Mittwoch, 26. Juni 2019

Christian Bale als Batman
™ & © DC Comics; © Warner Brothers/Legendary Pictures Funding, LLC/Ron Phillips

Trailer | IMDb | Filmseite

Vor 8 Jahren ist Batman in die Nacht verschwunden – seit diesem Moment befindet sich der Held auf der Flucht. Der Dunkle Ritter nahm die Schuld am Tod von Staatsanwalt Harvey Dent auf sich und opferte sich so für die gute Sache, der er sich zusammen mit Commissioner Gordon verschrieben hat. Eine Zeit lang hat diese Lüge funktioniert: Dents neu eingebrachtes Gesetz sorgte dafür, dass die Kriminalitätsraten in Gotham City deutlich sanken.

Aber das ändert sich plötzlich radikal, als eine gerissene, katzenhafte Einbrecherin ihre undurchsichtigen Pläne zu verwirklichen beginnt. Weitaus gefährlicher ist allerdings der maskierte Terrorist Bane: Mit seinem skrupellosen Vorgehen bringt er Bruce dazu, sein selbstgewähltes Exil aufzugeben. Doch selbst als er wieder zu Cape und Maske greift, scheint der Dunkle Ritter Bane unterlegen zu sein…


„Die Schatten betrügen dich, weil sie mir gehören.“
(Bane)

Mit diesem letzten Film seiner „Dark Knight“-Trilogie beendet Christopher Nolan die Geschichte, die er 2005 mit Batman Begins vorstellte. Er erinnert sich: »Wir alle finden es äußerst aufregend, den Spannungsbogen jetzt zu Ende zu bringen und den Kreis zu schließen – das war unser Hauptanliegen für unsere Rückkehr nach Gotham. Außerdem spüren wir die ungeheure Verantwortung für die Erfüllung der Erwartungen, die wir mit den ersten beiden Filmen geweckt haben, wobei wir den Zuschauern auch etwas bieten wollen, was sie noch nie gesehen haben. Diese Gratwanderung gestaltet sich sehr schwierig.«

Und genau diese Gratwanderung scheint vielen Fans und Kritikern sauer aufzustoßen. Dabei ist es im Nachhinein überhaupt beachtlich, ein solch episches Werk in all seiner Komplexität und Länge mit so wenig Fehlern wie möglich fertigzustellen. Am Ende des Films scheint es, als hätte man einen Roman gelesen. Es geschieht eine Menge. Immerhin dauert die Handlung allein schon zweieinhalb Stunden!

Ein großes Manko ist die Synchronisation. Während Tom Hardy (der übrigens bis auf die Szene ohne Maske nicht im Geringsten zu erkennen ist!) als Bane im Original auf Grund der Maske etwas nasal spricht, fehlt das im Deutschen, während Batman in der deutschen Version so spricht, als bräuchte er Halspastillen. Da kommt zum Teil schon unfreiwillige Komik zu Tage.

Es fehlt ein wenig an dem klassischen inneren Konflikt zwischen Gut und Böse, den uns Heath Ledger als Joker so vortrefflich zeigen konnte. Dieser wird lediglich, aus Mangel an solchen Figuren, bei diversen Nebenfiguren angedeutet, denn Bane ist lediglich ein rachsüchtiger Söldner, der nur Schwarz und Weiß kennt. Allerdings zeigen Christian Bale und Michael Caine als auch Anne Hathaway, mit welchen inneren Problemen sie zu kämpfen haben.

Anne Hathaway ist die Einzige unter den Hauptdarstellern, die erstmals mit Nolan arbeitete. Sie gibt zu: »Über Selina Kyle lässt sich kaum etwas sagen, weil sie ihre Persönlichkeit massiv abschottet und mit Geheimnissen umgibt. Sie folgt ihrer eigenen Moral – was manchmal bedeutet, dass sie Dinge tut, die andere Leute für fragwürdig halten.«

Drehbuchautor Jonathan Nolan sagt: »Etwas in ihrer moralisch zweifelhaften Philosophie spricht Batman an – er kann damit etwas anfangen. Auf ganz verdrehte Art passt ihr Yin zu seinem Yang. So entsteht zwischen den beiden eine originelle Dynamik, weil sie ihn spielerisch auf den Arm nimmt. Es funkt zwischen den beiden, sie verstehen sich, was das Grüblerische seiner Figur relativiert.«

Auch durch den vermehrten Einsatz der IMAX-Kameras legte der Regisseur beim Dreh von The Dark Knight rises die Messlatte noch einmal höher. Fast die Hälfte des Films wurde in dem großen Filmformat gedreht, wobei jedes einzelne Filmbild 15 Perforationslöcher hoch und 65 mm breit ist. Dazu Nolan:

»Beim letzten Film erzielten wir mit den IMAX-Kameras hervorragende Resultate. Was sie technisch leisten, weiß ich zu schätzen, aber vor allem interessiert mich, wie sie mich beim Erzählen der Geschichte unterstützen können. Wie kann ich damit die Zuschauer noch intensiver ins Geschehen ziehen? IMAX bietet das denkbar größte Filmpanorama und erlaubt uns, völlig in die Handlung einzutauchen.«

Die Dreharbeiten führten die Darsteller und Filmemacher über drei Kontinente und in luftige Höhen. Die Action beginnt in der Luft, wo Bane seinen brutalen Amoklauf mit einer tödlichen Flugzeugentführung beginnt. Ein Großteil dieser haarsträubenden Sequenz wurde tatsächlich an Bord fliegender Maschinen über Schottland gedreht. In Großbritannien kamen auch Schauplätze in Wales und in Cardington zum Einsatz: Dieser gewaltige Flugzeughangar ist inzwischen eine Art Hauptquartier für Nolan und sein Team. Hier wurden etliche Innensets gebaut.

Auf der Weltreise des Batman-Teams entstanden auch Szenen in Indien und in den USA. Erstmals wurden Schauplätze aus drei verschiedenen Städten zu Gotham City kombiniert: Gedreht wurde in Pittsburgh, Los Angeles und in jener Stadt, die manchmal den Spitznamen Gotham trägt: New York. Nolan berichtet:

»Im Rückblick auf die Filme merkt man, dass sie ein Abbild unser realen Welt bieten, aber wir wollen nicht zu sehr ins Detail gehen. Wir bringen in die Geschichten nur ein, was uns bewegt, was uns angeht. Was macht uns Angst? Was lässt uns hoffen? Was müsste passieren, damit jemand von Batmans Kaliber in unserer Welt seinen Platz finden könnte?«


Bruce
„Für einen Fassadenkletterer ist das ein ziemlich verrücktes Outfit.“
Selina
„Ach ja? Und wen willst du darstellen?“

Ob Helden oder Schurken – immer spielen in der Batman-Trilogie die Kostüme eine entscheidende Rolle, um die Figuren zum Leben zu erwecken. Natürlich steht immer die unvergessliche Silhouette des Dunklen Ritters im Mittelpunkt. Christian Bale im Bat-Anzug hatte die gewünschte Wirkung auf seine Kollegen. Joseph Gordon-Levitt bestätigt:

»Als Christian diesen Anzug trug, musste ich mich gar nicht verstellen: Ich sprach wirklich mit Batman. Es passiert mir nicht oft, aber manchmal gibt es bei Dreharbeiten einen Moment, in dem ich die Situation als real empfinde. Dies war eindeutig der überzeugendste Moment, den ich je erlebt habe.«

Tom Hardy soll dem Dunklen Ritter laut Drehbuch mindestens ebenbürtig sein. Er erinnert sich: »Als ich Christian erstmals beim Schminken in der Maske sah, dachte ich noch ganz arrogant: ‚Kein Problem, mit dem kann ich es aufnehmen.’ Doch dann tauchte Batman am Set auf. Das war nicht mehr Christian Bale – das war eindeutig Batman.«

Am auffälligsten ist natürlich Banes bedrohliche Maske, die auf seinem Gesicht klebt und ihn ständig mit Schmerzmitteln versorgt, damit er die Auswirkungen seiner gewalttätigen Vergangenheit überhaupt ertragen kann. »Ohne die Maske könnte er es nicht aushalten«, berichtet Nolan. »Er trägt seine Vergangenheit für jeden erkennbar im Gesicht – dadurch wird er auf sehr konkrete Weise zu einem Monster.«

Bei Banes Maske geht es nur um Funktion und Form – Selina Kyles Maske wird dagegen von einer Kombination aus beidem geprägt. Dazu Nolan: »Es war besonders wichtig, den Auftritt dieser Figur glaubwürdig zu begründen – nicht nur als Selina, sondern auch als Catwoman. Mein Ausgangspunkt war die Frage, wie man die Silhouette von Katzenohren erreichen kann, ohne ihr buchstäblich Katzenohren aufzusetzen.

Letztlich versteifte ich mich auf das Konzept einer Nachtsichtbrille, die sich nach oben klappt – so entsteht praktisch durch Zufall die gewünschte Kontur. Als ich dieses Konzept entwickelt hatte, konnten Lindy Hemming und ihr Team es wunderbar umsetzen. Im Grunde geht es darum, die Ikonografie der Figur durch logische Einzelheiten zu kombinieren.«

Zwar ist die Schauspielerin von Kopf bis Fuß von dem hautengen Kostüm bedeckt, doch »verbergen tut es nicht viel. Deshalb habe ich mit einem Bewegungstrainer gearbeitet, um zu gewährleisten, dass ich mich in meinem Körper auch wohlfühle. Wenn ihr euch der ganzen Welt in diesem Katzenoutfit zeigen müsstet, dann garantiere ich euch: Ihr würdet euren Hintern ebenfalls im Fitnesscenter in Form bringen!«, lacht Anne Hathaway.


„Ich habe keine Angst. Ich bin wütend.“
(Bruce Wayne)

Und auch wenn Kritiker und Fans ihrer Meinung nach viel zu meckern haben, weil ihre Erwartungen zu weit hochgeschraubt waren, ist der Film nicht nur ein gelungener Abschluss der Batman-Trilogie, sondern könnte, frei nach Rick Blaine, der Beginn einer neuen Ära (bzw. Trilogie) sein.

»Bruce Waynes Story fasziniert die Menschen seit über 70 Jahren, weil es eine grandiose Geschichte ist. Wir waren begeistert, unsere Interpretation der Legende in diesen drei Filmen auf der Leinwand vorstellen zu dürfen. Das war eine sehr befriedigende Aufgabe. Wir sind sehr stolz auf diesen Abschluss, und wir hoffen, dass die Zuschauer ebenso enthusiastisch reagieren wie wir«, sagt der Regisseur abschließend.

Na ja, hoffen wir, dass etwaige Fortsetzungen oder Ableger ein ähnliches Colorit besitzen als Nolans Trilogie. Bis dahin kann man sich an der nun abgeschlossenen Trilogie freuen (oder auch nicht) oder Jonathan Nolans Serie Person of Interest mit Jim Caviezel und Michael Emerson (LOST) ansehen, die von J.J. Abrams produziert wird und mit hohen Einschaltquoten und Bewertungen in die zweite Staffel geht. ■ mz

OT: The Dark Knight rises
USA 2012
Krimi/Fantasy/Action
FSK: 12
165 min

mit
Christian Bale (Bruce Wayne/Batman)
Tom Hardy (Bane)
Anne Hathaway (Selina Kyle/Catwoman)
Joseph Gordon-Levitt (John Blake)
Gary Oldman (Commissioner Jim Gordon)
Morgan Freeman (Lucius Fox)
Marion Cotillard (Miranda Tate)
Michael Caine (Alfred)
Juno Temple (Holly Robinson)
Matthew Modine (Deputy Commissioner Foley)
Nestor Carbonell (Bürgermeister Anthony Garcia)
Brett Cullen (Richter)
Burn Gorman (Stryver)
Reggie Lee (Ross)
Liam Neeson (Ra’s Al Ghul)
Aidan Gillen (CIA Agent)
Josh Stewart (Banes Söldner)
Cillian Murphy (Jonathan Crane/Scarecrow)
Wade Williams (Gefängnisdirektor)
Christopher Judge (Stalker)
u.a.

kamera
Wally Pfister

musik
Hans Zimmer

drehbuch
Jonathan Nolan
Christopher Nolan
David S. Goyer
nach den Figuren von Bob Kane

regie
Christopher Nolan

produktion
Warner Bros. Pictures
DC Entertainment
Legendary Pictures
Syncopy

verleih
Warner Brothers

Kinostart: 26. Juli 2012

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18.07.2012 | mz |
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