Mittwoch, 24. Juli 2019

Andrew Garfield
© Sony Pictures

Trailer | IMDb | Filmseite

Die Spinne aus der Nachbarschaft ist wieder da! Kaum zu glauben, dass nach gerade einmal 10 Jahren die Geschichte schon wieder neu erzählt wird. Offenbar haben die Produzenten gesehen, welchen Erfolg die Batman-Franchise mit ihrem düsteren Relaunch hat, und beschlossen demnach, Spider-Man einen ebensolchen Touch zu geben.

Ein wenig anders, vor allem etwas plausibler als beim Film mit Tobey Maguire als Fäden spinnender Rächer, kommt die Version von Regisseur Marc Webb (der Name macht was her), der seinen Kinofilmregieeinstand mit (500) Days of Summer gab, nun ins Kino – natürlich in 3D! Auch diesmal sind wieder MARVEL und Stan Lee involviert, letzterer wieder mit einem genialen Gastauftritt.

Erzählt wird bekannterweise die Geschichte von Peter Parker, einem High-School-Schüler und Außenseiter, der als kleiner Junge von seinen Eltern verlassen worden ist und seitdem von seinem Onkel Ben und Tante May aufgezogen wird. Wie die meisten Teenager, versucht Peter herauszufinden, wer er ist und wie er zu der Person geworden ist, die er heute ist.

Außerdem findet er seine erste Jugendliebe, Gwen Stacy. Gemeinsam kämpfen die beiden um Liebe, Hingabe und Geheimnisse. Als Peter einen mysteriösen Aktenkoffer entdeckt, der einst seinem Vater gehört hat, fängt er damit an, Nachforschungen anzustellen, weil er verstehen will, warum seine Eltern damals so plötzlich verschwunden sind.

Seine Recherchen führen ihn direkt zu Oscorp und dem Labor von Dr. Curt Connors, dem ehemaligen Partner seines Vaters. Wie der Zufall es so will, macht Gwen ausgerechnet dort ein Praktikum. Als er bei seinen geheimen Recherchen vor Ort von einer mutierten Spinne gebissen wird, beginnt er, sich zu verändern. Plötzlich sind seine Sinne und seine Kräfte ums Hundertfache gestiegen, und seine Finger sondern einen Klebstoff ab, mit dem er Wände hochklettern kann.

Nach und nach wird er sich mehr seiner Situation bewusst und verwandelt sich in den für uns bekannten Spider-Man. Er sucht nach dem Täter, der seinen Onkel nach einem Raubüberfall niedergeschossen hatte, doch die Polizei lässt solche nächtlichen Selbstjustiziare nicht zu, allen voran Captain Stacy, der zu allem Übel auch noch Gwens Vater ist.

Als sich dann die Ereignisse überschlagen, als eine Riesenechse die Stadt terrorisiert, findet Peter heraus, dass Dr. Connors dafür verantwortlich ist und noch viel Übleres im Schilde führt. Da muss sich schließlich Captain Stacy für das größere Übel entscheiden und verbündet sich mit Spider-Man, um die Machenschaften Connors zu unterbinden, und die Stadt zu retten…

Bis es jedoch soweit ist, geht viel Zeit ins Land, um die Geschichte zu erzählen. Da hätten hier und da einige Dialoge gekürzt werden können. Dann wär der Film aber vielleicht nicht so anspruchsvoll geworden. Man sieht, man hat sich Mühe gegeben, um dem dunklen Ritter zu trotzen. Doch das Drehbuch zieht sich wie eine Raupe – mal zieht es sich lang bis ins letzte Detail, dann wird es ziemlich oberflächlich, um dann wieder ins zähe Detail zu gehen…

Keine Frage – Andrew Garfield ist umwerfend authentisch und emotional in dieser Charakterstudie mit Actionsequenzen, doch irgendwie wird man das Gefühl nicht los, zwei unterschiedliche Filme zu sehen – ein Drama um einen Jungen, der seine Eltern verloren hat und sich durchs Leben schlägt, und einen Fantasy-Actionthriller.

Ebenfalls ausgezeichnet ist Emma Stone als Gwen Stacy. Wenn man sich erst einmal an die ungewohnt blonden Haare und die wegretuschierten Sommersprossen gewöhnt hat, denkt man auch nicht mehr so oft daran, dass das Emma Stone ist. Auch mal wieder gern gesehen – Denis Leary, der lange nicht im Kino zu sehen war.

Jenseits des Jakobswegs finden wir plötzlich Martin Sheen an der Seite der wie immer schrecklich neurotisch-emotionalen Sally Field wieder, die Peters Ersatzeltern spielen. Und als Bösewicht brilliert Rhys Ifans, der vielen noch aus Notting Hill oder ►Anonymus bekannt sein dürfte.

Die 3D-Effekte sind erstaunlich unscheinbar eingesetzt, die Spannungskurve bleibt relativ gerade, jedoch über Null, was man auch von den komödiantischen Einlagen behaupten kann. Es entstand ein solides Drama, das in ein Fantasy-Actionspektakel abdriftet. Da hat man versucht, einen Jonathan Nolan zu imititeren, bekam dafür jedoch ein Ex-Spider-Man-Harry-Potter-Gespann, das nicht so ganz geradeaus laufen konnte. Der neue Spider-Man ist zwar nicht so ganz ein Dark Knight, ist aber auch bei weitem kein Showgirls für Comicfans! ■ mz

OT: The Amazing Spider-Man
USA 2012
Drama/Action/Fantasy
FSK: 12
136 min
3D

mit
Andrew Garfield (Spider-Man/Peter Parker) Nico Sablik
Emma Stone (Gwen Stacy) Anja Stadlober
Rhys Ifans (Dr. Curtis Connors/Die Echse) Tom Vogt
Denis Leary (Captain Stacy) Torsten Michaelis
Martin Sheen (Onkel Ben Parker)
Sally Field (Tante May Parker)
Irrfan Khan (Rajit Ratha) l
Campbell Scott (Richard Parker)
Embeth Davidtz (Mary Parker)
Chris Zylka (Flash Thompson)
C. Thomas Howell (Jacks Vater)
Jake Ryan Keiffer (Jack)
u.a.

musik
James Horner

kamera
John Schwartzman

drehbuch
James Vanderbilt
Alvin Sargent
Steve Kloves
nach dem Marvel Comic von Stan Lee und Steve Ditko

regie
Marc Webb

produktion
Columbia Pictures
Laura Ziskin Productions
Marvel Studios

verleih
Sony

Kinostart: 28. Juni 2012

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27.06.2012 | mz |
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