Donnerstag, 22. August 2019

Denzel Washington als Pilot Whip Whitaker
© StudioCanal

zur IMDb (function(d,s,id){var js,stags=d.getElementsByTagName(s)[0];if(d.getElementById(id)){return;}js=d.createElement(s);js.id=id;js.src=“http://g-ec2.images-amazon.com/images/G/01/imdb/plugins/rating/js/rating.min.js“;stags.parentNode.insertBefore(js,stags);})(document,’script‘,’imdb-rating-api‘); | Trailer | Filmseite | Beitrag teilen var a2a_config = a2a_config || {}; a2a_config.linkurl = „http://www.screenmagazin.com/post/41109351138/“; a2a_config.locale = „de“; a2a_config.color_main = „333“; a2a_config.color_border = „966“; a2a_config.color_link_text = „fff“; a2a_config.color_link_text_hover = „F63“; a2a_config.color_bg = „000“; a2a_config.color_arrow = „fff“; a2a_config.prioritize = [„facebook“, „twitter“, „google_buzz“, „email“]; http://static.addtoany.com/menu/page.js

In der ersten Zusammenarbeit der beiden Oscar®-Preisträger beschert Regisseur Robert Zemeckis seinem Hauptdarsteller Denzel Washington eine einmalige Rolle – den brillanten Piloten Whip Whitaker, der in Turbulenzen gerät, lange nachdem er das Cockpit verlassen hat.

Als sein Passagierflugzeug abstürzt und es scheinbar keine Rettung gibt, erringt Captain Whip Whitaker mit einem schier unglaublichen Manöver die Kontrolle zurück. Er schafft eine Notlandung und rettet viele Menschenleben. Whip wird als Held gefeiert, denn jeder weiß: Niemand außer ihm hätte das Flugzeug landen können.

Doch dann wirft die Untersuchung des Absturzes ein neues Licht auf den Lebensretter. Whip hat etwas zu verbergen. Unangenehme Fragen werden gestellt, und er muss sich entscheiden, zwischen der Lüge, mit der er seinen Ruf rettet, oder einer schmerzhaften Wahrheit, die viel Mut erfordert.

Der Drehbuchautor und frühere Schauspieler John Gatins arbeitete 1999 als technischer Berater an „einem Epos mit militärischem Bezug“ mit. Dort begegnete er vielen Kollegen, hauptsächlich Piloten der Marine, die die verrücktesten Geschichten davon erzählten, wie sie ihre Maschinen auf Flugzeugträgern in der aufgebrachten See landen mussten.

Diese Schilderungen beflügelten die Fantasie des Autors, den die Luftfahrt trotz seiner Flugangst immer schon faszinierte. Dieser unglaubliche Druck, das Adrenalin beim Ausführen dieser akrobatischen Manöver… Wie tickten diese Menschen und wie konnten sie unter Normalsterblichen auf der Erde einen Ausgleich finden?

Damit begann eine zwölfjährige Odyssee, die mit dem Kinostart von Flight endet. Der wichtigste dramatische Konflikt ist Whip Whitakers Kampf mit sich selbst. Er ist ein Experte im Verleugnen, selbst dann noch, als sein ganz persönlicher Sturzflug immer steiler wird. Gatins beschreibt es so:

»Flight ist die Studie eines Charakters, der mit seinen eigenen Dämonen kämpft. An einem Tag, der als ganz normaler Arbeitstag beginnt, steigern sich die Ereignisse bis zu einer waschechten Katastrophe auf dem Flieger. Damit nimmt ein persönliches und berufliches Drama seinen Anfang. Und so wie sich dieses nach und nach entfaltet, bricht der Mann im Zentrum in sich zusammen.«

Gatins hat die Umstände echter Flugzeugunglücke recherchiert. Es sollte damals noch zehn Jahre dauern, bis der US-Airways-Pilot „Sully“ Sullenberger sein „Miracle on the Hudson“, die sichere Notlandung auf dem Fluss mitten in New York, vollbrachte. Mit der Hilfe des NTSB (National Transportation Safety Board) und der Erinnerungen professioneller Piloten konnte Gatis ein 35-seitiges Exposé fertig stellen, aus dem schließlich Flight werden sollte.

Doch das fertige Produkt ist auch deshalb kein reiner Katastrophenfilm, weil Gatins Erfahrungen aus seiner eigenen Vergangenheit in die Geschichte einbrachte. Er sagt: »In der Handlung findet sich ein Teil meines Privatlebens wieder. Für mich bot sich die Chance, meine eigenen Probleme und Dämonen zu reflektieren und sie in Beziehung zu setzen zu dieser Figur, der plötzlich ein großes Ereignis im Leben widerfährt.«

Für Robert Zemeckis bedeutet Flight die Rückkehr zum Realfilm. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich der innovative Regisseur vor allem im Bereich des Motion Capturing betätigt. Berühmt für den klugen Einsatz herausragender Spezialeffekte war Zemeckis hingegen schon immer. Dabei reiht Flight sich bestens ein in Zemeckis’ Werk, das geprägt ist von starken Charakteren, die sich auf eine abenteuerliche emotionale Reise begeben. »Mich hat fasziniert, wie vielschichtig nahezu alle Figuren sind. Sie präsentieren sich in unterschiedlichen Graustufen, nicht nur in Schwarz und Weiß«, sagt er. »Jeder trägt seine eigene Verletzung mit sich herum, und diese Verletzungen treiben die Handlung voran.«

Zemeckis entschloss sich, chronologisch zu drehen. Diese unübliche Vorgehensweise erlaubte Schauspielern wie Filmemachern, auf ihren vergangenen Erfahrungen mit den Figuren aufzubauen und diese organisch zu entwickeln. Auch Drehbuchautor John Gatins war täglich in beratender Funktion am Set, um bei Änderungen und Verbesserungen an der Geschichte mitarbeiten zu können. Keine Änderung gab es an der Figur des Whip. Konsequent zeichnet Zemeckis diesen als typischen Antihelden, und das von Beginn an. Der grausige Flug aber markiert nur den Beginn des Wegs. In der Figur des Whip Whitaker untersucht Flight moralische Dilemmas. Gatins sagt:

»Whip ist selbstverschuldet in schlechte Lebensumstände geraten. Doch dann gelingt ihm dieses Heldenstück und er verdient sich das Recht, über seine Zukunft selbst zu entscheiden. Mir ging es dabei um den Wert, den wir einem aufrichtigen Leben beimessen. In gewisser Weise laden wir die Zuschauer in Whips Welt ein, und wir setzen den Charakter dem Urteil des Publikums genauso aus wie den Stimmen, die ihn freisprechen und einen Helden aus ihm machen wollen. Wie wird dieses Urteil lauten? Lassen wir uns dabei von seinen Flugkünsten oder dem Blick in sein dunkles Inneres leiten?«

Denzel Washington gehört zu den angesehensten Schauspielern seiner Generation und hat schon Polizisten, Detektive, Rechtsanwälte, Zugführer und den Offizier eines Atom-U-Boots dargestellt. Mit Flight kann er seinem Lebenslauf eine Tätigkeit als Pilot in der zivilen Luftfahrt hinzufügen.

»Es hat einen solchen Spaß gemacht, Denzel zuzusehen«, sagt Zemeckis. »Man traut seinen Augen nicht, wenn man ihn spielen sieht. Dank seines Genies kann er Nuancen darstellen, die über das hinausgehen, was man mit bloßem Auge erkennen kann. In vielen Szenen kann man seine Misere einfach spüren, das ist atemberaubend. Er ist einer der größten Schauspieler unserer Zeit. Ein Traum wurde wahr, mit ihm zu arbeiten.«

Washington nahm große Mühen auf sich, um die Pilotenschaft wissen zu lassen, dass der Film ihre Zunft in keiner Weise anklagen will. Der Schauspieler sagt: »Ihnen sollte klar sein, dass der Film weder Piloten noch Airlines verurteilt. Es geht auch weniger um das Fliegen, als um die Suchtproblematik – jedenfalls, was meine Figur angeht. Er könnte genauso gut Briefe sortieren, aber das Fliegen ist natürlich eine dramatischere Situation. Whip ist ein Mann mit schwerwiegenden Problemen, die man als Regisseur, Pilot oder Klempner haben könnte. Abhängigkeit und Verleugnung laufen immer nach denselben Mustern ab, die Heilung hoffentlich auch.

Aber als Pilot steht man unter ständigem Druck. Man fliegt mal nach L.A., dann wieder nach New York und weiter nach Hongkong, da bleibt man dann für einen Tag, dann kommt man nach Hause, und es geht wieder von vorne los. Es ist körperlich anstrengend, man verbringt viel Zeit in Hotels und die Flugbegleiter werden zum Familienersatz. Aber letztlich könnte es um jeden gehen, der nachts in einem einsamen Hotelzimmer mit seinen Dämonen kämpft.«

Die aufstrebende britische Schauspielerin Kelly Reilly spielt Nicole Maggen, eine so attraktive wie sorgenvolle Frau aus Atlanta, die ebenfalls mit Suchtproblemen zu kämpfen hat und sich mit Whip anfreundet. Gatins erklärt: »Sie hat auch einen persönlichen Absturz erlebt, der sich mit Whips Geschichte überschneidet. Die beiden haben eine faszinierende Begegnung im Krankenhaus, an einem Tiefpunkt in ihrer beider Leben, und daraus entsteht ihre persönliche Beziehung, die uns durch weite Teile der Geschichte führt.«

Flight ist nicht nur Reillys erster Film, der in Amerika gedreht wurde, sondern auch ihre erste Rolle als Amerikanerin. Sie arbeitete hart und geduldig mit einem Sprachtrainer, der ihren Dialekt perfekt auf Georgia trimmte. Doch es waren die universalen Themen von Heilung und Erlösung, die sie an der Rolle besonders reizten. Zur Zeit ihrer Begegnung mit Whip kämpft Nicole mit ihrer schweren Drogensucht. Dieses zufällige Treffen im Krankenhaus, wo er sich von dem Absturz und sie sich von einer Überdosis erholt, führt sie auf einen lebensrettenden Weg zu Entzug und Heilung.

Reilly beschreibt Nicole vor ihrer Begegnung mit Whip als »einsam und gebrochen«. Sie sagt: »Als wir ihr das erste Mal begegnen, ist sie tief in ihre Sucht verstrickt. Die Droge ihrer Wahl ist Heroin. Im Laufe des Films lernen wir ihrer Situation besser kennen: Sie hat ihre Mutter verloren, ihr Vater ist Alkoholiker. Sie hat viele falsche Entscheidungen getroffen, sich für den falschen Weg entschieden und sich schließlich total verirrt.«

»Die Geschichte dreht sich auch darum, dass man in bestimmten Situationen im Leben ganz bestimmte Menschen braucht und welch großen Einfluss diese auf einen ausüben können«, sagt Reilly weiter. »Nicole würde ihr Leben gerne ändern, aber sie kommt nicht los von ihrer Sucht. In gewisser Weise rettet Whip sie. Er nimmt sie heraus aus ihrer Welt und versetzt sie an einen Ort, wo sie genesen kann.

Sie wendet sich den Anonymen Alkoholikern zu, wo man Menschen hilft, die bereit sind, Hilfe anzunehmen. So weit wäre sie von alleine nicht gekommen. Bob hatte die Vorstellung, dass Nicole nach ihrer Überdosis erkennt, wie schön das Leben tatsächlich ist und sie sich von ihren Fesseln befreien will. Als es ihr besser geht, möchte sie Whip auch an diesen Punkt bringen, aber steckt noch zu sehr in seinem Netz aus Lügen. Sie beginnt, ihm einen Spiegel vorzuhalten.«

Reilly sagt, die Arbeit mit Denzel Washington war, »wie als Boxer mit dem Weltmeister im Schwergewicht im Ring zu stehen.« Sie erklärt: »Er ist intensiv, brillant und herzzerreißend. In beinahe jeder Szene hat er eine Wahrheit über seine Figur ausgespielt, die mich tief berührt hat. Es weckt Ehrfurcht, wenn man sieht, wie jemand so wahrhaftig mit einem Charakter umgeht, der sich auf eine sehr düstere, hässliche Reise begibt.«

Der hoch gelobte Charakterdarsteller Don Cheadle spielt den Chicagoer Strafverteidiger Hugh Lang. Er berät Whip Whitaker angesichts der drohenden Anklage wegen strafbarer Fahrlässigkeit, die Whip wegen seiner Verwicklung in den Absturz womöglich droht. Cheadle arbeitet in Flight zum ersten Mal wieder mit Denzel Washington zusammen, seit die beiden 1995 für Carl Franklins Krimi Teufel in Blau gemeinsam vor der Kamera standen – ein Film, der für Cheadle seinerzeit den Durchbruch bedeutete.

»Im Laufe der Untersuchung stellt sich heraus, dass Captain Whitaker Drogen genommen hat und vor Antritt des Fluges betrunken war«, sagt Cheadle. »Ein Drogentest belegt das alles. Für mich ist das eine große Herausforderung: Ich muss einen Weg finden, wie er trotzdem seinen Job behalten kann und die Airline vor dem Bankrott retten. Eigentlich muss ich alle beschützen.« Doch das Verhältnis zwischen den beiden Männern ist gespannt, keiner mag den anderen allzu sehr und das notwendige Vertrauen zwischen Anwalt und Klient ist eher gering ausgeprägt.

»Denzel und ich waren uns einig, dass Whip Hugh nicht besonders gut leiden kann«, erzählt Zemeckis. »Umgekehrt gilt dasselbe, aus verständlichen Gründen. Trotzdem ist Hugh zur Stelle, um Whip zu retten. Die Beziehung der beiden zueinander erzählt einiges über Whips psychische Struktur. Er erträgt die Vorstellung nicht, dass es soweit mit ihm gekommen sein soll, dass er jemanden wie Hugh braucht, um ihm zu helfen. Er hat keine Ahnung, wie das geschehen konnte und er reagiert aggressiv auf diese Situation – aber er ist auch auf ihn angewiesen, wenn er nicht ins Gefängnis gehen will. Ein sehr kompliziertes, faszinierendes Verhältnis also.«

Cheadle weist auch darauf hin, dass Whip, gerade Hugh Lang gegenüber, keine allzu sympathische Figur ist. Diese Charaktereigenschaft ist ein entscheidender Aspekt von Whips Psyche und es spricht laut Cheadle für Washington, dass er bereit war, die dunkle Seite seiner Figur und deren Weg zu ergründen: »Wenn man Denzel Washington eine solche Rolle gibt, dann kann man eine absolute Bereitschaft voraussetzen, auch dorthin zu gehen, wo es weniger schön aussieht. Jeder möchte gemocht werden, jeder möchte ein guter Kerl sein – aber um das zu schaffen, muss Whip einige seiner Dämonen ans Licht bringen und dem Publikum so seine weniger charmante Seite präsentieren.«

Der preisgekrönte Film- und Fernseh-Veteran John Goodman trat bereits in dem Thriller Dämon neben Denzel Washington auf. In Flight spielt Goodman Whips launigen, abgefahrenen besten Kumpel Harling Mays, der auch in den dunkelsten Stunden zu seinem Freund hält. »Harling ist Whips Vertrauter, Freund und Partybegleiter – aber vor allem ist er, bei all seinen Schwächen, ein großer Unterstützer«, sagt Gatins. »Mag sein, dass er Drogen verkauft und ziemlich am Rande der sogenannten normalen Gesellschaft lebt. aber er ist unglaublich aufrichtig und er mag seinen Freund von Herzen gern. Er ist der Kerl, auf den Whip sich verlassen kann.«

Auch das Publikum kann sich darauf verlassen, dass er immer für einen Lacher gut ist – auch wenn er sonst vielleicht keinen allzu vertrauenerweckenden Eindruck macht. Diesen schauspielerischen Drahtseilakt meistert John Goodman mit Bravour. Wenn er mit Shorts, Hawaiihemd und seiner großen Tasche voller Überraschungen daherkommt, ist das eine ermunternde und willkommene Abwechslung in diesem sonst so ernsten und mitreißenden Dramas.

Der vielseitige kanadische Darsteller Bruce Greenwood spielt Whips alten Freund Charlie Anderson. Die beiden waren gemeinsam bei der Navy, und über seine zweite Karriere als Pilot im Passagierverkehr ist Charlie bei der Gewerkschaft gelandet und wird dort mit Whips Fall und der Untersuchung des Absturzes von SouthJet 227 beauftragt. Greenwood stand zuletzt 2006 für den Thriller Déjà Vu – Wettlauf gegen die Zeit gemeinsam mit Denzel Washington vor der Kamera.

So wie Greenwood es sieht, interessieren sich Charlie und die Gewerkschaft weniger für Whips Heldenstatus als vielmehr dafür, ihre eigenen Jobs zu retten: »Sie begeben sich, moralisch und ethisch, auf dünnes Eis. Sie können entweder jemanden beschützen, der einen furchtbaren Fehler begangen hat. Damit würden sie die Airline und 2000 Jobs retten. Oder sie opfern ihn und lassen ihn mit seinen Dämonen allein. Diese Entscheidung ist nicht leicht zu treffen.«

Greenwood hat durchaus Erfahrung im Fliegen – und sogar mit dem Abstürzen! »Mein Großvater war Fluglehrer auf einer Luskim Tail Dragger, und er hat mir ein paar Stunden Unterricht gegeben«, erzählt er. »Ich bin nie selbst gestartet oder gelandet, aber ich bin ein paar Kurven geflogen und habe Sinkflüge gemacht. Einmal bin ich in ein kleines Flugzeug gekracht und abgestürzt. Niemand kam dabei ums Leben, aber diese Erinnerung ans Fliegen werde ich nie vergessen.«

Flight verlangte nach einem Kameramann, der nicht nur die Wildheit und Hektik einer Absturzszene umsetzen, sondern auch einem sensiblen Drama und einer intimen Charakterstudie gerecht werden konnte. Don Burgess hat alle von Robert Zemeckis inszenierten Realfilme ab Forrest Gump fotografiert und arbeitet nun zum ersten Mal seit Cast Away – Verschollen wieder mit dem Regisseur zusammen.

Burgess schätzt seit Kurzem auch die Arbeit mit digitalen Kameras und entschied sich, für Flight die außergewöhnlich kleine „Red Epic“ zu nutzen. Diese konnte ihre Stärke vor allem in den Szenen im Flugzeug ausspielen, wo ihr ausreichend Freiraum in der engen Maschine zur Verfügung stand. Während der Vorbereitungen auf den Dreh, zeigte Zemeckis Burgess einen ersten Entwurf der Absturzsequenz und die beiden machten sich daran, die Details auszuarbeiten. Wie könne man es aussehen lassen, als flöge die Maschine auf dem Kopf? Wo sollte sich die Kamera befinden, wie sich bewegen, wessen Perspektive sollte sie einnehmen? Diese Überlegungen bekräftigten Burgess in seinem Vorhaben, die „Red Epic“ einzusetzen.

Drehbuchautor John Gatins hat diesen Teil des Skripts an einen tatsächlichen Flugunfall angelehnt, auf den er während seiner Recherchen aufmerksam geworden war: »Ein Pilot wies mich auf einen Vorfall hin, bei dem das Höhenleitwerk unverrückbar einrastete und das Flugzeug in den Sinkflug zwang. Sie haben natürlich alles an Bord versucht, um das zu korrigieren, aber irgendwann mussten sie die Maschine auf den Kopf drehen. Nur so ließ sich das Flugzeug stabilisieren und langsam Richtung Boden senken. Dann mussten sie es im richtigen Moment wieder umdrehen und eine Bauchlandung riskieren. Dasselbe macht Whip im Film.«

Viele der funktionalen Schauplätze rund um die Maschine, etwa der Korridor zum Flugzeug, das Cockpit, die Bordküche und der Passagierbereich wurden auf den Bühnen und Anlagen von Bühne 5 des EUE/Screen Gems-Komplexes in Atlanta nachgebaut. Um das Flugzeug passend zur fiktiven Airline SouthJet zu gestalten, orientierte Coates sich an Maschinen, die üblicherweise von regionalen Fluggesellschaften verwendet werden, wie etwa die Modellreihen MD-80 und 737.

Einen Großteil der Sequenz über lag der Jet auf einem großen Luftpolster, mit dem das heftige Ruckeln während der Turbulenzen simuliert werden konnte. An jedem Ende des Polsters befanden sich einen Meter große Sprungfedern, mit denen das Spezialeffekteteam die Maschine nach Belieben nach oben, unten, und zur Seite (also backbord und steuerbord) bewegen konnte. Kameramann Don Burgess setzte eine Vielzahl von Kränen, Aufsätzen und anderer spezieller Ausrüstung ein, um diese anspruchsvolle Sequenz zu realisieren, darunter einen „Technocrane“, einen „Felix Crane“, einen „Libra Head“ und eine Überrollvorrichtung.

An einer Stelle des Fluges rollt Whitaker die Maschine um 180 Grad, um wenigstens ein Minimum an Kontrolle behalten zu können. Dies wurde mittels einer Anlage bewerkstelligt, die man am Set aufgrund ihrer Funktionalität „Drehspieß“ taufte. Innerhalb dieser eigens entworfenen runden Apparatur, die über 5t Gewicht, sprich einen Teil des Flugzeugs und seiner Passagiere tragen musste, ließ sich die Maschine einmal komplett um ihre Längsachse drehen. Zuvor wurde das Flugzeug an Ringen und Rollen befestigt.

Da die Apparatur keine ganze Maschine samt Insassen halten konnte, wurde die Kabine in zwei Abschnitte von je 14 Reihen und 25 Passagieren aufgeteilt. Das Spezialeffekteteam fügte nach den Dreharbeiten die beiden Aufnahmen zu einem Gesamtbild des Flugzeuginneren zusammen. Michal Lantieri, preisgekrönter Special Effects Supervisor und langjährige Mitarbeiter von Robert Zemeckis, sagt: »Wir haben diese 360°-Drehanlage von Grund auf neu entworfen und gebaut, und konnten mit ihrer Hilfe filmen, wie die Maschine sich umdreht und was währenddessen in ihrem Inneren geschieht.«

Dabei mussten Lantieri und sein Team nicht nur das Gewicht des Flugzeugs berücksichtigen, dessen Passagierkabine in Anlehnung an eine MD-80 mit einem Gewicht von dreieinhalb Tonnen entworfen worden war, sondern auch die zusätzliche Last durch die Passagiere. Außerdem musste die Kabine auf beiden Enden offen stehen, damit während der Drehung die Kamera auf einem Kran durch sie hindurch gleiten konnte.

Während der Tage, an denen die Szenen im umgedrehten Flugzeug gedreht wurden, mussten die Darsteller der Insassen, die überwiegend aus Stuntleuten bestanden, mehrere Takes bis zu zwei Minuten auf dem Kopf stehend ertragen. Stuntkoordinator Charlie Croughwell vergleicht diese Arbeit mit einer Achterbahnfahrt.

Doch die professionellen Stuntleute waren nicht die einzigen, die es im umgedrehten Flieger aushalten mussten – auch Denzel Washington unterzog sich dieser Tortur. »Denzel ist klasse, er wollte alles selber machen«, sagt Croughwell. »Er möchte nicht, dass jemand anderes seine Stunts macht, und diese Einstellung gefällt mir sehr. Natürlich haben wir uns für bestimmte sehr gefährliche Situationen gemeinsam eine Lösung ausgedacht, aber er ist wirklich ein Kämpfer!«

Um sicherzugehen, dass sein Team den Dreh unbeschadet überstehen würde, führte Croughwell zuvor eine ganze Reihe von Tests durch: »Wir haben Leute mit dem Kopf nach unten aufgehängt und überwacht, um zu sehen, wie lange das ohne Gefahr möglich wäre und welche Auswirkungen es hat. Das Blut rauscht dir ins Gehirn, und nach Stunden des Herumsitzens im Flugzeug hast du ohnehin schon Schwierigkeiten mit der Zirkulation. Diese körperlichen Auswirkungen mussten wir in Betracht ziehen.«

Flight ist hauptsächlich ein Alkoholikerdrama. Wenn man Whip zusieht, wie er eine Flasche Whiskey nach der anderen leert, Koks schnupft und Zigaretten auf „Turbo“ zieht, kommt eine Menge Mitleid ins Spiel. Man wird förmlich in Whips Lage versetzt, fiebert mit ihm mit, wie sich seine Lage während des Films verändert. Die Spannung wird anfangs durch das Absturzszenario, das hervorragend inszeniert ist, auf die Höhe getrieben, während sie danach in andere, subtilere Dimensionen umschlägt.

Man merkt es Zemeckis an, dass er eine Weile nicht mehr solch einen Stoff verfilmt hat, jedoch gelingt es ihm, Dank seiner Hauptdarsteller, ein packendes Drama zu inszenieren, das danach schrie, verfilmt zu werden. Nach seiner eher enttäuschenden Darstellung als taffen Lokführer in Unstoppable, was aber hauptsächlich am Drehbuch lag, gelingt es Denzel Washington diesmal wieder, sein Können als großartiger Charakterschauspieler unter Beweis zu stellen. Mit ihm steht und fällt der Film.

Dass er den Zuschauer trotz der Filmlänge bei der Stange hält, verdankt der Film nicht nur Washington, sondern auch dem ausgefeilten Drehbuch und dessen Inszenierung. Allerdings wirkt der Film nicht ganz ausgewogen, und wer einen reinen Flugzeugabsturzfilm erwartet, wird nach etwa einer halben Stunde stark enttäuscht, wenn der Film eine ruhigere Gangart einlegt… ■ mz

OT: Flight
USA 2012
Drama
138 min
FSK 12

mit
Denzel Washington (Whip Whitaker) Leon Boden
Bruce Greenwood (Charlie Anderson) Frank Röth
Don Cheadle (Hugh Lang) Dietmar Wunder
Kelly Reilly (Nicole) Alexandra Wilcke
John Goodman (Harling Mays) Klaus Sonnenschein
Brian Geraghty (Ken Evans) Karlo Hackenberger
Tamara Tunie (Margaret Thomason) Anke Reitzenstein
Nadine Velazquez (Katerina Marquez)
Melissa Leo (Ellen Block)
u.a.

drehbuch
John Gatins

musik
Alan Silvestri

kamera
Don Burgess

regie
Robert Zemeckis

produktion
ImageMovers
Paramount Pictures
Parkes/MacDonald Productions

verleih
StudioCanal

Kinostart: 24. Januar 2013

http://ws.amazon.de/widgets/q?rt=tf_ssw&ServiceVersion=20070822&MarketPlace=DE&ID=V20070822%2FDE%2Fangelonemedia-21%2F8003%2F4d2044c6-d9b9-4366-8c36-b78fdf6aef37&Operation=GetDisplayTemplate Amazon.de Widgets

21.01.2013 | mz |
Kategorien: ohne