Montag, 19. August 2019

Marilyn Monroe sucht Schutz bei Colin Clark
© Ascot Elite

Trailer | IMDb | Filmseite | Soundtrack bei Spotify

Während in Los Angeles derzeit die Dreharbeiten zu Hitchcock, einem Film über die Dreharbeiten zu Psycho mit Anthony Hopkins in der Titelrolle, begonnen haben, kann man hierzulande nun sozusagen das Making of Der Prinz und die Tänzerin mit Kenneth Branagh als Laurence Olivier und Michelle Williams als Marilyn Monroe auf der Leinwand bewundern.

Anfang Sommer 1956 setzte der amerikanische Filmstar Marilyn Monroe zum ersten Mal Fuß auf englischen Boden. Während ihrer Flitterwochen mit dem gefeierten Dramatiker Arthur Miller kam Monroe auf die britische Insel, um den Film zu drehen. Im gleichen Sommer setzte der 23-jährige Colin Clark zum ersten Mal Fuß auf ein Filmset. Der frischgebackene Oxford-Absolvent wollte Filmemacher werden und fand beim sechsmonatigen Filmdreh einen Job als einfacher Produktionsassistent.

40 Jahre später bereitete er seine Erfahrungen in seinen im Tagebuchstil verfassten Memoiren auf: „The Prince, the Showgirl and Me“. Doch in seiner Darstellung fehlte eine Woche. Erst Jahre später enthüllte Clark den Grund. In der Fortsetzung seiner Memoiren mit dem Titel „My Week with Marilyn“ erzählte er die wahre Geschichte einer magischen Woche, die er allein mit dem größten Star der Welt verbrachte – Marilyn Monroe.

Auf teils komische, teils tragische Weise bietet My Week with Marilyn einen ungewöhnlich intimen Einblick in das Leben der Hollywoodikone, die eine kurze und emotionsgeladene Verbindung mit einem jungen Mann einging, der sie besser verstehen sollte als jeder andere.

»Für viele Leute ist Marilyn eher eine Ikone als eine Schauspielerin«, gibt Regisseur Simon Curtis zu. »Sie kennen ihre Filme bei weitem nicht so gut wie ihr Porträtfoto. Ich fand zu diesem Projekt, als ich mich in den ersten der beiden Memoirenbände Colin Clarks verliebte. Ich war früher selbst Regieassistent am Royal Court Theater, und ich fand es faszinierend, einen historischen Moment zu beleuchten.«

Das erste Buch berichtet von den unzähligen Problemen der Produktion, die fast ausschließlich aus Kommunikations- und Verständnisschwierigkeiten entstanden. Die Launen der Monroe, die ständig zu spät kam, verschlimmerten sich noch durch ihre Alkohol- und Medikamentensucht, während sich der stramme Traditionalist Olivier weigerte, ihre Eigenheiten und ihre Hingabe ans „Method Acting“, das sie unter der Anleitung von Paula Strasberg praktizierte, zu tolerieren.

Clarks Memoiren sind der anekdotische Bericht eines jungen Mannes, der Mäuschen spielte und so die nervenaufreibende Partnerschaft zwischen Olivier und Monroe miterlebte. Die Fortsetzung dagegen, „My Week with Marilyn“, fühlt sich wie ein intimes Geständnis an. Hier erinnert sich Clark liebevoll an eine zauberhafte Woche, die er mit der problemgeplagten Monroe auf einer Tour durchs englische Land verbrachte. Das Buch bietet einen der seltenen Blicke auf die Frau, die sich tatsächlich hinter ihrem sorgfältig konstruierten Image verbarg, unbeeinträchtigt von der hektischen Maschinerie des Startums.

Laut Curtis folgt die Geschichte des Films der gleichen Tradition wie der gleichermaßen subtile und populäre Lost in Translation: »Zwei Menschen treten zufälligerweise in eine gemeinsame Umlaufbahn ein, und zwischen beiden entsteht eine emotionale Beziehung, die sich zum Schluss wieder verflüchtigt, und das reizte mich«, so der Regisseur. »In der Geschichte klingt auch die moderne Faszination mit Prominenten deutlich an. Heute kann man mit Twitter die ganzen Details über das Leben von Stars erfahren, während das alles früher viel stärker kontrolliert wurde. Mir gefiel, dass uns Colin hinter die Kulissen führt.«

Für Curtis kam nur eine einzige Schauspielerin für die ikonenhafte Rolle in Frage – Michelle Williams, die zu diesem Zeitpunkt zwei Oscar®-Nominierungen zu verbuchen hatte: »Ich hatte ihre Arbeit immer bewundert und ich halte sie für eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation.

Ihre Leistungen in Brokeback Mountain und Blue Valentine waren ganz besonders brillant. Und sie ist genauso alt wie Marilyn Monroe 1956 war. Ich war begeistert, als sich herausstellte, dass Michelle an der Rolle interessiert war. Sie arbeitet und recherchiert unglaublich hart und es war unglaublich tapfer von ihr, dass sie sich an eine so ikonenhafte Rolle heranwagte.«

Wenngleich Williams offensichtlich nur eine einzige Frau darstellt, so gelang es ihr doch, drei verschiedene ‚Rollen’ einzufangen, die die Monroe spielte: den internationalen Filmstar, die verletzliche, unsichere Frau, die unter ihrem Mädchennamen Norma Jean Baker aufwuchs, und das Showgirl Elsie, die naive Titelheldin in Oliviers Film. Um dem Publikum einen authentischen Eindruck von Monroes Starpower zu vermitteln, drehte Curtis zwei Musicalnummern, die die Hauptgeschichte einrahmen.

Williams verzichtete auf Bodydoubles und Playback und nahm bereitwillig die Herausforderung an, ihre Gesangs- und Tanznummern selbst zu spielen. »Michelle kann wunderschön singen und tanzen«, so Curtis. »Sie stürzte sich voller Energie in die beiden Nummern.« Und das merkt man ihr auch an.

Auch wenn sie als „Off-Camera Marilyn“ eher wie Michelle Williams mit Perücke wirkt, so gelingt es ihr doch, die anderen beiden Seiten der Ikone gekonnt herüber zu bringen – die private Verletzlichkeit von Norma Jean und die tapsige Film-im-Film-Figur Elsie. Es wird eine Marilyn gezeigt, wie man sie bislang nur aus privaten und berichterstattenden Filmaufnahmen als auch Erzählungen kannte.

»Das, was Marilyn erwartet hatte, war das Gegenteil dessen, was tatsächlich eintrat, und das bescherte ihr in England nur Konflikte und Unglück«, erklärt Williams. »Sie war nach London gekommen, um mit dem renommiertesten Schauspieler ihrer Zeit einen Film zu drehen, in der Hoffnung, dass sie dadurch den verdienten und heiß ersehnten Respekt bekommen würde. Als sie ankam, fühlte sie sich jedoch falsch behandelt und nicht ernst genommen. Olivier verspottete sie und behandelte sie nicht mit der Aufmerksamkeit, auf die sie gehofft hatte. Sie hatte das Gefühl, dass sie Verbündete brauchte, und einen davon fand sie in Colin.«

Williams ist immer noch überwältigt vom Talent der Monroe, deren darstellerische Leistungen auch heute noch ganz modern wirken. »Sie sehnte sich danach, dramatische Rollen zu spielen. Aber mir ist sie in Komödien lieber, und in Der Prinz und die Tänzerin spielt sie den Rest der Besetzung an die Wand«, so Williams ganz offen. »Die anderen Darsteller wirken alle steif, manieriert, veraltet, unnahbar. Selbst aus heutiger Sicht ist nichts an ihrer Leistung veraltet und verblasst. Marilyn ist höchst real, in jedem Moment präsent und dabei wunderschön.«

Diese Schönheit unterstreicht Curtis mit der Musik von Alexandre Desplat, der das bezaubernde „Marilyn-Thema“ komponierte, das schließlich mit Conrad Popes Arrangement und Lang Lang am Klavier umgesetzt wurde. Am Ende des Films wünscht man sich, mehr Zeit mit der privaten Marilyn verbringen zu können. Doch so kurzweilig ihre Woche in England war, so ist auch ihr Aufenthalt im Kino. Aber das Gute am Kino ist ja, man kann Marilyn immer und immer wieder anschauen… ■ mz

OT: My Week with Marilyn
GB/USA 2011
Drama
FSK: 6
98 min

mit
Michelle Williams (Marilyn Monroe) Schaukje Könning
Eddie Redmayne (Colin Clark) Konrad Bösherz
Kenneth Branagh (Laurence Olivier) Martin Umbach
Dominic Cooper (Milton Greene) Robin Kahnmeyer
Judi Dench (Sybil Thorndike) Gisela Fritsch
Emma Watson (Lucy) Gabrielle Pietermann
Julia Ormond (Vivien Leigh) (Christin Marquitan)
Dougray Scott (Arthur Miller) (Jaron Löwenberg)
Zoë Wanamaker (Paula Strasberg) (Rita Engelmann)
Derek Jacobi (Owen Morshead) Rainer Gerlach
u.a.

musik
Conrad Pope
Alexandre Desplat

kamera
Ben Smithard

drehbuch
Adrian Hodges
nach den Büchern „My Week with Marilyn“ und „The Prince, the Showgirl and Me“ von Colin Clark

regie
Simon Curtis

produktion
The Weinstein Company
BBC Films
Lipsync Productions
Trademark Films
UK Film Council

verleih
Ascot Elite

Kinostart: 19. April 2012

http://ws.amazon.de/widgets/q?rt=tf_ssw&ServiceVersion=20070822&MarketPlace=DE&ID=V20070822%2FDE%2Fangelonemedia-21%2F8003%2Fd28c56c1-47f2-4e2d-a34d-01d08de03159&Operation=GetDisplayTemplate Amazon.de Widgets

16.04.2012 | mz |
Kategorien: ohne