Donnerstag, 22. August 2019

Colin Farrell als Douglas Quaid
© Sony Pictures

Trailer | IMDb | Filmseite

„Willkommen bei Rekall, der Firma, die Ihre Träume in echte Erinnerungen verwandeln kann.“

Obwohl Fabrikarbeiter Douglas Quaid eine wunderschöne Frau hat, die er sehr liebt, klingt so ein Gedächtnistrip wie der perfekte Urlaub von seinem frustrierenden Alltag. Echte Erinnerungen aus dem Leben eines Superspions könnten genau das sein, was er braucht. Vielleicht helfen sie ihm, die Albträume zu vergessen, die er jede Nacht hat. Doch als die Programmierung schiefgeht, wird Quaid ein gejagter Mann.

Von der Polizei verfolgt, die unter dem Kommando von Kanzler Cohaagen, dem Führer der freien Welt, steht, verbündet sich Quaid mit der Rebellin Melina, um den Chef der Untergrundwiderstandskämpfer zu finden, und Cohaagen zu stoppen. Der schmale Grat zwischen Fantasie und Wirklichkeit verschwimmt immer mehr, und das Schicksal seiner Welt droht, aus dem Gleichgewicht zu geraten, als Quaid entdeckt, wer er wirklich ist, wen er wirklich liebt und was seine wahre Bestimmung ist.

»Das Konzept von Rekall, wie es von Philip K. Dick in seiner Geschichte erdacht worden war, war der Grund für mich, Regie bei diesem Film führen zu wollen«, sagt Len Wiseman, den man vor allem für die Inszenierung der ersten beiden Underworld-Filme und Stirb langsam 4.0 kennt. Wiseman verfügt aber auch über viel Erfahrung in künstlerischer Gestaltung: Er war an der künstlerischen Gestaltung von bahnbrechenden Science-Fiction-Großproduktionen wie Independence Day und Stargate beteiligt.

»Für die weiblichen Rollen brauchten wir Schauspielerinnen, die nicht nur sympathisch und attraktiv sein sollten, sondern auch ordentlich hinlangen können mussten«, sagt Produzent Neil H. Moritz. »Jessica Biel kann kämpfen wie der Teufel und Kate Beckinsale kann dem Teufel vermutlich zeigen, was eine Harke ist. Die beiden waren während des gesamten Drehs einfach unglaublich, gerade in den Szenen, in denen ihnen körperlich alles abverlangt wurde.«

Für die Rolle der Lori, Quaids vermeintlich liebende Ehefrau, die sich als eiskalte Killerin erweist, sicherten sich die Filmemacher die Mitwirkung von Kate Beckinsale, die seit sieben Jahren mit Regisseur Len Wiseman verheiratet ist. Die beiden arbeiteten davor bereits bei den Underworld-Filmen miteinander.

Für die Darstellung der Melina mussten die Filmemacher eine Schauspielerin finden, die den immensen körperlichen Ansprüchen der Rolle gewachsen war. Wiseman wählte Jessica Biel für die Rolle aus. Colin Farrell erinnert sich noch gut an einige Diskussionen zwischen ihm, Biel und Wiseman, die bis in die tiefste Nacht andauerten:

»Es gab einfach unendlich viele Fragen, die wir uns über unsere Figuren stellten. Jessica war genau die richtige Person, mit der man sich darüber zwischen zwei Einstellungen unterhalten konnte. Sie, Len und ich trafen uns auch noch oft nach Drehschluss, um uns weiter zu unterhalten. Eines Abends gingen wir noch zu dritt in Lens Hotel und saßen Stunden zusammen. Wir spielten endlos lang Ideen und Dialoge miteinander durch.«

Wisemans Ansatz für den Film war es, sich noch intensiver mit der Hauptfigur auseinanderzusetzen und sie in einer Mischung aus Psychothriller und Actionfilm agieren zu lassen, die eher zufällig auch in der Zukunft spielt. Allerdings gelingt ihm das nur bedingt, denn die erste Verfilmung der Geschichte von 1990 mit Arnold Schwarzenegger schaffte sich viele Fans, die vermutlich bei der Neuverfilmung ein wenig enttäuscht werden.

Anstatt die Handlung auf den Mars zu verlegen, erzählt Wiseman seine Geschichte auf einer weit in der Zukunft liegenden Erde, die von zwei Nationen dominiert wird – die Vereinigte Föderation von Britannien, die sich über halb Europa erstreckt, und die Kolonie der Abtrünnigen, die sich im ehemaligen Australien befindet. Man ließ sich dabei von Dick inspirieren, sagt Wiseman: »Wenn man auf der Erde bleibt, kann man die Hauptfigur ganz andere Dinge erleben lassen.«

Dabei wäre das Thema Mars gerade in diesen Tagen mit den Bildern von der Marssonde Curiosity ebenfalls aktuell, zumal schon im Gespräch ist, den Mars zu kolonisieren. Die Verlegung der Geschichte auf die Erde macht die Geschichte nicht unbedingt glaubwürdiger, eher anders herum. Die fadenscheinigen Gründe Cohaagens lassen handlungstechnisch zu wünschen übrig.

Auch der Bau der synthetischen Polizeiarmee erinnert vielmehr an Star Wars, was nicht gerade vom Einfallsreichtum der Autoren zeugt. Dafür gelang ihnen wenigstens die Auflösung des Konflikts. Der Schlüssel dafür ist diesmal kein Mutant sondern der Anführer der Widerstandsbewegung, gespielt von Bill Nighy.

Die Action im Film ist solide, ist jedoch nicht ganz so brutal wie in der Erstverfilmung, was sich in der Freigabe ab 12 widerspiegelt. Der Film von 1990 stand zunächst auf dem Index und wurde erst später ab 18 Jahren freigegeben. Dafür punktet der Film in der Ausstattung! Das Blade-Runner-artige Ambiente mit jeder Menge Regen und modriger Feuchtigkeit sowie dunklen, eng aneinander liegenden Häusern auf mehreren Ebenen in der Kolonie steht im Kontrast zu der sonnig hellen Föderationswelt mit prunkvollen Gebäuden und interessanter Infrastruktur. Ein besonderes Highlight ist dabei die Verfolgungsjagd über London, bei der Quaid und Melina von Lori in Autos gejagt werden, die sich auf einer festen Fahrbahn magnetisch fortbewegen.

Wisemans Ansatz für Total Recall bestand darin, tatsächliche Kulissen zu bauen, wann immer es möglich war. »Natürlich mussten wir oft auf CGI zurückgreifen, weil wir gewisse Dinge zeigen, die man nicht wirklich bauen oder in Realität zeigen kann«, merkt der Regisseur an. »Aber wenn es möglich war, etwas tatsächlich zu bauen, dann habe ich das auch gemacht. Ich liebe es, Dinge zu bauen und zu zeichnen, zu erschaffen und dann abzufilmen.«

»Er wollte, dass der Film so echt aussieht wie eben möglich, weil er findet, dass es dann auch einfach besser funktioniert«, sagt Produzent Toby Jaffe. »Er findet, dass die Schauspieler überzeugender spielen, wenn sie aus einem tatsächlichen Auto heraushängen, anstatt einfach von einem Block in einer Studiohalle zu baumeln. Teil unserer Agenda war es also von Anfang an, tatsächliche Versionen unserer futuristischen Autos zu bauen und sie dann an echten Drehorten einzusetzen.«

Jessica Biel sagt, dass es einen großen Unterschied für ihre Darstellung machte, auf einem tatsächlich errichteten Filmset spielen zu können: »Wenn Filmkulissen schön gestaltet sind und so realistisch wirken, dass man die Nähte nicht sehen kann, dann sind sie wie eine Figur des Films. Sie werden zu deiner Realität. Man betritt die Kulissen und befindet sich mit einem Schlag dort, wo man sein muss. Sowohl emotional als auch körperlich ist das ungemein wichtig.«

Colin Farrell war von den Sets für die Kolonie beeindruckt: »Selten habe ich bei einem Film eine Arbeit gesehen, die handwerklich so unglaublich und fein detailliert war wie diese. Das alles ist einfach großartig. Man kann wirklich an jeden Gegenstand so nahe herangehen, wie man will, egal ob er sich im Hintergrund oder nahe an der Kamera befindet. Jeder von ihnen wirkt unbedingt echt. Ich denke, dass sich diese Vollständigkeit auszahlt. Es strahlt eine eigene Atmosphäre aus, eine Energie, die überzeugend ist. Der Film wirkt dadurch umso echter.«

Selbst wenn visuelle Effekte zum Einsatz kamen, wie im Fall der schwebenden Autos, versuchte Wiseman nach Möglichkeit, eine Mischung aus tatsächlich umsetzbaren und virtuellen Hilfsmitteln einzusetzen. »Wir bauten die schwebenden Autos tatsächlich und brachten sie dann auf dem Dach von Rennautos an. Die Schauspieler sitzen also oben, während die Autos unten von den Fahrern gesteuert werden«, sagt Jaffe. »Das mag ich lieber, als wenn die Schauspieler in einer leeren Hülle vor einem Green-Screen sitzen. Man sieht die Vibration, und die Darstellung der Schauspieler spiegelt die Realität in jedem Moment wider.«

Farrell erinnert sich an die Erfahrung: »Wir hatten zwei Autos, die ineinander rammten, und ich muss sagen, das waren nicht gerade die Tage, wo ich mich übermäßig männlich gefühlt hätte«, witzelt er. »Aber ich bin froh, dass wir es auf diese Weise getan haben. Es hat mächtig Spaß gemacht, und einige der Reaktionen, die sie auf Kamera gebannt haben, sind absolut echt. Tatsächlich ist da eine Textur von Realität, von Klang, von Himmel, die man nicht nachträglich hätte einfügen können.«

Immer wenn es möglich war, führten die Darsteller die Stunts selber aus. »Ich glaube, dass wir jeden zweiten Tag buchstäblich kopfüber an einem Draht hingen und an allen möglichen Stellen unseres Körpers gezwickt wurden, schwangen hin und her, wurden umhergerissen und feuerten Waffen ab – das war alles ziemlich aufregend und cool«, sagt Jessica Biel.

Ja, aufregend und cool ist der Film allemal. Fans der Erstverfilmung werden mit Sicherheit viele Zitate und Figuren wiedererkennen. Allerdings fehlt im Remake der leicht komödiantische Ansatz, sei es durch Dialoge oder Kampftechnik, der die 1990er Version zum Kultfilm avancieren ließ. Optisch ist Total Recall anno 2012 der Hammer, auch schauspielerisch sehr gut vertreten. Man vermisst zwar die Figur Richter, die vormals von Michael Ironside gespielt wurde, die allerdings zur Freude aller Emanzipierten und Männerherzen in die Rolle Kate Beckinsales verschmolz. Ein originalgetreueres Remake mit der atemberaubenden Optik der Neuverfilmung wäre jedenfalls bestimmt besser angekommen… ■ mz

OT: Total Recall
USA/CAN 2012
Thriller/Science Fiction/Action
FSK: 12
118 min

mit
Colin Farrell (Douglas Quaid/Hauser) Florian Halm
Kate Beckinsale (Lori) Stephanie Kellner
Jessica Biel (Melina) Gunthild Eberhard-Zell
Bryan Cranston (Cohaagen) Joachim Tennstedt
Bokeem Woodbine (Harry) Gedeon Burkhard
Bill Nighy (Matthias) Frank Glaubrecht
John Cho (McClane) Alexander Doering
Will Yun Lee (Marek) Nico Mamone
u.a.

drehbuch
Kurt Wimmer
Mark Bomback
Ronald Shusett
Dan O’Bannon
Jon Povill
nach der Kurzgeschichte „We can remember it for you Wholesale“ von Philip K. Dick

musik
Harry Gregson-Williams

kamera
Paul Cameron

regie
Len Wiseman

produktion
Total Recall
Original Film
Rekall Productions

verleih
Sony

Kinostart: 23. August 2012

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25.08.2012 | mz |
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