, sondern will ihn unterstützen, und sie übernimmt bei der Auswahl der Männer eine entscheidende Funktion.«

Als Connie merkt, dass ihr Mann die ehrgeizigsten Kollegen aussucht, schlägt sie eine andere Strategie vor: Er sollte eher nach Männern suchen, die nichts zustande gebracht haben, die wütenden Rebellen, die sich nicht an die Regeln halten. Denn sie schlussfolgert, dass solche Leute von Cohen wahrscheinlich nicht geschmiert werden – und diese Männer werden auch darauf achten, dass ihrem Ehemann nichts passiert.

O’Mara bringt die Personalakten mit nach Hause, und als Connie sie durchsieht, sucht sie zunächst einen Cop aus, der durch exzessive Gewalt und Insubordination aufgefallen ist: Sie hält diesen Coleman Harris für einen Mann, der O’Mara den Rücken freihalten kann. Anthony Mackie spielt diesen mit dem Klappmesser fuchtelnden Cop, der stolz darauf ist, im Viertel mit einer der höchsten Kriminalitätsraten Streife zu laufen.

»Harris hat seinen hochrangigen Posten aufgegeben, um wieder Streife zu laufen, weil er die Probleme bei der Wurzel packen will«, sagt Mackie. »Er will auf den Straßen dieses Schwarzenviertels patrouillieren und sich persönlich mit jedem kleinen Dealer anlegen. Doch dann bietet O’Mara ihm an, eine sehr verantwortungsvolle Funktion zu übernehmen und jenem Typen auf den Zahn zu fühlen, der für den Vertrieb der Drogen verantwortlich ist, den die Kids auf der Straße kaufen.«

»Ich habe die Figur des Coleman Harris erfunden, weil ich merkte, dass ich über das Los Angeles Ende der 1940er Jahre nichts erzählen kann, wenn ich nicht die Central Avenue, den Jazz-Korridor, diese eindeutig afroamerikanische Stadtkultur der damaligen Zeit mit aufnehme«, sagt Drehbuchautor Beall. »Harris kennt diese Welt und hat eine vielversprechende Karriere aufgegeben, um das Recht in einem Viertel von L.A. zu vertreten, um das sich die Polizei sonst nicht kümmert.«

Harris hat also ein persönliches Interesse daran, O’Mara dabei zu helfen, das verbrecherische Syndikat in der Stadt zu zerschlagen. Deshalb sagt er sofort zu. Sein Kollege Conwell Keeler erklärt sich ebenso schnell zur Mitarbeit bereit. Obwohl er Familie hat, was O’Mara ursprünglich als Ablehnungsgrund ansieht, findet Keeler den Kampf gegen das Verbrechen sehr wichtig, gerade weil er auch an seine Kinder denkt. Und er verfügt als Einziger über technische Fertigkeiten (die im Film mit viel Witz und auch -soweit wie möglich- technischer Präzision dargestellt werden).

Tatsächlich bildet die Arbeit des historischen Keeler die Grundlage für die Ausstattung der gesamten amerikanischen Polizeieinheiten mit elektronischen Überwachungsgeräten. Im Film ist Keeler ein Elektronikspezialist, der während des Kriegs bei der Spionage neueste Techniken anwandte und entsprechend Zugang zu den aktuellsten Geräten hat. Außerdem weiß er, wie man sie bei den Polizeieinsätzen verwenden kann.

»In einem unserer ersten Gespräche sagte Ruben, dass er Keeler als Gewissen der Gruppe ansieht«, erinnert sich Giovanni Ribisi. »Für mich bedeutet das, dass Keeler für eine Sache eintritt, die über sein persönliches Interesse hinausgeht, er glaubt an seine Mission und geht ganz unbefangen an seine Arbeit. Uns steht heute eine derart umfangreiche Technik zur Verfügung, dass wir manchmal vergessen, dass es einst eine handylose Ära gab, in der man an Türen klopfen oder Briefe schreiben musste, um mit den Mitmenschen Kontakt aufzunehmen. Es bringt Spaß, einen Mann zu spielen, der lange vor seinen Kollegen erkennt, wie sich die Welt weiterentwickeln wird. Und das setzt er zu seinem und seiner Kollegen Vorteil ein.«

Keeler steht also für die Zukunft der Ermittlungsbehörden, während Max Kennard die Vergangenheit repräsentiert. »Ruben wollte einen typischen Gesetzeshüter wie im Wilden Westen in die Gruppe integrieren, und das fand ich besonders interessant«, sagt Robert Patrick, der die Rolle des Max übernahm. Der Schauspieler engagierte sich sehr intensiv: »Ich habe mir viele alte Western angeschaut und mir die Eigenarten angeeignet. Außerdem habe ich etwa 15kg abgenommen, damit ich wie ein schlanker Cowboy aussehe.«

Kennards Revier ist die Olvera Street. Er ist der Mentor des ehrgeizigen jungen Cops Navidad Ramirez. »Damals waren Rassenvorurteile an der Tagesordnung«, fährt Patrick fort. »Doch der kantige Texaner Kennard sieht Navidad als Ersatzsohn an. Er erklärt sich in einer Zeit zur Zusammenarbeit mit dem jungen Kollegen bereit, die viele andere sicher abgelehnt hätten. Das ergibt eine wunderbare kleine Geschichte der beiden innerhalb der großen Story, und ich bin wirklich stolz darauf, daran teilzuhaben.«

Michael Peña (►End of Watch) war bereits in Fleischers letztem Film 30 Minuten oder weniger zu sehen und spielt hier den Berufsanfänger: »Ramirez hat gerade die Akademie absolviert, und aufgrund seiner Herkunft will niemand ihn als Partner akzeptieren. Deshalb bildet er mit dem Revolvermann ein Team, weil er bereit ist, auf ihn aufzupassen. Ramirez will mitmischen, wo es zur Sache geht, er muss sich und anderen ganz eindeutig etwas beweisen. Er ist in der Chavez Ravine aufgewachsen und will unbedingt zu den Guten gehören – deshalb erkennt er seine Chance, sich in der Gangster Squad zu bewähren.«

Doch nicht nur auf der Seite des Gesetzes gibt es Loyalität. Tatsächlich ist Cohen darauf angewiesen, dass er den Gaunern in seiner Umgebung trauen kann, damit sein Unternehmen reibungslos funktioniert. Holt McCallany spielt Mickeys rechte Hand Karl Lockwood. In mancher Hinsicht ist er der wichtigste Mensch in Mickeys Leben, wenn es um seine Sicherheit geht. McCallany hat persönlich eine ungewöhnliche Verbindung zu jener Zeit, in der der Film spielt: »Zufällig war meine Mutter Julie Wilson während der 1940er-, 50er- und 60er-Jahre eine berühmte Nachtclubsängerin. Sie ist tatsächlich im Mocambo und Trocadero aufgetreten.«

Gangster Squad entstand komplett in und um Los Angeles, wobei etliche historische Schauplätze zum Einsatz kamen, während andere so ausgestattet wurden, dass sie berühmten Lokalen aus der Zeit von Mickey Cohens Herrschaft entsprechen. Als man sich auf den Kamerastil geeinigt hatte, kümmerten sich die Filmemacher um die praktischen Details, um eine höchst mögliche Authentizität zu gewährleisten. »Wenn wir in einem Film, der in der Gegenwart spielt, fünf Blocks einer Straße ins Bild bringen, braucht man sich um die hinteren vier Blocks gar nicht weiter zu kümmern«, sagt Produktionsdesigner Maher Ahmad. »Doch in einem historischen Ambiente muss wirklich alles angepasst, verdeckt, entfernt oder hinzugefügt werden.«

»Jede Darstellung einer historischen Ära bringt Probleme mit sich«, bestätigt Michael Tadross. »Alle Straßenschilder, alle Hydranten, alle Lampenmasten und alle Fahrbahnmarkierungen sahen 1949 anders aus. Das stellte Mahers Team vor eine gewaltige Aufgabe.«

»Weil wir sehr viel draußen drehten, war dies ein besonders ehrgeiziges Projekt für mich, denn die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hatten einen ganz besonderen Look – auch wenn er nicht von Dauer war«, berichtet Ahmad. »In den 1950er-Jahren trat dann ein radikaler Wandel ein, als sich der sogenannte moderne Stil der Jahrhundertmitte durchsetzte. Ich musste mich also sehr intensiv vorbereiten.« Ahmad prüfte mindestens 30.000 Abbildungen, darunter auch Einzelbilder, die als Sekundärquelle aus Filmen jener Zeit herauskopiert wurden. »Damals kamen in den Gangsterfilmen und Musicals viele Nachtclubs vor. Daraus konnte ich entnehmen, wie das Nachtleben damals ablief«, sagt er.

Die Innen- und Außenansicht des Nachtclubs Slapsy Maxie’s zählt zu den wichtigsten Sets des Films. Dort isst Mickey Cohen gewöhnlich mit den Staatsbeamten zu Abend, die nach seiner Pfeife tanzen – genau wie der echte Cohen es getan hat. Ein leerstehender Laden in Bellflower wurde als Nachtclub eingerichtet. Praktischerweise war er groß genug, um auch einige von Cohens Geschäftsräumen aufzunehmen, wie das Skript sie vorschrieb.

»Zunächst wollten wir das Innere des Slapsy Maxie’s in einer Studiohalle nachbauen und die Außenansicht woanders filmen«, erklärt Fleischer. »Doch Maher entdeckte diese wunderbare, leerstehende Ladenfassade im Rahmen einer noch völlig intakten Art-Deco-Häuserzeile. Sie verwendeten wir als unser Hauptmotiv. Dion und ich brauchten nur einen Blick darauf zu werfen und waren uns sofort einig, dass wir hier eine Fahraufnahme verwenden würden, um die hervorragenden Qualitäten dieses Motivs zu würdigen.«

Laut Ryan Gosling passten Set und Handlung nahtlos zusammen. Während des Drehs hörte er, wie sich das Skript-Girl und der wachhabende, etwas ältere Feuerwehrinspektor unterhielten: »Der Inspektor erzählte ihr, dass er eines Abends im echten Slapsy Maxie’s gewesen war und Mickey dort im Kreise all seiner Freunde erlebt hatte. Er bestätigte, dass der Club genau wie unser Nachbau aussah und Mickey exakt an der Stelle saß, die Sean jetzt einnahm. Sie fragte ihn nach weiteren Details, und er sagte: „Ja, er erzählte ständig Witze, die überhaupt nicht witzig waren, aber alle lachten brav.“«

Neben den für den Film gebauten Sets, die uns in jene Zeit zurückversetzen, suchte Fleischer so viel wie möglich auch Wahrzeichen von L.A. aus, mit denen er in seinen Szenen die Geschichte der Stadt ins Bild bringen kann. »Diese Wahrzeichen sind mir sehr wichtig«, bestätigt der Regisseur. »Jeder denkt bei L.A. zum Beispiel sofort an das Hollywood-Zeichen, das damals noch „Hollywoodland“ geschrieben wurde.«

»Das Team hat eine Welt geschaffen, die es nicht mehr gibt«, sagt Dan Lin. »Prächtige Schauplätze, sexy Kostüme… und eine Atmosphäre, die immer noch sehr glamourös wirkt. Wahrscheinlich wünschen wir uns alle insgeheim, zumindest für kurze Zeit einmal so leben zu dürfen.«

»An jedem Drehtag kam ich mir vor wie in einer Zeitmaschine«, sagt Regisseur Fleischer abschließend. »Das wirkte so authentisch, dass ich mich in diese gewalttätige, romantische und entscheidende Epoche zurückversetzt fühlte. Der Film erzählt vom Krieg um die Seele von Los Angeles. Ich bin überzeugt, dass wir damit einen Gangsterfilm für die heutige Zuschauergeneration präsentieren, der aber auch den Genrefans der früheren Filme gefallen wird. Mickey Cohen ist unser Schurke, und die Cops werden ihn schnappen, egal was passiert. Im Film läuft das etwas anders ab als im wahren Leben, doch dank der Bemühungen und Triumphe einiger weniger tapferer Cops hat es das organisierte Verbrechen nie geschafft, in L.A. Fuß zu fassen.«

Gangster Squad ist ein klassischer (ja, der Titel sagt es bereits) Gangsterfilm mit viel Atmosphäre, Geballer und Skrupellosigkeit, gemischt mit einer Prise Humor. Die bombastische Filmmusik unterstreicht die dramatische Handlung, die Kamera ist genau dort, wo sie sein soll. Auch wenn man von Sean Penn besseres gewohnt ist, überzeugt er trotzdem in seiner Rolle als fieser Gangsterboss. Auch Ryan Gosling wirkt hier etwas blasser als sonst üblich. Wer auf klassische Gangsterfilme á la Cagney, Bogart & Co. steht, der ist hier jedoch vollkommen richtig. Und Emma Stone, die diese Woche gleich in zwei Filmen (►Movie 43) zu bewundern ist, als auch Mireille Enos halten die feminine Flagge aufrecht, damit der Film nicht zum reinen Männertrip wird. ■ mz

OT: Gangster Squad
USA 2012
Drama/Krimi
113 min
FSK 16

mit
Sean Penn (Mickey Cohen)
Josh Brolin (Sgt. John O’Mara)
Ryan Gosling (Sgt. Jerry Wooters)
Anthony Mackie (Officer Coleman Harris)
Robert Patrick (Officer Max Kennard)
Michael Peña (Officer Navidad Ramirez)
Giovanni Ribisi (Officer Conway Keeler)
Emma Stone (Grace Faraday)
Mireille Enos (Connie O’Mara)
Nick Nolte (Chief Parker)
Jack McGee (Lt. Quincannon)
Josh Pence (Officer Darryl Gates)
u.a.

drehbuch
Will Beall
nach dem gleichnamigen Roman von Paul Lieberman

musik
Steve Jablonsky

kamera
Dion Beebe

regie
Ruben Fleischer

produktion
Langley Park Productions
Lin Pictures
Village Roadshow Pictures

verleih
Warner Brothers

Kinostart: 24. Januar 2013

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22.01.2013 | mz |
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