Montag, 20. Mai 2019

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Prometheus – Starke Frauen

»Stell dir vor, du triffst Gott, und Gott ist der Teufel.« So beschreibt Michael Ellenberg, ausführender Produzent von Prometheus – Dunkle Zeichen, eines der zentralen Themen in Ridley Scotts neuem Science-Fiction-Abenteuer, seinem ersten nach den wegweisenden Klassikern Alien und Blade Runner.

Die Geschichte des Films kreist um die Fragen menschlichen Daseins: Wer sind wir und woher kommen wir? Schauspieler Michael Fassbender faßt es folgendermaßen zusammen: »Es geht letztlich darum herauszufinden, ob bei der Geburt der menschlichen Zivilisation andere Wesen Pate standen, die im Film als Ingenieure bezeichnet werden, und ob wir für diese Wesen Teil eines übergeordneten Plans sind.«

Die Grundidee für Prometheus – Dunkle Zeichen ergab sich, wie bei allen guten Science-Fiction-Geschichten, aus realen Beobachtungen. »Ridley fühlte sich von bestimmten Phänomenen inspiriert: von den Nazca-Linien in Peru, diesen riesigen Erdskulpturen, die man nur vom Flugzeug aus erkennen kann, genauso wie von den französischen Höhlenmalereien und den uralten Kulturen der Ägypter und den Mayas«, erklärt Ellenberg. »Ausgehend von diesen Entdeckungen geht der Film noch einen Schritt weiter und spekuliert darüber, was möglicherweise in der Zukunft gefunden wird.«

Der Film beschäftigt sich weniger mit der Zukunft und damit, wohin wir steuern, sondern wirft vielmehr einen Blick in die Vergangenheit, auf unsere Ursprünge. »Es geht um den Ursprung des Lebens und die ewige Frage: Was wäre, wenn…?«, erklärt Scott. »Gibt es diese Kugel, auf der wir jetzt leben, schon seit drei Milliarden Jahren oder erst seit einer? Und wenn wir nicht schon einmal Besuch hatten, was ist dann diese ganze lange Zeit auf diesem Planeten passiert, bevor Leben entstand?

Es ist pure Arroganz zu sagen „Nein, unmöglich, wir sind die Ersten.“ Sind wir die ersten Menschenartigen? Ich bezweifle das wirklich sehr. Unsere kulturelle Erinnerung und unsere Legenden erzählen von wundersamen, sonderbaren Dingen wie Atlantis – was ist das? Woher kommt das? Ist es wahr, war es wahr, ist es eine Erinnerung an etwas, das es tatsächlich einmal gab? Und wenn es so etwas gab, wie lange ist das her? 750 Milliarden Jahre? Dann wäre heute nichts mehr davon übrig. Wie wurde es erschaffen und von wem?«

Letzten Endes geht es in dem Film aber um uns, wie Damon Lindelof betont: »Es geht um die Menschheit in der Zukunft, um provokante Fragen, die einige der wissenschaftlichen und philosophischen Leitgedanken, die uns am meisten bedeuten, anfechten.« Antworten auf einige der tiefgründigsten Fragen des Lebens zu finden, nichts Geringeres als das ist das Ziel der Reise, auf die sich die Wissenschaftler und Forscher an Bord der Prometheus begeben.

Die Expedition wird von zwei brillanten jungen Wissenschaftlern, von Shaw und Holloway geleitet, die von unterschiedlichen Motiven angetrieben werden. Shaw ist eine Gläubige, sie will diese „Götter“ treffen und damit ihren eher traditionellen religiösen Überzeugungen näherkommen. Holloway dagegen geht es darum, diese spirituellen Leitgedanken endgültig zu entkräften und zu widerlegen.

Während ihrer Arbeit als Archäologen haben sie weltweit in Höhlenpiktogrammen von uralten Zivilisationen Hinweise auf den gleichen, weit draußen im Weltraum liegenden Ort gefunden und einen Megakonzern, Weyland Industries, davon überzeugt, ihre Expedition dorthin zu finanzieren. Doch keiner der Wissenschaftler war auf diesen unvorstellbaren Terror vorbereitet, der sie in den Tiefen des Alls erwarten würde…

Auf dem fremden Planeten stößt die Crew auf einen Überlebenden einer Zivilisation, die einige sehr gefährliche Elemente kontrolliert, darunter verschiedene biologische und biomechanische Lebensformen, die ihre Opfer in Sekundenbruchteilen vernichten oder sogar noch Schlimmeres bewirken können. »Das bringt uns zu der Frage«, gibt Ridley Scott zu bedenken, »nach den Konsequenzen einer Begegnung mit einem höheren Wesen, das den eigenen Fähigkeiten um einen Evolutionssprung voraus ist, das im Grunde genommen gottähnlich ist.«

Konsequenzen, die der berühmte Astrophysiker Stephen Hawking in seiner Fernsehshow Into the Universe with Stephen Hawking einmal so beschrieben hat: »Sollten uns je Außerirdische besuchen, wäre das vergleichbar mit Columbus’ Ankunft in Amerika, die bekanntermaßen für die Ureinwohner drastische Folgen hatte. Wir müssen nur auf unsere eigene Geschichte sehen, um zu erkennen, wie sich intelligentes Leben zu etwas entwickeln kann, dem wir selbst nicht begegnen wollen würden.«

Die Ausgangsidee zu Prometheus – Dunkle Zeichen entwickelte sich aus einer ikonischen Figur, die allerdings in Alien nur kurz zu sehen war und in Vergessenheit zu geraten schien, als der titelgebende Xenomorph buchstäblich auf die Leinwand herausplatzte. Dieses mysteriöse Geschöpf, eine riesige, versteinerte Kreatur, die als Space Jockey bekannt wurde, hatte aber der Mann, der es zum Leben erweckt hatte, nie vergessen:

»Das Geheimnis, das sich dahinter verbarg, hat für mich seit Alien nie seine Faszination verloren«, gibt Scott zu. »Wer war dieser Raumfahrer? Woher kam er? Was war seine Mission? Und welche Technologie hatte wohl seine eigene Spezies besessen? Ich glaubte, dass diese Fragen Ausgangspunkte für sogar noch größere Ideen und Themen sein könnten.«

In der Tat begann also Prometheus – Dunkle Zeichen seinen Entwicklungszyklus vor vielen Jahren als ein Film, der die Vorgeschichte von Alien erzählen wollte. Doch daraus erwuchs schließlich ein Projekt, das dramaturgisch so vieles mehr bot. Ridley Scott beschreibt die fortlaufende Umgestaltung der Geschichte:

»Während des kreativen Entwicklungsprozesses dieses Films wurde eine neue, großartige Mythologie geboren, die dieser neuen Geschichte ihren Rahmen gibt. Wenn man es so nennen will, wird der begeisterte Genrefan Stränge der DNS von Alien erkennen, aber die Ideen und Themen, die dieser Film anspricht, stellen letztlich etwas völlig Neues dar, sind tiefgreifend und provokant. Prometheus – Dunkle Zeichen erzählt diese rare Genregeschichte, nach der ich so lange gesucht hatte.«

In der Tat erzählt der Film einerseits die Suche der Menschheit nach seiner Herkunft, was bereits bei Roland Emmerichs Stargate Pate stand, andererseits birgt der Film Elemente einer Vorgeschichte zu den Alien-Filmen. Allerdings teilt sich dadurch auch der Film in zwei Hälften.

Während der ersten Hälfte des Films wird die Mannschaft vorgestellt, ihre persönliche Vergangenheit und ihre Aufgabe bei dieser Mission. Gleichzeitig ist es der atmosphärischere als auch langatmigere Teil des Films. Es wird viel gestreckt, ob es das Landemanöver ist oder das Aufzeigen jedweder Aktion, sei es das langsame Öffnen der Rampe oder die langen, zu bestreitenden Wege. Es wird viel gezeigt, die Musik und Kameraführung spielt in diesem Teil eine große Rolle.

Dann erfolgt ein Bruch und der Film verwandelt sich plötzlich in ein actiongeladenes Feuerwerk mit viel Information und Spannung. Dass der Film zudem noch in 3D aufgenommen wurde, hilft ein wenig über die Langatmigkeit der ersten Hälfte hinweg. Im Großen und Ganzen aber ist der Film sehenswert, vor allem natürlich für die zahlreichen Alien-Fans, die dem Film entgegenfiebern.

Damon Lindelof, der für seine verworrenen Erzählstränge bei LOST bekannt ist, sorgt für ebensolchen Inhalt, während Dariusz Wolski, der auch bei ►Rum Diary die Kamera schwenkte, für die notwendige optische Umsetzung verantwortlich zeichnet. Vor der Kamera brillieren Noomi Rapace, die für ihre Rolle der Lisbeth (interessant die Namensgebung für ihre Figur in diesem Film) in Stieg Larssons Millennium-Trilogie weltbekannt wurde, als auch erneut Michael Fassbender (►Haywire) und Charlize Theron (Young Adult). Prometheus – Dunkle Zeichen ist großes Science-Fiction-Kino, das man nicht verpassen sollte! ■ mz

OT: Prometheus
USA 2012
Science Fiction/Thriller
FSK: 16
124 min
3D

mit
Noomi Rapace (Elizabeth Shaw) Vera Teltz
Michael Fassbender (David) Norman Matt
Charlize Theron (Meredith Vickers) Katrin Fröhlich
Idris Elba (Janek) Marco Kröger
Guy Pearce (Peter Weyland) Christian Rode
Logan Marshall-Green (Charlie Holloway) Björn Schalla
Sean Harris (Fifield) Martin Kautz
Rafe Spall (Millburn) Robin Kahnmeyer
Benedict Wong (Ravel) Jesco Wirthgen
Patrick Wilson (Shaws Vater) Alexander Doering
Kate Dickie (Ford)
Robin Atkin Downes (Schiffscomputerstimme)
u.a.

drehbuch
Jon Spaihts
Damon Lindelof

kamera
Dariusz Wolski

musik
Marc Streitenfeld

regie
Ridley Scott

produktion
Brandywine Productions
Dune Entertainment
Scott Free Productions

verleih
20th Century Fox

Kinostart: 9. August 2012

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08.08.2012 | mz |
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