Montag, 20. Mai 2019

Missi Pyle, Jean Dujardin
© Delphi Filmverleih

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George Valentin ist der Superstar des großen Hollywoodkinos der 20er Jahre. Dem unvergleichlichen Charmeur und Draufgänger fliegen die Herzen des Publikums zu. Er genießt und zelebriert seinen Ruhm und entdeckt wie im Vorbeigehen das Talent der jungen Statistin Peppy Miller. Doch mit dem Wendepunkt vom Stummfilm zum Tonfilm stehen die beiden Schauspieler plötzlich zwischen Ruhm und Untergang: Valentin will nicht wahr haben, dass der Tonfilm seine Karriere zu überrollen droht. Für Peppy Miller aber bedeutet die neue Technik den Durchbruch: Das Sternchen wird zum gefeierten Kinostar!

In Zeiten des 3D-Kinos und der Spezialeffekte, der Actionspektakel, Romantic Comedies und Teeniefilme, wagt The Artist das Einzigartige. Im Verzicht auf Farbe und auf gesprochene Dialoge bringt er die Gefühle der größten Epoche des Kinos auf unsere Leinwände. Ihre unbändige Freude am Spiel, ihre hinreißende Eleganz und ihren Witz, Tragik und Poesie. Mit rein filmischer Bildkraft, die jeden, ob alt oder jung, unmittelbar berührt.

Das nahezu eingeschworene Team der kultigen Agentenparodien um Agent OSS 117 (Jean Dujardin) versammelte sich nun zu einem ganz besonderen Leinwandabenteuer – einer Hommage an die Anfänge des Kinos, ein Stummfilm in Schwarzweiß und Vollbildformat! Mit großem Erfolg in Frankreich angelaufen, erobert The Artist nun den Rest der Welt.

Ähnlich wie Peppy im Film erstürmt Michel Hazanavicius (mit seinem zungenbrecherischen Namen) mit seiner bewegenden Liebesgeschichte die Herzen der Zuschauer: Die Golden Globes hat er schon abgeräumt, bei der Auszeichnung der Screen Actors Guild stimmte Dujardin sogar die Marsellaise an, und satte 10 mal ist der Film für den begehrtesten Filmpreis von allen nominiert, den Oscar®.

Es ist aber auch nicht leicht, einen Film zu bewerten, der heutzutage keine Vergleichsmöglichkeit bietet. Vom Standpunkt des heutigen Unterhaltungsstandards aus gesehen ist der Film eigentlich langweilig, vor allem, wenn man sich nicht von Vornherein darauf einlässt. Da kann ich die Leute verstehen, die, was ja durch die Presse gegangen ist, das Eintrittsgeld zurück verlangten, weil sie keinen Stummfilm in Schwarzweiß und Vollbild erwartet hatten.

Inzwischen jedoch sollte allen klar sein, was das für ein Film ist – eine Liebeserklärung an eine Kunst der Unterhaltung, die seit ihrer Erfindung nie aufhören wird, uns zu bezaubern. Und damit eine Liebeserklärung an jeden Zuschauer. The Artist gibt dem Zuschauer den Zauber zurück, wie befreiend und reich es sich anfühlt, sich von der Magie einer längst untergegangen geglaubten Kunst zum Lachen, zum Staunen und zum echten Gerührtsein hinreißen zu lassen.

Da in dem Film jegliche Sprache fehlt, wir jedoch im Zeitalter des Tonfilms leben, musste viel Wert auf die Musik gelegt werden. Es gibt heutzutage sehr viele Filme mit ausgesprochen hervorragender orchestraler Filmmusik. Daher ist man es gewohnt, dass diese die bewegten Bilder untermahlt. Allerdings ist man es nicht gewohnt, fast 100 Minuten nur diese Musik zu hören. Ludovic Bource komponierte zwar die Musik passend zur Stimmung der Szenarien, doch ein wenig mehr Abwechslung im Grundgefidel wäre wünschenswert gewesen.

Ein besonderes Highlight im Film ist allerdings ein Albtraum, den George im Film hat: Er träumt von Stille. Die Musik hat aufgehört zu spielen. Das Whiskyglas, das er abstellt, macht plötzlich ein Geräusch! Als er dann schließlich aufwacht und die Musik wieder beginnt, atmet er wieder auf. Das ist dann aber auch die einzige Stelle im Film, bei der die Musik eine Pause macht.

Was die Mimik und Gestik der Schauspieler angeht, ist dem nichts auszusetzen. Man sieht sofort am Gesichtsausdruck, wie die Person sich fühlt – eine besondere Leistung, die im Kino von heute nicht mehr allzu oft gefordert wird. The Artist ist eindeutig ein (wenn nicht sogar das) Highlight in der modernen Kinolandschaft. Mit seinem Alleinstellungsmerkmal kann der Film auch nicht wirklich mit anderen Filmen der heutigen Zeit verglichen werden und reiht sich dadurch in die Riege der besonderen Filme ein, die zeitlos und künstlerisch wertvoll sind. ■ mz


OT: The Artist
F/B 2011
Komödie/Stummfilm
FSK: 6
100 min; s/w

mit
Jean Dujardin (George Valentin)
Bérénice Bejo (Peppy Miller)
John Goodman (Al Zimmer)
James Cromwell (Clifton)
Penelope Ann Miller (Doris)
Missi Pyle (Constance)
Ed Lauter (Butler)
Ken Davitian (Pfandleiher)
Malcolm McDowell (Butler)
Nina Siemaszko (bewundernde Frau)
u.a.

musik
Ludovic Bource

kamera
Guillaume Schiffman

drehbuch
Michel Hazanavicius

regie
Michel Hazanavicius

produktion
La Petite Reine
La Classe Américaine
JD Prod
France 3 Cinéma
Jouror Productions
uFilm
Canal+
CinéCinéma
France Télévision
Le Tax Shelter du Gouvernement Fédéral de Belgique

verleih
Delphi

01.02.2012 | mz |
Kategorien: ohne