Montag, 20. Mai 2019

Dr. Alfred Jones untermauert mit einer Skizze, warum im Jemen keine Lachse angesiedelt werden können.
© Concorde Filmverleih

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Was klingt wie ein Widerspruch in sich, hält einen jemenitischen Scheich nicht davon ab, es trotzdem zu wagen. Basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Paul Torday erzählt Lachsfischen im Jemen die märchenhafte Geschichte von einem Engländer, der im Jemen Lachse ansiedeln soll. Der mittlerweile vielfach preisgekrönte Simon Beaufoy (Ganz oder gar nicht, Slumdog Millionär) adaptierte die Geschichte für die Leinwand.

Mit einer großen Portion an feinstem britischen Humor und einem herrlichen Sinn für das Absurde, beweist dieser elegant zwischen Politsatire und Liebeskomödie balancierende neue Spielfilm von Schwedens Meisterregisseur Lasse Hallström (Gottes Werk und Teufels Beitrag, Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa), dass das Unmögliche immer möglich ist und eine spät erblühende Liebe manchmal die allerschönste Blüte hervorbringt.

Dr. Alfred Jones gilt als internationale Größe in Sachen Lachs- und Forellenzucht. Eines Tages wird der verklemmte britische Fischereiexperte von einer gewissen Harriet Chetwode-Talbot mit einem absurd klingenden Angebot konfrontiert: Ihr Auftraggeber, Scheich Muhammad ibn Zaidi bani Tihama, ein passionierter Fliegenfischer aus dem Jemen, möchte zum Wohl seines Heimatlandes nordeuropäische Lachse in den Wadis des Wüstenstaates ansiedeln. Hierbei soll ihn der britische Wissenschaftler unterstützen. Kosten spielen keine Rolle.

Anfangs verwirft Jones die Idee als komplett unlösbar. Aber die gewiefte Patricia Maxwell, Pressesprecherin des profilneurotischen englischen Premierministers, erfährt von dem aberwitzigen Vorhaben. Die mit allen Wassern gewaschene PR-Strategin erkennt sofort die Möglichkeit, die Medien von den aktuellen, äußerst unerfreulichen Nachrichten aus dem Nahen Osten abzulenken.

Schon bald muss Dr. Jones sich nun auf Befehl von höchster Stelle darüber den Kopf zerbrechen, wie er zehntausend schottische Lachse lebend in die Wüste bringen und dort in der sengenden Hitze die idealen Voraussetzungen zum Laichen schaffen kann. Zudem muss er bemerken, dass die Lachse noch lange nicht das größte Problem für ihn darstellen. Das nämlich sind die Frauen in seiner Umgebung…

Paul Tordays Romandebüt „Lachsfischen im Jemen“ erschien 2006, und begeisterte die Literaturkritiker mit seiner geistreichen Mischung aus Komödie, Drama, Liebesgeschichte und beißender politischer Satire. Als Produzent Paul Webster das Buch las, wusste er sofort, dass es auch auf der Leinwand funktionieren würde.

»Mir schien es, als ob ich den Film gleich nach der Lektüre des Romans drehen könnte«, sagt Webster. »Dieses schrullige Englischsein und die Mischung aus Romanze und knallharter politischer Satire begeisterte mich sofort. Außerdem gefiel mir dieser unverfrorene Schreibstil.«

Allerdings gab es ein Problem: Tordays Roman besteht ausschließlich aus E-Mails, Notizen und Briefen. Es gibt keine Nebenfiguren, die sich miteinander austauschen, und obwohl das Buch exzellent geschrieben ist, bestand für Simon Beaufoy nun die enorme Herausforderung darin, es für die Leinwand umzuarbeiten. Die Essenz des politischen Handlungsfadens aus dem Roman bleibt unangetastet, allerdings sind die Situationen und Umstände im Film nicht so eng an reale politische Ereignisse und Personen gebunden.

»Ich habe mich wirklich in das Buch verliebt«, sagt Emily Blunt. »Es besitzt einen solchen Charme und Witz und fängt immer ein, wie normale Menschen miteinander sprechen, und das ist sehr selten zu finden. Meistens sind die Sachen vollkommen klischeehaft dargestellt, besonders wenn es um eine Liebesgeschichte oder eine ungewöhnliche Beziehung zwischen zwei Personen geht.«

Wie der Titel der Geschichte bereits zeigt, ist Lachsfischen im Jemen ein Märchen über den Glauben an das Unmögliche. Für den jemenitischen Scheich im Mittelpunkt der Handlung ist der Lachs eine mystische Kreatur, dessen jährliche Wanderung vom Ozean zu einem Fluss ist für ihn eine Allegorie der Reise des Menschen zu spiritueller Vollkommenheit. Im Laufe der Geschichte wird die Denkweise des Scheichs auch zu der von Alfred, der anfängt daran zu glauben, dass das Unmögliche möglich werden kann. Und fast nebenbei entdeckt er auch zum ersten Mal die Liebe.

»Es geht ums Glauben. Anfangs fehlt Alfred dieses Glauben vollkommen«, erklärt Ewan McGregor. »Er ist ein ziemlich praktischer Typ. Alfred ist ein Fischereiwissenschaftler, und außerdem ist er ein sehr verkrampfter, zurückhaltender Mensch. Er hat ein College besucht, sich auf Meeresbiologie spezialisiert, und landete plötzlich in einem Job, in dem er sich nur noch mit Fischen beschäftigt. Er ist verheiratet, aber die beiden sind kein glückliches Paar. Seine Frau bezeichnet es als „funktionierende Ehe“, und ihre Szenen gemeinsam sind entsprechend traurig anzusehen.«

Die Figur des Alfred in Tordays Roman ist ein Mann in den Fünfzigern, aber Produzent Paul Webster hatte für seine filmische Adaption einen jüngeren Mann im Kopf, und er wollte von Anfang an am liebsten Ewan McGregor für die Rolle: »Ich glaube, in den kommenden Jahren kann er unser nächster Harrison Ford werden. Er besitzt alle Eigenschaften dafür, das Maskuline, den Charme, das gute Aussehen. Er ist ein fabelhafter Darsteller, egal ob in einem Drama oder einer Komödie und er besitzt ein untrügliches Gespür fürs Timing. Und ich finde, dies ist die beste Leistung, die er jemals abgeliefert hat.«

Als Gegenüber zu McGregors hoch geschlossenem Fischereiwissenschaftler suchten die Produzenten eine junge, lebhafte Schauspielerin, die sowohl im Drama als auch in der Komödie zuhause ist. »Emily Blunt war eine sehr leichte Entscheidung«, sagt Webster. »Sie passt perfekt in die Rolle der Harriet. Sie sollte etwas jünger als Alfred sein und sie ist eine geborene Komödiantin. Man musste sich wirklich anstrengen, Emily während der Dreharbeiten davon abzuhalten, ständig Grimassen zu schneiden und Witze zu reißen während der Dreharbeiten.«

»Sie spielt ein ziemliches sittenstrenges Mädchen«, fährt er fort, »aber sie hat dem Ganzen einen bestimmten Schliff gegeben, wie es jeder gute Schauspieler tun würde. Sie hat die Buchvorlage weiter ausgelegt und aus Harriet einen lockereren, unkonventionelleren Charakter erschaffen als es im Original vorgesehen war. Ich denke, die Geschichte wird dadurch umso besser. Sie ist ein Filmstar und bringt ihre ganz eigene Ausstrahlung mit ein. Echte Filmstars gehen nicht immer vollkommen in ihrer jeweiligen Rolle auf, sondern lassen ihre jeweilige Rolle strahlen, und das ist genau das, was Emily macht.«

Für die Rolle von Harriets Boss, des lachsverliebten Scheichs, suchte Webster einen arabischen Schauspieler: »Wir wollten nicht diese typischen Hollywood-Comedy-Besetzungen haben. Aber es stellte sich heraus, dass nur sehr wenige der etwas älteren Darsteller aus dem arabischen Raum bisher auf Englisch gedreht hatten, und wir brauchten unbedingt jemanden, der perfekt Englisch sprechen konnte. Der klassische Stil der arabischen Schauspielkunst ist außerdem sehr stark aufgetragen und ziemlich theatralisch, daher war es eine ziemliche Herausforderung, das zu umgehen. Daher begannen wir uns irgendwann nach jüngeren arabischen Schauspielern umzusehen.«

Die Rolle des Scheichs übernahm der ägyptische Superstar Amr Waked. Die Figur bildet eine weitere unverwechselbare Stimme, den weisen und witzigen Gentleman, dessen islamische Welt mehr mystisch als bösartig erscheint. Er verhilft der Geschichte zu einem gelegentlich sehr märchenhaften Grundton.

»Es ist so ein clever angelegtes Drehbuch, dank der Unvorhersehbarkeit, in der die Ereignisse stattfinden«, sagt Waked. »Man denkt, sie werden sich in eine bestimmte Richtung entwickeln, aber das stimmt nicht. Das ist ziemlich schlau und sehr unterhaltsam, besonders in unserer Branche, in der die meisten Geschichten schon einmal erzählt wurden. Und meine Rolle war wirklich ein Traum. Er betrachtet das Lachsfischen als eine Metapher für das Suchen nach Gott. Gegen den Strom zu schwimmen erscheint ihm wie die Reise des Menschen zu Gott. Der gute Gläubige ist jener, der aushält, und wenn er aushält, wird er in irgendeiner Weise belohnt werden. Es ist eine Geschichte mit vielen Schichten.«

»Amr ist ein Riesenstar in Ägypten und auch hier wurde er einfach hineingeworfen und war sofort schlichtweg brillant«, sagt Mitproduzentin Nicky Kentish-Barnes. Tatsächlich haben die Filmemacher inzwischen erkannt, dass viele der heute so erfolgreichen arabischen Geschäftsleute, die im Westen investieren, noch eher junge Männer sind. »Scheich Mansour zum Beispiel, dem Manchester City gehört, ist beispielsweise ein ganz junger Kerl«, fügt Webster hinzu. »Deshalb haben wir uns schließlich dafür entschieden, dass Amr der passende Mann ist. Außerdem ist Waked der „George Clooney des Orients“.«

Die Geschichte entfaltet sich an drei sehr unterschiedlichen Orten: London, den schottischen Highlands und den Wadis im Jemen. Da eine Reise in den Jemen nicht angeraten schien, suchte Webster Drehorte in Jordanien und Marokko und legte sich später dort auf die Region um Ouarzazate fest, eine bergige Gegend, die sehr „filmfreundlich“ war.

Webster erklärt: »Man sollte niemals mit Kindern oder Tieren arbeiten. Ich würde jetzt hinzufügen: auch nicht mit Wasser! Denn es gab sehr viel Wasser in diesem Film. Dabei hatten wir in Schottland mit dem Wasser keinerlei Probleme. Da war alles gut, und das Wasser benahm sich bestens.«

Die Schwierigkeiten der Produktion mit dem Wasser begannen erst in Marokko. »Dort gab es gleich eine erste Sturzflut. Unerwarteter Regen in den Bergen des Hohen Atlas führte zu einer Springflut, die unser ganzes Set wegriss«, führt der Produzent weiter aus. »Anschließend wurde alles ordnungsgemäß wieder aufgebaut – und von der nächsten Flut weggefegt. Glücklicherweise kamen die Flutwellen immer mitten in der Nacht, so dass niemandem etwas zustieß. Schließlich wurde sieben Tage, bevor die Schauspieler in Marokko eintreffen sollten, noch einmal alles von einer vier Meter hohen Wasserwand weggespült.«

Als die Produktion in Marokko eintraf und sich für die Dreharbeiten rüstete, gab es nirgendwo einen Tropfen Wasser. Webster: »Das ganze Wasser kam in den Fluten, aber es kam an der falschen Stelle und zur falschen Zeit. Es spülte einfach nur alles weg und ließ uns keine Zeit, unseren ursprünglichen Plan umzusetzen mit unserem eigenen Wasser. Es gibt eine Szene mit Alfred und Harriet, die gemeinsam im Fluss schwimmen. Tatsächlich schwimmen sie in einem Tümpel, der nur einen halben Meter tief ist, mehr Wasser konnten wir nicht bekommen!«

Trotz aller Hindernisse gelang es Hallström und den Produzenten, eine liebenswerte, märchenhafte Komödie hinzuzaubern, die durch die einzigartige Kombination von intelligenter Drehbuchadaption und der Chemie der Hauptdarsteller den Zuschauer in seinen Bann zieht. Als kleines Bonbon für Filmfreunde wurden auch immer wieder in Bezug auf den Namen von Ewan McGregors Filmfigur witzige Anspielungen auf „Indiana Jones“ eingewebt. Und Fans der Serie Spooks – Im Visier des MI5 dürfen sich am Ende auf ein Wiedersehen mit Hugh Simon („Malcolm“) freuen. (Ist bestimmt auch kein Zufall, denn beide Produktionen stammen von der Produktionsfirma Kudos.)

»Man kann es gar nicht leicht definieren«, sagt Lasse Hallström. »Es ist das echte Leben, das richtige Menschen ehrlich zeigt, und wenn man ehrlich sein möchte, muss man im Film eben die komödiantischen und auch die dramatischen Momente zeigen. Es ist keine Drama-Komödie, es ist eine Mischung aus Liebesgeschichte, Märchen, Drama und Komödie.« ■ mz

OT: Salmon Fishing in the Yemen
GB 2011
Komödie
FSK: 6
104 min

mit
Ewan McGregor (Dr. Alfred Jones) Philipp Moog
Emily Blunt (Harriet Chetwode-Talbot) Bianca Krahl
Amr Waked (Scheich Muhammed) Jaron Löwenberg
Kristin Scott Thomas (Patricia Maxwell) Christin Marquitan
Tom Mison (Capt. Robert Mayers) Peter Lontzek
Rachael Sterling (Mary Jones) Katrin Zimmermann
Conleth Hill (Bernard Sugden) Frank Röth
Tim Plester (Mace)
Clive Wood (Tom Price-Williams) Christian Gaul
Hugh Simon (Brian Fleet) Helmut Gauß
u.a.

musik
Dario Marianelli

kamera
Terry Stacey

drehbuch
Simon Beaufoy
basierend auf dem Roman von Paul Torday

regie
Lasse Hallström

produktion
BBC Films
Lionsgate
UK Film Council
Kudos Film and Television
Davis Films

verleih
Concorde

Kinostart: 17. Mai 2012

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15.05.2012 | mz |
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