Mittwoch, 22. Mai 2019

Julianne Hough, Diego Boneta
© Warner Brothers

Trailer | IMDb | Filmseite

Hollywoods berühmter Sunset Strip, 1987: Rocker greifen in die Saiten und wiegen sich im Rhythmus des legendären Rock’n’Roll-Tempels „Bourbon Room“. Wenn die Funken der elektrischen Gitarren stieben, überträgt sich der Beat der größten 80er-Jahre-Rockhits aufs Publikum. Rock of Ages ist also etwas für die mittlerweile ältere Generation.

Der Broadwayhit findet nun unter Adam Shankmans Regie den Weg auf die Kinoleinwand. Shankman ist auch als Ausführender Produzent beteiligt. Weil er in Los Angeles aufgewachsen ist, fühlte er sich in diesem Ambiente wie zu Hause: »Mein Vater war Manager in der Musikbranche und hatte sein Büro am Strip. Ich kannte viele Musiker. 1987 habe ich Musikvideos choreografiert. Ich kannte und mochte diese Welt. Die Chance, die Uhr jetzt zurückzudrehen, konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen.«

Im Zentrum des Films steht eine Lovestory: Junge trifft Mädchen. Dies wird mit dem klassischen Hollywoodtraum vom Ruhm kombiniert. Shankmans Schwester und Produzentenpartnerin Jennifer Gibgot erklärt: »Wie so viele Leute in L.A. ist auch das junge Liebespaar in Rock of Ages auf der Suche nach dem Erfolg hierhergekommen. Sie stellen sich das als ganz einfach vor. Erst allmählich merken sie, wie schwer es ist, dieses Ziel zu verfolgen und unbeirrt an dieser Ausgangsidee festzuhalten.«

Der Film zeigt auch die Kehrseite der Medaille – was es bedeutet, den Ruhm und Erfolg zu genießen, der den Glam-Bands der 80er Jahre so überaus reichlich beschieden war. Der in Los Angeles geborene Produzent Garrett Grant hat als Jugendlicher diese Musik gehört und die Sänger vergöttert: »Wir müssen diese Ära unbedingt authentisch abbilden und die Stimmung treffen, um jenen Rockstars Tribut zu zollen. Sie waren wirklich die Rockgötter jener Generation.«

Shankman sah das Musical zunächst auf der Bühne. Er erinnert sich: »Ich habe nie zuvor ein so begeistertes Theaterpublikum erlebt. Alle kannten die Songs auswendig, sprangen von ihren Sitzen, sangen mit und genossen die beste Show ihres Lebens. Dieser Enthusiasmus, diese unmittelbaren Gefühle überzeugten mich davon, dass ich den Film machen musste.«

Shankmans Rock of Ages bezieht sich auf den großen Broadwayhit, der 5 Tony-Nominierungen verbuchte und nach wie vor nicht nur dort, sondern weltweit in Tourneeinszenierungen gezeigt wird. Das Skript zum Musical schrieb Chris d’Arienzo, der als Autor und Ausführender Produzent auch am Film beteiligt ist.

Zwar verwendet der Film vorwiegend Songs aus dem Musical, doch Mit-Autor Justin Theroux durfte zum Glück auch einen seiner Lieblingssongs aus Jugendtagen übernehmen: »Ich finde, dass sich „Jukebox Hero“ besonders gut eignet, um den Hintergrund der Figur Drew näher zu definieren«, erklärt er. »Gleich am Anfang des Songs wird die Geschichte toll erzählt. Wir erfahren, wie es einem Teenager geht, der Rockstar werden will.«

Autor Allan Loeb machte sich einen Spaß daraus, die musikalischen Nummern des Skripts zu überarbeiten: »Manchmal werden zwei Songs gleichzeitig präsentiert, durch Schnitte wechselt die Perspektive zwischen zwei Erzählsträngen hin und her, sodass der Song mehr als nur eine Gruppe von Figuren illustriert. Ich fühlte mich also herausgefordert, die Story und die Songtexte so zu mischen und der Choreografie entsprechenden Raum zu geben, dass sich schließlich alle in einem fulminanten Refrain treffen können. So wurde das schon auf der Bühne gehandhabt, und so gingen wir auch beim Drehbuch vor – das brachte wirklich Spaß.«

Wer noch nichts von dem Musical gehört hat, der wird sich erst einmal einfinden müssen in den Stil und die Songs, die eine Ära prägten. Der Film hätte ja auch origineller mit neuen Songs in altem Stil daherkommen können. Stattdessen gibt es aufgewärmte 80er-Hits, teilweise als Mash-up, die jedoch noch lange nicht ihren mitreißenden Charme verloren haben. Rock-Ohrwürmer, Balladen, bunte Bauten und Kostüme als auch die illustre Besetzung machen das Filmmusical zu einer kurzweiligen Zeitreise.

Um den Film unterschwellig realistischer zu gestalten, baten die Filmemacher etliche Sänger (darunter viele, deren Songs im Film vorkommen) und Bühnenkünstler, als Gaststars aufzutreten. Dazu zählen Nuno Bettencourt von der Gruppe Extreme, Joel Hoekstra von Night Ranger, Debbie Gibson, Sebastian Bach von Skid Row, Kevin Cronin von REO Speedwagon, Constantine Maroulis aus der Bühnenversion von „Rock of Ages“, etliche Mitwirkende aus dem US-Tourneeensemble des Musicals sowie Saturday Night Live-Mitglied Will Forte.

Allerdings stört der nervige Humor von Russell Brand, der meines Erachtens weit überschätzt wird. Katy Perry kann womöglich ein Lied davon singen. Niedlich dagegen ist die nebenführende, aufblühende Romanze zwischen Lonny und Dennis, deren Kampf ums Überleben des Bourbon Rooms die beiden immer mehr zusammenschweißt.

Tom Cruise spielt als Stacee Jaxx, erneut in einer Extremrolle, alle anderen an die Wand. Oder vielmehr von der Bühne. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist allerdings die hohe Stimme von Julianne Hough, die der von Kristin Chenoweth (Pushing Daisies, Glee, Die Chaoscamper) ähnelt. Auch schön abstoßend: Paul Giamatti als geldgieriger Plattenproduzent mit Bart und Halbglatze, der wie immer seine Rolle fest im Griff hat.

Rock of Ages wird oft mit Grease verglichen. Dass da Ohrwürmer und Hits drin vorkommen, stimmt zwar, auch, dass die Handlung in einer gewissen Zeit spielt und sich um ein Junge und ein Mädchen dreht. Doch bei Grease waren das damals originelle Musikstücke, während hier die Musik aus der Konserve lediglich neu arrangiert wurde. Somit ist Rock of Ages lediglich, wie der Titel es beschreit, ein Film für Altrocker, Hardcore-Musicalfans und Liebhaber der 80er-Jahre-Rockmusik. ■ mz

OT: Rock of Ages
USA 2012
Musical
FSK: 6
123 min

mit
Diego Boneta (Drew Boley)
Julianne Hough (Sherrie Christian)
Tom Cruise (Stacee Jaxx)
Alec Baldwin (Dennis Dupree)
Russell Brand (Lonny)
Bryan Cranston (Mike Whitmore)
Catherine Zeta-Jones (Patricia Whitmore)
Paul Giamatti (Paul Gill)
Malin Akerman (Constance Sack)
Will Forte (Mitch Miley)
Mary J. Blige (Justice Charlier)
Eli Roth (Stefano)
Angelo Valderrama (Chico)
Debbie Gibson (Rocker)
u.a.

musik
Adam Anders
Peer Åström

kamera
Bojan Bazelli

drehbuch
Justin Theroux
Allan Loeb
Chris d’Arienzo (Musikbuch)

regie
Adam Shankman

produktion
Offspring Entertainment
Corner Store Entertainment
Maguire Entertainment
New Line Cinema

verleih
Warner Brothers

Kinostart: 14. Juni 2012

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13.06.2012 | mz |
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