Mittwoch, 22. Mai 2019

Leonardo DiCaprio als J. Edgar Hoover
© Warner Brothers

Trailer | IMDb | Filmseite

J. Edgar Hoover war eine komplexe, mitreißende Persönlichkeit, die Amerika in ihrem Bann hielt und deren Vermächtnis auch heute noch in den Fluren jenes FBI-Gebäudes zu spüren ist, das nach ihm benannt wurde. Er beschleunigte die Einführung der modernen Forensik und schuf ein System von Bundesgesetzen, die die USA auf vielfältige Weise veränderten – was bis in die Gegenwart nachwirkt.

Er wurde gefürchtet und verehrt, war ein Mann der Gegensätze, dessen öffentliches und privates Leben Gerüchte und Anspielungen provozierte. Doch weil er seine eigenen Geheimnisse eisern zu wahren wusste, sind wir in Bezug auf sein Leben nach wie vor weitgehend auf Spekulationen angewiesen.

Regisseur Clint Eastwood ist unter Hoovers Herrschaft aufgewachsen. Ihn reizte es, diese Persönlichkeit zum Thema eines Films zu machen: »Hoover war ein Spitzen-Cop oder „G-Man“, wie man sie damals nannte. Aber ich wusste kaum etwas über ihn. Er sonnte sich im Licht der Öffentlichkeit, ließ sich auf Partys mit Filmschauspielern und berühmten Autoren fotografieren, aber viele Aspekte seiner Persönlichkeit bleiben rätselhaft.«

Dustin Lance Blacks Charakterstudie Hoovers spielt mit den Aspekten, die über den Revolutionar der Verbrechensbekämpfung bekannt sind, ohne jedoch in irgendeine Richtung tiefer zu gehen. Seine Homosexualität, die er wegen der damaligen Verpöntheit als auch wegen seiner Position in der Gesellschaft offensichtlich in privaten Gemächern auslebte, wird heruntergespielt. Selbst ein Kuss, den ihn sein Freund im Privaten aufdrängt, wimmelt er ab, als wenn die Filmkamera, die diese Szene aufnimmt, das Idol Hoover zerstören könnte.

Weniger vorsichtig war Eastwood beim Einsatz von Bauten und Kostümen, die bis ins kleinste Detail ausgefeilt waren. Ein großes Plus, aber auch gleichzeitig Manko, waren die Masken der Hauptdarsteller. Während die Masken von Leonardo DiCaprio und Naomi Watts größtenteils gelungen sind, kann man bei der so ziemlich unrealistisch wirkenden Alterung Armie Hammers nur den Kopf schütteln. Solche Masken wurden vor 20 Jahren gefertigt! Vielleicht ist Eastwood in diesem Punkt nicht ganz up to date…

Und auch sonst kann der Film nicht vor seiner Länge gerettet werden. Mit gefühlten vier Stunden Laufzeit ist der Film einer der unspektakulärsten, langweiligsten und uninteressantesten Filme des einstigen „Dirty Harry“, der immer mehr zur Karikatur verbraten wird. Als Nächstes wird Eastwood jedenfalls wieder vor der Kamera stehen. Neben Amy Adams (Die Muppets) und Matthew Lillard (The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten) übernimmt der mittlerweile fast 82-jährige die Hauptrolle in dem Drama Trouble with the Curve. Nach J. Edgar hat Clint Eastwood auf jeden Fall Schwierigkeiten, die Kurve zu kriegen. ■ mz


OT: J. Edgar
USA 2011
Drama
FSK: 12
137 min

mit
Leonardo DiCaprio (J. Edgar Hoover) Gerrit Schmidt-Foß
Naomi Watts (Helen Gandy) Claudia Lössl
Armie Hammer (Clyde Tolson) Sascha Rotermund
Dermot Mulroney (Colonel Schwarzkopf) Charles Rettinghaus
Ed Westwick (Agent Smith) Stefan Günther
Judi Dench (Anne Marie Hoover) Gisela Fritsch
Stephen Root (Arthur Koehler) Walter von Hauff
Josh Lucas (Charles Lindbergh) Thomas Nero Wolff
Eric Matheny (Arzt) Patrick Schröder
Zach Grenier (John Condon) Thomas Schüler
u.a.

musik
Clint Eastwood

kamera
Tom Stern

drehbuch
Dustin Lance Black

regie
Clint Eastwood

produktion
Imagine Entertainment
Malpaso Productions
Wintergreen Productions

verleih
Warner Brothers

24.01.2012 | mz |
Kategorien: ohne