Montag, 19. August 2019

Die unermüdliche Schutztruppe:
Jazz Vilá, Andros Perugorría, Jorge Molina, Eliecer Ramírez, Alexis Díaz de Villegas
© Kinostar

Trailer | IMDb | Filmseite

Witzig, blutig und respektlos lässt der Regisseur Alexander Brugués seine Zombies auf den letzten Außenposten des Kommunismus los. Juan of the Dead sorgte weltweit für Aufsehen und wurde auf den Filmfestivals von Toronto, Sitges, Rio, Miami und Havanna vom Publikum gefeiert. Auch zuletzt bei den Fantasy Filmfest Nights sorgte die abstruse Komödie für Euphorie unter den Verehrern.

Eigentlich ist Juan mit seinem Leben zufrieden. Zwar ist der Mittvierziger geschieden, hat Probleme mit seiner erwachsenen Tochter und hält sich hauptsächlich mit Nebenjobs über Wasser, aber davon lässt er sich längst nicht die Laune verderben. Und so nimmt Juan auch den Ausbruch einer Zombieplage auf Kuba mit stoischer Gelassenheit hin.

Das Staatsfernsehen redet von Dissidenten(!) und ist sich sicher: Das Unheil kommt mal wieder aus Amerika. Während die Untoten Havanna überrennen, bringt ihn sein angeborener Geschäftssinn vielmehr auf die Idee, zusammen mit seinem Kumpel Lazaro ein Dienstleistungsgewerbe unter dem Motto „Wir töten Ihre Liebsten“ aufzuziehen, und damit zahlenden Kunden bei Problemen mit der infizierten Verwandtschaft aus der Bredouille zu helfen.

Schon bald blüht das Geschäft und Juans zusammengewürfelte Abwehrtruppe bekommt alle Hände voll zu tun. Dazu gehören neben seinem beschränkten Kumpel Lazaro und seiner heißblütig-hübschen Tochter sein etwas ungebildeter Bruder, der sich Vladi California nennt, der (der Name sagt alles) natürlich von einem Leben in den USA träumt. Das Einzige, das ihn davor abschreckt, ist die Tatsache, dort arbeiten zu müssen.

Hinzu kommen der stereotype Transvestit La China samt kolossalen Beschützer El Primo, der zwar ein Schrank von Mann ist, jedoch ironischerweise bei dem kleinsten Anzeichen von Blut ohnmächtig wird und den Rest des Films mit Augenbinde umherstolpert, sowie die hübsche Sara, auf die Lazaro nicht nur ein Auge geworfen hat.

─ Statement des Regisseurs ─

Bei Juan of the Dead handelt es sich um eine Zombiekomödie – eine Bezeichnung, die sich erst in den letzten Jahren in dieser Form etabliert hat, da gerade diese beiden Genres durch ihren gemeinsamen Subtext perfekt miteinander harmonieren. Schon als Kleinkind war ich ein großer Verehrer des Zombiefilms (und ja, Zombiefilme haben Verehrer, keine Fans!). Sam Raimis Tanz der Teufel war damals der zweite Film, den ich mir in meinem Leben gekauft habe. Seitdem schlägt mein Herz für die Untoten. Die Idee für meinen eigenen Zombiefilm war also nur noch eine Frage der Zeit.

Den Impuls zu „Juan“ bekam ich ganz einfach durch das Beobachten meiner Umwelt: Kuba. Eines Tages stellte ich mir dann die Frage: sind wir wirklich so anders als Zombies? Mal abgesehen davon bereitet sich Kuba seit den letzten fünfzig Jahren auf eine Konfrontation mit den USA vor… Was wäre also, wenn diese Konfrontation aus Zombies bestünde?

Im Grunde gibt es für Kubaner drei Strategien, um mit Problemen fertig zu werden. Entweder sie versuchen, aus diesen Profit zu schlagen, oder aber sie arrangieren sich damit und machen so weiter wie bisher. Falls jedoch beides misslingt, so ergreifen sie die Flucht und stürzen sich in die Fluten.

Ein Land voller Zombies – das macht es dem Kubaner natürlich nicht gerade einfach. Über die Jahre sind wir ja alle irgendwie zu Zombies geworden… Jedenfalls habe ich auf diesem Weg einen Hauptdarsteller gefunden, der eine neue Perspektive einnimmt, der sich hinstellt und sagt: „Ich lasse das nicht zu! Das ist mein Land. Ich liebe es und ich werde es bis zum bitteren Ende verteidigen" – Nun ja, so klingen seine Worte natürlich erst, nachdem er versucht hat seinen Geldbeutel ein bisschen aufzubessern.

In Juan of the Dead geht es mir also darum, eine durch und durch abgedrehte Komödie zu schaffen, mit typisch kubanischen Charakteren, voll von Action und Abenteuer. Ein Film der schockt, der einen so mitnimmt, dass man fast von der Stuhlkante fällt, der einem aber auch gleichzeitig vor Augen führt, wer wir wirklich sind.

Neben einem spektakulären Setting zeigt der Film auch weniger realitätsferne Geschehnisse – Hunderte von Menschen die sich ins Meer werfen und sich auf Floße und treibende Autos retten, oder Busse die mit Gewalt Botschaftsgebäude rammen… Das sind alles Dinge, die ich (neben unseren tagtäglichen Gebrechen, Zweifeln, und Reflektionen) mit eigenen Augen gesehen habe. Letzten Endes ist jedoch das Wichtigste, dass ich mir mit Juan of the Dead einen Kindheitstraum erfüllen kann, nämlich den Zombiefilm zu schaffen, den ich damals schon immer sehen wollte und das macht die ganze Sache wertvoller als alles was ich bis dato geschaffen habe.

Neben sämtlichen Zombieklischees, die nacheinander abgearbeitet werden, kann der Film jedoch mit der außergewöhnlichen Ausgangssituation punkten als auch mit den herrlich bescheuerten Filmfiguren, die zwar (wie kann es anders sein) nacheinander „zum Feind überlaufen“, zwischenzeitlich aber das blutrünstige Publikum hervorragend unterhalten. Offenbar scheint der Film jedoch um 4 Minuten gekürzt in die deutschen Kinos zu kommen, was die Jugendfreigabe ab 16 erklärt. ■ mz

OT: Juan de los Muertos
C/E 2011
Horror/Komödie
FSK: 16
92 min

mit
Alexis Díaz de Villegas (Juan) Frank Röth
Jorge Molina (Lazaro)
Andrea Duro (Camila)
Andros Perugorría (Vladi California)
Jazz Vilá (La China)
Eliecer Ramírez (El Primo)
Antonio Dechent (Father Jones)
Blanca Rosa Blanco (Sara)
u.a.

musik
Julio de la Rosa

kamera
Carles Gusi

drehbuch
Alejandro Brugués

regie
Alejandro Brugués

produktion
La Zanfoña Producciones
Producciones de la 5ta Avenida

verleih
Pandastorm

Kinostart: 12. April 2012

08.04.2012 | mz |
Kategorien: ohne