Dienstag, 23. Juli 2019

Kay will eine gemeinsame Ehetherapie – kein leichtes
Unterfangen bei einem so störrischen Mann wie Arnold.
© 2012 GHS Productions, LLC/Barry Wetcher

Trailer | IMDb | Filmseite

Beitrag teilen var a2a_config = a2a_config || {}; a2a_config.linkurl = „http://www.screenmagazin.com/post/32364195917/wie-beim-ersten-mal“; a2a_config.locale = „de“; a2a_config.color_main = „333“; a2a_config.color_border = „966“; a2a_config.color_link_text = „fff“; a2a_config.color_link_text_hover = „F63“; a2a_config.color_bg = „000“; a2a_config.color_arrow = „fff“; a2a_config.prioritize = [„facebook“, „twitter“, „google_buzz“, „email“]; http://static.addtoany.com/menu/page.js

Seit 30 Jahren sind Kay und Arnold Soames verheiratet. Wie viele andere Paare haben die beiden sich im Laufe ihrer Ehe so sehr aneinander gewöhnt, dass mittlerweile jeder Tag einer fast choreographiert wirkenden Routine folgt. Die Kinder sind längst aus dem Haus und zum Hochzeitstag schenkt man sich Praktisches. Doch insgeheim sehnt sich Kay nach mehr. Ein wenig Liebe, vielleicht ab und zu sogar Leidenschaft. Arnold dagegen will einfach seine Ruhe…

Doch schließlich hält es Kay nicht länger aus: Sie nötigt den störrischen Arnold zu einer Reise in das romantische Städtchen Hope Springs, um sich in die Hände des berühmten Eheberaters Dr. Bernard Feld zu begeben. Ihren Mann überhaupt dorthin zu bekommen, war schon schwer genug, doch als es darum geht, die festgefahrene Eheroutine und sogar die eingeschlafenen, und noch nie besonders experimentierfreudigen, Schlafzimmergewohnheiten auf den Kopf zu stellen, um den gewissen Funken in ihrer Ehe wieder zu entfachen, beginnt für Kay und Arnold das eigentliche Abenteuer.

Nach Der Teufel trägt Prada ist dies bereits die zweite Zusammenarbeit von Regisseur David Frankel und Meryl Streep. Diesmal jedoch geht es weniger um Mode oder wie in seinem letzten Film Ein Jahr volgelfrei um Vogelbeobachter. Nun ja, mit Vögeln hat es auch im übertragenen Sinne zu tun. Wie beim ersten Mal ist die Geschichte einer Liebe, in der das Feuer schon lange erloschen ist.

Meryl Streep ist der Meinung, dass so eine schleichende Entfremdung vielen Paaren widerfährt – gerade in unserer Kultur, die von so viel Ablenkung geprägt ist: »Je mehr unsere Aufmerksamkeit aufgesplittert ist, umso größer ist unser Bedürfnis, einander wieder näher zu kommen. Intimität und Gewolltwerden, Sehnsucht und das Verlangen danach, gesehen und verstanden und geliebt zu werden, sind zentrale Themen unserer Kultur.«

Die Drehbuchautorin Vanessa Taylor hat sich beim Schreiben von diesen großen Lebensfragen inspirieren lassen. »Ich habe viel über die Ehe nachgedacht und auch darüber, wie es Menschen gelingt, Leidenschaft und Sex in einer langen Partnerschaft aufrecht zu erhalten«, sagt sie. »Ich habe mich auch viel mit dem Thema Eheberatung beschäftigt. Und dann habe ich mich gefragt, wie sich der Funken wohl wieder entfachen lässt, den man eigentlich nie hatte? Gerade aus der Sicht einer Frau; wenn du mit dir und deiner Sexualität unglücklich bist, wie viel Mut braucht es da eigentlich, den Mund aufzumachen und zu sagen: „Unsere Ehe ist okay, aber nicht gut genug. Ich will mehr. Ich verdiene etwas Besseres.“

Ich war zwar niemals verheiratet, aber auch ich habe in meinen Beziehungen erlebt, wie sich da eine Distanz eingeschlichen hat. Ich war entsetzt über die Erkenntnis, wie schwer es ist, wieder an den Ausgangspunkt zurückzukehren. Aber irgendwie sollte es doch möglich sein. Die Suche nach einer Lösung des Problems hat mich veranlasst, dieses Buch zu schreiben – ich wollte wissen, ob diese Menschen zurück können.«

Der Film besitzt dem Alter entsprechende witzige Dialoge, verzichtet jedoch gänzlich auf Nacktheit, was auch nicht wirklich stört und sonst nur das Aussehen des Films schmälern würde. Es ist ja auch kein europäischer Film, wo so etwas im Film mittlerweile jugendfrei ist. Es ist Hollywood, es kann darauf verzichten, die Schrumpelhaut ihrer Stars zu outen!

Immerhin schafft es Meryl Streep, aus Tommy Lee Jones ein Lächeln zu zaubern, kennt man ihn doch sonst nur als mürrischen Kauz und Ernstmensch, wie er auch zu Beginn des Films wirkt. Arnold geht es so richtig gegen den Strich, die plötzlichen Gefühlswallungen seiner Frau ertragen zu müssen. Der Brubbelkopf meckert, was das Zeug hält, und ist so überhaupt nicht überzeugt, dass diese teure Therapie helfen könnte. Als sie dann in dem Ort ankommen, zieht er sogleich über alles Mögliche dort her.

Der Ort, der für Great Hope Springs Pate stand, liegt am östlichsten Punkt Connecticuts: Stonington ist ein malerisches Fischerdorf auf einer winzigen Halbinsel, weit entfernt von jeder Autobahn. Gegründet wurde der Ort während der Kolonialzeit, viele seiner Gebäude im Kolonial-, neogriechischen und viktorianischen Stil finden sich im Nationalregister der historischen Orte wieder. Seine Grünflächen, sein Meerblick und seine Hummer- und Fischkutter boten die ideale Kulisse für das fiktionale Great Hope Springs in Maine.

Steve Carell, der nun in zwei Filmen gleichzeitig im Kino zu sehen ist, spielt den Ehetherapeuten Dr. Feld, der mit seiner teuren Behandlung die Ehe der beiden flicken soll. So kommt es, dass viele Szenen in seinem Sprechzimmer spielen. Wenn die beiden Eheleute dann auf der Couch von ihren Problemen und Wünschen berichten, dann bekommt der Film seinen Zündstoff. Das Paar bekommt nach jeder Sitzung Hausaufgaben mit auf den Weg, die abgearbeitet werden müssen – wie z.B. gemeinsam im Arm liegen, die Nähe des Anderen spüren.

Meryl Streep und Tommy Lee Jones spielen das vom Alltag gebeutelte Ehepaar wie aus dem Leben gegriffen. Aus Produzent Todd Blacks Sicht schaffen es die Schauspieler, die Charaktere nicht als abgeschlossene Karikaturen, sondern als warmherzige, lebensechte Menschen zu zeigen. »Sie können zwar nicht miteinander kommunizieren,« sagt er, »aber wenn Meryl und Tommy diese Rollen spielen, glauben wir sofort, was Kay und Arnold am anderen lieben, selbst wenn sie es jahrelang nicht ausgesprochen haben – oder vielleicht sogar nie.«

Frankel verzichtete bei den Therapieszenen meist auf Proben, um die Szenen frisch und lebendig wirken zu lassen. Steve Carell fand diese Arbeitsweise aus naheliegenden Gründen ein wenig furchterregend: »Stellen Sie sich vor, Sie sitzen Meryl Streep und Tommy Lee Jones gegenüber und sollen eine neun Seiten lange Szene spielen. Jemand sagt „Action!“ und Sie müssen einfach loslegen! Das kann einem schon ziemlich Angst machen. Ich glaube, David wollte bei mir diesen Reh-im-Scheinwerferlicht-Blick einfangen.

Allerdings macht das auch ziemlich Spaß. Ich kann verstehen, warum David nicht so viel proben wollte – oder manchmal sogar gar nicht. Er wollte, dass alles frisch und organisch rüberkommt und nicht so künstlich. Manchmal führen zu viele Proben dazu, dass die Ideen bereits so festgefahren sind – im Gegensatz zu einem Prozess, in dem man sie erst gemeinsam findet, was sie weniger glatt erscheinen lässt.«

Viele Szenen zeigen auch die ungeschickten, linkischen Versuche des Paares sich wieder an Vorspiel und Sex anzunähern. »Schlafzimmerszenen sind immer schwierig, weil man versuchen muss, die Illusion von Privatheit und Intimität zu erschaffen, während sich in Wirklichkeit eine riesige Kamera und sechzehn Leute in einem kleinen Raum drängen und jemand ein Mikrofon über das Bett hält. Es ist nichts Privates oder Intimes an diesem Vorgang«, sagt Frankel. »Gute Schauspieler können solche Szenen trotzdem sehr persönlich und bewegend gestalten. Unser Job ist also, ihnen dabei nicht im Weg zu stehen und eine Atmosphäre zu kreieren, die solche unmittelbaren Emotionen zulässt.«

Wie beim ersten Mal ist eine recht angenehme, wenn auch banale, aber auf jeden Fall gut gespielte Ehedramödie für ein deutlich älteres Publikum, das sich eventuell teilweise in den beiden Hauptfiguren wiedererkennen vermag. Dass der Film die Kinokassen klingeln lässt, bleibt zu bezweifeln, denn es werden keine Leute erschossen, sie mutieren auch nicht zu Werwölfen, geschweige denn sie können zaubern oder irgendjemandem das Blut aus den Adern saugen – also eine geradlinige Geschichte mit eventueller Lebenshilfe. Das ist nichts Besonderes, aber der gute Wille zählt immerhin. ■ mz

OT: Hope Springs
USA 2012
Komödie/Drama
FSK: 6
100 min

mit
Meryl Streep (Kay Soames) Dagmar Dempe
Tommy Lee Jones (Arnold Soames) Ronald Nitschke
Steve Carell (Dr. Bernard Feld) Uwe Büschken
Jean Smart (Eileen, Kays Freundin)
Mimi Rogers (Carol, die Nachbarin)
Ben Rappaport (Brad Soames)
Marin Ireland (Molly Soames)
Brett Rice (Vince) Kaspar Eichel
Becky Ann Baker (Cora, die Bedienung)
Elisabeth Shue (Karen, die Barfrau) Arianne Borbach
Damian Young (Mike, der Gastwirt) Jörg Hengstler
Ronny Clanton (Ronnie, der Taxifahrer) Andreas Hosang
u.a.

drehbuch
Vanessa Taylor

musik
Theodore Shapiro

kamera
Florian Ballhaus

regie
David Frankel

produktion
Management 360
Mandate Pictures
Escape Artists

verleih
Wild Bunch Germany

Kinostart: 27. September 2012

http://ws.amazon.de/widgets/q?rt=tf_ssw&ServiceVersion=20070822&MarketPlace=DE&ID=V20070822%2FDE%2Fangelonemedia-21%2F8003%2Fc9c3078d-fd07-4549-ba35-395f3af21dde&Operation=GetDisplayTemplate Amazon.de Widgets

27.09.2012 | mz |
Kategorien: ohne