Montag, 19. August 2019

Autor und Co-Regisseur David Foenkinos und sein Bruder, Regisseur Stéphane Foenkinos
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► IMDb David Foenkinos | Stéphane Foenkinos
► Nathalie küsst

Nach seinem Kunststudium an der Sorbonne und seinem Jazzstudium an der CIM École de Jazz, versuchte der 1974 geborene David Foenkinos, verschiedene Bands zu gründen. Das scheiterte allerdings immer daran, dass er keinen passenden Bassisten fand. Dann wurde sein erstes Buch bei Éditions Gallimard veröffentlicht: „Inversion de l’Idiotie, de l’Influence de Deux Polonais“. Es wurde mit dem François Mauriac Preis der Académie Française ausgezeichnet. Sein zweites Buch war „Entre les Oreilles“ und sein drittes, „Le Potentiel Érotique de ma Femme“ („Das erotische Potential meiner Frau“), gewann den Roger Nimier Preis.

2003 erhielt David Foenkinos ein Stipendium der Fondation Hachette. Zwei weitere Romane wurden veröffentlicht, „En Cas de Bonheur“ („Größter anzunehmender Glücksfall“) und „Les Cœurs Autonomes“. Sein sechstes Werk, „Qui se Souvient de David Foenkinos“, war für den Femina Preis nominiert und gewann den Jean Giono Jurypreis.

„Nos Séparations“ („Unsere schönste Trennung“), erschienen im Oktober 2008, wurde unlängst für einen Film von Yann Samuell adaptiert, den Regisseur von Liebe mich, wenn du dich traust und Krieg der Knöpfe. Im Januar 2010 wurde „Bernard“ veröffentlicht. Die Rechte erwarb Mars Films. Im Oktober des gleichen Jahres erschien „Lennon“, eine fiktionale Beichte von John Lennon. Im August 2011 kam sein zehntes Buch heraus, „Les Souvenirs“, das es in die Top 5 des Magazins L’Express schaffte und auf die Shortlist für den Prix Goncourt.

„La Délicatesse“ („Nathalie küsst“) ist das einzige 2009 erschienene Buch, das für alle wichtigen französischen Literaturpreise ausgewählt wurde. Insgesamt wurde es mit zehn Preisen ausgezeichnet und erschien mit über 800.000 Exemplaren u.a. bei bei Grand Livre du Mois, France Loisirs und Folio.

Neben seinen Romanen hat er auch Geschichten für Comics veröffentlicht und zusammen mit seinem Bruder Stéphane einen Kurzfilm realisiert, Une Histoire de Pieds, der viele Publikumspreise gewann. Er arbeitete auch an einigen Drehbuchprojekten mit u.a. für die Regisseure Jacques Doillon und Cédric Klapisch. Sein erstes Theaterstück „Célibataires“ wurde erfolgreich 2008 im Studio des Champs-Elysées uraufgeführt, mit Catherine Jacob und Christian Charmetant unter der Regie von Anouche Setbon. Außerdem schreibt David Foenkinos eine monatliche Kolumne für das Magazin Psychologies und die belgische Zeitschrift Gael.

Stéphane Foenkinos, der jüngere der beiden Brüder, war ursprünglich Englischlehrer. Bis er Jacques Doillon kennenlernte, der ihn als Castingdirektor engagierte. Seit 1997 hat er mit einer Vielzahl französischer Regisseure gearbeitet, darunter Jean-Luc Godard, François Ozon, Claude Chabrol, Coline Serreau und Anne Fontaine. Aber auch internationale Regisseure wie Peter Greenaway, Mike Newell, Martin Campbell, Florian Henkel von Donnersmarck, Terrence Malick, Woody Allen und unlängst Robert Zemeckis beanspruchten seine Dienste.

Daneben schreibt Stéphane Foenkinos Sketche für die Schauspielerin und Kabarettistin Sylvie Joly, über die er auch eine 2010 bei Flammarion erschienene Biographie verfasste. Für die Bühne war er Co-Autor und Regisseur einer Musicalshow über das Leben von Judy Garland. Seit 2010 ist er im Autorenpool des CDN in Orléans für Regisseur Arthur Nauzyciel.

Zusammen mit seinem Bruder David wurde er von Jacques Doillon in die Kunst des Drehbuchschreibens eingewiesen. 2005 entstand ihr erster Kurzfilm, Une Histoire de Pieds – eine Liebesgeschichte aus der Sicht der Füße. Der Film lief auf mehreren Festivals und gewann viele Preise, darunter den Publikumspreis beim Festival in Nizza und den Jugendpreis beim Meudon Festival des Humors.

Für den französisch-deutschen Sender arte war Stéphane Foenkinos Co-Autor der zweiten Staffel der Serie Vénus et Apollon, ebenso bei Hard für Canal+ und bei den neuen Filmen von Alain Berbérian und Benoît Pétré.

David, Nathalie küsst ist Ihr achter Roman – und mit über 800.000 verkauften Exemplaren alleine in Frankreich und Übersetzungen in 21 Sprachen auch der bisher erfolgreichste. Warum wollten Sie unbedingt dieses Buch verfilmen?

David: Mehrere meiner Bücher werden zurzeit für den Film adaptiert. Aber für mich war der Wunsch, Filme zu machen, nie an meine Arbeit als Schriftsteller geknüpft. Auf der einen Seite schreibe ich Bücher, auf der anderen wollte ich auch einmal einen Film machen. Durch die vielen Interviews und Diskussionen im Zuge der Veröffentlichung des Buches wurde mir klar, dass diese Geschichte sehr viel persönlicher ist, als ich gedacht hatte, und dass mir das Thema sehr am Herzen liegt.

Ich hatte mit dieser Geschichte noch nicht abgeschlossen. Bei meinen anderen Büchern fühlte ich nach einer Zeit eine Art Überdruss und den Wunsch, mit etwas Anderem, Neuem weiterzumachen. Dieses Mal war es anders: Ich konnte mich nicht lösen, wollte immer weiter darüber sprechen und mehr Zeit mit diesem Stoff verbringen.

Stéphane: Wir wollten beide irgendwann einmal einen Film zusammen machen. David hatte mir das Buch schon sehr früh zu lesen gegeben und ich dachte sofort: Das muss man verfilmen! Und das war noch bevor der Roman zu so einem Erfolg wurde.

Worauf begründet sich die filmische Gemeinsamkeit?

David: Wir beide haben schon seit zehn Jahren mit Film zu tun…

Stéphane: Wir hatten in Jacques Doillon einen wunderbaren Mentor. Bei ihm habe ich als Castingdirektor angefangen. Er brachte uns auf die Idee, gemeinsam ein Projekt anzugehen. Er hatte ein Drehbuch, mit dem er nicht weiterkam, und bat uns, einen unbefangenen Blick darauf zu werfen.

Damals hatte ich schon mit dem Schreiben begonnen, und David hatte gerade sein erstes Buch veröffentlicht. Dann kam der Auftrag für das Making-of eines Stéphane Murat-Films in Luxemburg. Ich hatte also ein Team, und sah so die Möglichkeit, den Kurzfilm zu realisieren, den wir schon länger geplant hatten.

Wie hat sich das Projekt Nathalie küsst entwickelt?

David: Uns lagen die Anfragen verschiedener Produzenten vor, darunter auch von Marc-Antoine Robert und Xavier Rigault. Sie hatten bereits die Rechte meines vorherigen Romans „Unsere schönste Trennung“ erworben, und ich fühlte mich bei ihnen sehr gut aufgehoben. Ich schrieb dann das Drehbuch und versuchte, dafür einige neue Ideen zu entwickeln. Es sollte mehr ein Film basierend auf der Grundidee des Romans werden, als eine genaue filmische Umsetzung.

Davids literarischer Stil beruht auf dem Vergnügen, mit dem Leser zu spielen. Er macht sich über sich selbst lustig, viele Exkurse und Informationen werden zwischen den Kapiteln eingefügt, kulturelle Referenzen, Fußballergebnisse, das Rezept für ein Spargelrisotto etc. Wie lösten sie das Dilemma: Entweder alle diese Randnotizen beibehalten und umsetzen, um möglichst nah am Text zu bleiben, oder aber sie zu streichen, auf die Gefahr hin, den Tonfall zu verändern?

David: Die Adaption ist sehr wahrheitsgetreu, aber einige Szenen des Buches sind nicht unbedingt filmaffin. Meine Herausforderung bestand darin, zwar den Ton des Romans beizubehalten, gleichzeitig aber neue Einfälle und Ideen einzuarbeiten und umzusetzen. Ich bediente mich verschiedener Tricks, um das Verstreichen der Zeit zu illustrieren, wie Überleitungen, Ellipsen etc. Es gibt Elemente, die nicht im Buch enthalten sind. Aber ein Film ist ja auch etwas anderes als ein Roman. Das, was wir aus dem Buch übernommen haben, musste also bereits eine Bildsprache haben.

Auch das Stilmittel der Off-Voice erlaubt es Ihnen, im Film dicht am Romantext zu bleiben.

David: Der Film beginnt und endet mit einer Stimme aus dem Off. Unter den Filmemachern, die uns beeinflusst haben, steht zuallererst Truffaut (die sogenannte „Crackers“-Szene ist eine direkte Hommage an Tisch und Bett). Aber wir wollten es gleichzeitig auch vermeiden, in die Falle zu tappen und den Film zu literarisch werden zu lassen.

Stéphane: Wir sind große Fans von komischen Szenen und solch unkonventioneller Figuren wie Jacques Tati, Pierre Etaix und Blake Edwards.

Sowohl die Büroeinrichtung als auch die Kostüme von Markus und Nathalie beschreiben die Psychologie ihrer Figuren und spielen somit eine Schlüsselrolle für die Komik des Films. Welche Anforderungen stellten Sie an Kostümbildner und Setdesigner?

Stéphane: Es war klar, dass ein großer Teil des Films im Büro spielt. Wir wollten aber nicht die Modernität von Glas und offenen Flächen. Wir mussten Holztäfelungen finden, Vergoldungen und Marmorböden, auf denen Kreppsohlen kleben und Highheels klappern. Und es handelt sich um eine schwedische Firma, also waren die Losungsworte „Diskretion“ und „gedämpfte Atmosphäre“. Sobald wir das Set gefunden hatten (eine echte Firma in Saint-Denis), mussten wir Einrichtung und Accessoires modernisieren, damit es wiederum nicht allzu altmodisch wirkt.

Dasselbe galt auch für die Kostüme mit sehr ausgeprägten Farbcodes von Blau bis Beige. Wenn Nathalie beispielsweise eine rote Bluse trägt, knallt das wirklich heraus. Für Markus haben wir alle Farbschattierungen von Beige ausgereizt. Jedes Mal, wenn François Damiens einen neuen Pullover sah, rief er: »Oh, Beige zur Abwechslung!«

David: Wir haben uns viele Gedanken über Markus’ komische Seite gemacht, aber wir mussten unbedingt vermeiden, ihn lächerlich oder peinlich erscheinen zu lassen. Diese Balance zu treffen, war das Entscheidende. Dazu zählen so einfache Details wie Markus’ Unfähigkeit, seinen Hemdkragen ordentlich herauszuziehen.

Stéphane: Die 1960er-Ästhetik der Serie Mad Men hat uns beeinflusst, sie passt zu der Richtung, die wir einschlagen wollten. Wir haben auch eine kaum wahrnehmbare Hommage an Joan, die vollbusige Sekretärin der Serie, in der Figur von Ingrid, Charles’ Sekretärin, eingebaut.

Der Film erzählt die Geschichte einer Frau über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren. Von der lustigen, glücklichen Phase am Anfang zur Rückkehr der Liebe am Ende, geht Nathalie durch einige dunklere Perioden, vor allem durch eine Zeit der Trauer. Wie haben Sie Nathalies psychische Veränderung herausgearbeitet?

Stéphane: Im Drehbuch und im Storyboard haben wir drei unterschiedliche Phasen für Nathalie entwickelt. Mit dem Hair- und Make-up-Stylisten und den Setdesignern haben wir dann besprochen, wie das umgesetzt werden kann. Audrey war auch sehr involviert, beispielsweise bei der Wahl der Frisuren. David, der ohnehin ein Faible für Frisuren hat, und ich wollten, dass sie am Anfang des Films ihre Haare lang trägt. Wir plädierten für den hohen Pferdeschwanz als Symbol für Jugend und Unbekümmertheit, den man in der Eröffnungssequenz sieht.

David: Wir wollten die verschiedenen Phasen, die Nathalie durchläuft, nicht zu offensichtlich zeigen – also nicht einfach ihr Haar abschneiden, um zu zeigen, dass Zeit vergangen ist. Neben der Änderung des Stils im Laufe der Jahre fanden wir, dass ihr Äußeres auch ihre Geisteshaltung reflektieren muss. Das Auftauchen von Markus ruft bei Nathalie also leichte Veränderungen auch in Bezug auf ihre Kleidung und ihre Frisur hervor.

Das Licht wird sehr präzise eingesetzt. Hatten Sie spezielle filmische oder fotografische Vorbilder?

Stéphane: Wir haben viel mit unserem Kameramann Rémy Chevrin über Michel Gondrys Vergiss mein nicht! gesprochen. Uns gefällt vor allem Gondrys Annäherung an Gesichter, die Art, wie er mit natürlichem Licht spielt. Um Nathalies physische und psychologische Verwandlung zu zeigen, nutzte Rémy unterschiedliches Equipment, um subtil ihre Wandlung von anfänglichem Glück zu Trauer und dann, Stück für Stück, zurück ins Leben zu zeigen.

David: Wir haben sehr eng mit Rémy zusammengearbeitet. Unsere Vorbilder waren nicht immer spezielle Filmemacher, sondern bestimmte Szenen aus ihren Filmen. Zum Beispiel gefallen uns Xavier Dolans Zeitlupen sehr, ebenso die Nachtclubszene aus Black Swan, in der Nathalie Portman ganz aus sich herausgeht. Außerdem haben wir viel Zeit damit verbracht, Gemälde zu studieren wie auch Bücher über strukturalistische Architektur und insbesondere Erwin Olafs Fotografie.

Sie beide zeichnen sich für die Regie verantwortlich. Wie war Ihre Arbeitsteilung untereinander?

David: Wir ergänzen uns sehr stark. Ich habe die Geschichte und das Drehbuch geschrieben und bin fasziniert von den technischen Aspekten des Bildaufbaus und Schnitts. Während der letzten Jahre habe ich viel Zeit an Filmsets verbracht.

Stéphane: Für mich war es eine große Erleichterung, im Tandem zu arbeiten. Allein diesen Film zu drehen stand nicht zur Debatte, auch wenn ich mehr in das Business involviert bin als David. Als Autor des Buches ist er das Gewissen und das Sprachrohr hinsichtlich der Figuren und ihrer Psychologie. Bei jeder Frage zum Text konnte David also weiterhelfen. Da ich aus dem Castingbereich komme, habe ich mich mehr um die Schauspielerführung gekümmert.

Wie kam die Besetzung zustande?

David: Wir haben Audrey Tautou das Skript schon in einer sehr frühen Phase zum Lesen gegeben. Es war wie ein verrückter Traum. Wir wagten nicht zu hoffen, auch wenn wir davon überzeugt waren, dass sie die Richtige für die Rolle war.

Warum ist sie die Richtige?

David: Als ich das Drehbuch schrieb, sah ich sie auf der Bühne in Ibsens „Ein Puppenhaus“ und war überwältigt von ihrem Spiel – von der Kraft und Verletzbarkeit, die sie hervorbrachte, gepaart mit einer unglaublich „komischen“ Energie.

Stéphane: Ich habe eine besondere Verbindung zu ihr seit dem Casting für Pascale Baillys Dieu est grand, je suis toute petite. Ich kannte schon ihre Ausdrucksfähigkeit in sehr verschiedenen Bereichen, ihren Erfindungsreichtum, ebenso wie ihr Geschick darin, glaubwürdig zu bleiben, von der Kindfrau am Anfang bis zu der Frau, die vom Leben herausgefordert wird. Audrey war besorgt, dass so, wie sich die Geschichte entwickelt, ihre Figur spröde oder nicht liebenswert sein würde, aber das war nie der Fall.

Reden wir über die männlichen Rollen. Im Roman sprechen Sie von einer Mischung aus Pierre Richard und Marlon Brando, aber das würde Nathalies Ehemann François eher beschreiben als Markus, den Kollegen, der sich in sie verliebt.

David: Das stimmt. Für François brauchten wir jemanden, der so charmant ist, dass man den Rest seines Lebens mit ihm verbringen möchte und dessen verfrühter Tod völlig verstörend ist. Was Markus betrifft, so hatten wir anfangs keine Vorstellung, wer diesen ungewöhnlichen Schweden spielen könnte. Wir hatten ein paar Castingsitzungen mit schwedischen Schauspielern. Und dann erschien plötzlich François Damiens auf der Bildfläche.

Stéphane: Aus der Fülle der Gesichter stach seines immer wieder hervor.

David: Physisch war er perfekt für die Rolle. Ich hatte Befürchtungen, Damiens sei vielleicht zu extrovertiert, denn Markus ist schüchtern und diskret. Aber als wir ihn trafen, waren alle Zweifel beseitigt: Er war Markus!

Stéphane: Ich hatte Damiens gerade in Doillons Le premier venu besetzt. Er hat dort zwei Immobilienmakler-Szenen, die gleichzeitig komisch und furchterregend sind.

Seine Figur hat diesen Aspekt des Kindischen, den man auch in der Arbeit des polnischen Autors Gombrowicz findet.

David: Er hat etwas von dem Gogol-Charakter an sich. Er liest Cioran. Er vereint in sich diese groteske Zartheit von Figuren aus osteuropäischen Romanen, die mich stark beeinflussen. So liest Audrey Tautou auch ein Buch von Goncharow im Film.

Stéphane: Er ist zeitlos, wie eine Figur aus einem Kaurismäki-Film.

Pio Marmaï spielt François, den Ehemann.

David: Er ist perfekt. Er hat die erforderliche Zerbrechlichkeit, Süße, Zartheit und auch etwas „Tapsiges“. Als ich das Drehbuch schrieb, hatte ich ihn im Sinn, seine vitale Kraft, nachdem ich ihn in Rémi Bezancons C’est la vie – So sind wir, so ist das Leben gesehen hatte.

Stéphane: Er sieht gut aus und ist lustig, wie Patrick Dewaere und Pierre Richard in einer Person.

Und Bruno Todeschini?

Stéphane: Er hat eine große komödiantische Ausstrahlung, die meiner Meinung nach nicht genügend zum Einsatz kommt. Um diesen Gecken Charles zu spielen, der auch ein bisschen ein Loser ist, braucht man wirklich Distanz. Und das kann er. Ich glaube, viele werden von seiner Performance hingerissen sein.

David: Er spielt eine Figur, die leidet, eine undankbare Rolle. Er ist wie eine Karikatur, der Schlechte in der Geschichte. Aber ich wollte, dass er uns auch rührt. Bruno hat diese seltsame Balance perfekt hinbekommen. Wir sollten auch Mélanie Bernier erwähnen, die ich ebenfalls im Sinn hatte, als ich das Buch schrieb. Sie hat die große Fähigkeit, sich über sich selbst lustig zu machen. Und Joséphine de Meaux wollten wir um jeden Preis haben – schließlich sind wir große Fans der Filme von Olivier Nakache und Eric Toledano. Sie spielt Sophie, Nathalies beste Freundin. Übrigens die einzige Figur, die nicht im Buch vorkommt und die ich neu für sie erfunden habe.

Die Musik spielt eine eigene Rolle für die Atmosphäre des Films. Warum fiel Ihre Wahl auf Emilie Simon?

David: Ich wollte diese unglaubliche Musikerin von Anfang an dabei haben. Sie ist die Sängerin, die ich zur Zeit am meisten bewundere. Ich habe immer davon geträumt, sie mal zu treffen! Als Sängerin passt sie perfekt in die Welt von Nathalie küsst. Mir ihrer Arbeit übertraf sie sogar noch unsere Erwartungen. Sie schlug viele Songs vor. Eigentlich wollten wir gar nicht so viel Musik verwenden, aber jedes Mal, wenn sie uns etwas schickte, war es richtig und passte immer zu den Bildern – eine perfekte Übereinstimmung: Unser Film mit Musik von Emilie Simon!

Sie trauen sich, einige sehr lyrische Momente einzubringen, am Anfang und am Ende des Films, so als wollten Sie der Realität entkommen. Suchten Sie nach einer Möglichkeit, die Grenze zwischen Drama und Komödie aufzuheben?

Stéphane: Wir haben oft von einer „Dramödie“ gesprochen. Das Wort beschreibt diesen Wechsel zwischen den beiden Genres viel besser als der französische Ausdruck „comédie dramatique“. Der Ton ist bittersüß, sehr nah an dem von Davids Romanen. Die lyrischen Momente, wenn man sie so nennen will, entspringen der Lust am Filmemachen.

David: Es war wichtig, den Film zu machen, den wir im Kopf hatten. Das bringt natürlich ein paar Risiken mit sich, wie beispielsweise der Einstieg mit dem langen Voiceover. Abgesehen von der Mischung aus Komödie und Drama, die uns vorschwebte, wollten wir auch eine einfache Geschichte erzählen, akzentuiert mit Verrücktheit und Fantasie.

Die Szene mit dem ersten Kuss trifft einen sehr unerwartet, vor allem auch, weil wir in dieser Szene zum ersten Mal überhaupt François Damiens sehen, oder?

Stéphane: Das stimmt nicht ganz. Man sieht Markus schon vorher einmal, bei einem Meeting von Nathalie mit ihrem Team. Uns gefiel die Idee, einen Helden zu etablieren, der nach 30 Minuten eigentlich schon zum ersten Mal erscheint und dessen Gesicht der Zuschauer in seiner ersten Szene nicht einmal bewusst wahrnimmt.

David: Die Kussszene ist sicher die Schlüsselszene des ganzen Films. Ich kann mich an die enorme Erleichterung während des Drehs erinnern, als ich François Damiens’ fantastisches Augenrollen sah. Ich muss erwähnen, dass Audrey uns sehr geholfen hat. Wir hatten für den Tag eine spezielle Strategie entwickelt: Wir drehten zunächst ein paar zusätzliche Bilder, um die Kussszene etwas hinauszuzögern. François entspannte sich. Und dann, während einer Einstellung, als er es nicht mehr erwartete, küsste Nathalie ihn leidenschaftlich. Man spürt wirklich dieses Überraschungsmoment in der Szene.

Die letzte Szene im Garten von Nathalies Großmutter ist besonders bewegend. Wie haben Sie sie erarbeitet?

Stéphane: David hatte diese sehr kühne, lange Einstellung ins Drehbuch geschrieben, und einige im Team waren davon nicht hundertprozentig überzeugt. Wir haben viele Tests gemacht und viel geprobt. Dann, dank des Sets mit diesem zauberhaften Garten, passte alles: der Dreh mit der Steadycam, das Gespür der Schauspieler und die Musik von Emilie Simon – die Choreographie machte Sinn, und wir waren in der Lage, das umzusetzen, was wir uns vorgestellt hatten. ■ mz | Quelle: Concorde

OT: La Délicatesse
F 2011
Komödie
FSK: 0
109 min

mit
Audrey Tautou (Nathalie Kerr) Elisabeth von Koch
François Damiens (Markus Lundl)
Bruno Todeschini (Charles)
Mélanie Bernier (Chloé)
Joséphine de Meaux (Sophie)
Pio Marmaï (François)
Marc Citti (Pierre)
Alexandre Pavloff (Benoît)
u.a.

musik
Emilie Simon

kamera
Rémy Chevrin

drehbuch
David Foenkinos (nach dessen gleichnamigen Roman)

regie
David Foenkinos
Stéphane Foenkinos

produktion
2.4.7. Films
France 2 Cinéma
StudioCanal
Canal+
Ciné+
Banque Postale Image 4
Palatine Étoile 8
Panache Productions
La Compagnie Cinématographique Européenne

verleih
Concorde

Kinostart: 12. April 2012

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10.04.2012 | mz |
Kategorien: ohne