Montag, 20. Mai 2019

Asa Butterfield, Chloë Grace Moretz
© GK Films/Jaap Buitendijk

Trailer | IMDb | Filmseite

► Shop | Soundtrack CD

Oscar®-Preisträger Martin Scorsese gilt weltweit als einer der wichtigsten, einflussreichsten und renommiertesten Filmemacher des späten 20. Jahrhunderts und prägte wie kein Zweiter das moderne amerikanische Kino. Als Altmeister des New-Hollywood-Kinos setzte er durch seine einzigartige Filmsprache und seinen unnachahmlichen Erzählstil neue Maßstäbe und hat mit Meisterwerken wie Taxi Driver, Goodfellas, Departed oder Shutter Island längst seinen Platz in der Filmgeschichte eingenommen.

Immer auf der Suche nach neuen Erzählwegen, hat der Visionär und Pionier mit der Verfilmung von Hugo Cabret nun sein Herzensstück realisiert und lädt zu einer spannenden Reise in eine magische Welt ein. Mit der Inszenierung des preisgekrönten Kinderbuches „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ realisiert Martin Scorsese nicht nur seinen ersten 3D-Film, sondern verwirklicht seine persönliche Hommage an die Filmgeschichte. Nach ►The Artist ist Hugo Cabret ein weiterer Film, der das Kino zelebriert – diesmal jedoch gehen wir weiter zurück, in die Zeit der Anfänge des Kinos.

Das Stereoskopieverfahren, das erstmals durch James Cameron in ►Avatar – Aufbruch nach Pandora zum imposanten Einsatz kam, bot für Scorsese den idealen Weg, die neuen Möglichkeiten des dreidimensionalen Erzählens vollends auszunutzen. Zudem lobte James Cameron seinen Kollegen, dass der Einsatz der 3D-Effekte in Hugo Cabret jetzt schon zu den besten der Filmgeschichte gehöre. Mit seiner einzigartigen Kombination von Kenntnisreichtum und Beobachtungsgabe verwandelt Scorsese Hugo Cabret in ein filmhistorisches Meisterwerk. Inzwischen steht der Film in der IMDb auf Platz 200 der besten Filme aller Zeiten!

Paris, 1931. Tausende Menschen eilen täglich durch die große Halle des Pariser Gare Montparnasse, und sie alle haben noch nie einen Gedanken daran verschwendet, wer eigentlich dafür sorgt, dass die ganzen Bahnhofsuhren immer auf die Minute richtig gehen. Sie wären sicher höchst überrascht, wenn sie erführen, dass ein zehnjähriger Junge namens Hugo Cabret diesen Job macht.

Sein Essen stiehlt er von den verschiedenen Verkaufsständen und ist dabei ständig auf der Hut vor dem Stationsvorsteher, der ausgesprochen wenig von räuberischen, elternlosen Herumtreibern in seinem Bahnhof hält. Von seinem Geheimversteck aus beobachtet Hugo das bunte Treiben im Bahnhof und schaut zu, wie die Ladenbesitzer ihren Geschäften nachgehen: die Blumenverkäuferin Liselle, der Zeitschriftenhändler Monsieur Frick, die Cafébesitzerin Madame Emilie und der Antiquar Labisse.

Auf einen hat es Hugo aber ganz besonders abgesehen: auf Monsieur Georges. Der alte Mann, gebeugt, kahlköpfig und stets schlecht gelaunt, betreibt einen Laden, in dem sich aller mögliche Krimskrams findet, vor allem aber mechanische Spielzeuge, die Georges selbst baut und repariert. Monsieur Georges’ Laden ist für Hugo eine Fundgrube für Ersatzteile – für die Bahnhofsuhren, aber auch für sein Geheimprojekt: einen menschenähnlichen Automaten aus Metall, den Hugo und sein Vater zu dessen Lebzeiten wieder funktionstüchtig machen wollten.

Als Hugo eines Tages erwischt wird, beginnt das größte Abenteuer seines Lebens. Was hat der Automatenmensch mit Monsieur Georges zu tun? Warum trägt dessen Nichte einen Schlüssel um ihren Hals, der ins Schloss des Automatenmenschen passt? Hugo und die neugierige Isabelle gehen auf eine Schnitzeljagd, bei der Hugo dem Stationsvorsteher entkommen muss, um nicht im Waisenhaus zu landen, und Monsieur Georges’ Erbe entdeckt werden muss…

Produzent Graham King erklärt, wie die zunächst vielleicht doch unerwartete Kombination von Scorsese und Hugos Geschichte zusammenpasst: »Scorseses Filme haben immer eine ganz bestimmte Sinnlichkeit gehabt, und das gilt für Hugo Cabret ganz genauso. Die ungeheure Vorstellungskraft und die großartigen schauspielerischen Leistungen – all das findet man auch hier. Der einzige Unterschied ist, dass sich dieser Film nicht in erster Linie an ein erwachsenes Publikum richtet, sondern an alle Altersgruppen.«

Scorsese erzählt: »Als ich das Buch zum ersten Mal las, ahnte ich noch nicht, dass sich der ältere Herr im Spielzeugladen als Georges Méliès entpuppen würde. Dabei ist es eine wahre Geschichte. Er war pleite, und er arbeitete 16 Jahre lang in einem Spielzeugladen im Gare Montparnasse.«

Ben Kingsley erklärt. »Wir haben die Geschichte in dem Punkt nur minimal verändert. Es wurde tatsächlich allgemein angenommen, dass Méliès in den Jahren des Weltkriegs gestorben war, dabei hatte er sich nur in den Laden zurückgezogen. Wir haben dies alles anhand von alten Fotos und Berichten von Leuten, die ihm nahestanden, rekonstruieren können. Ich finde es sehr charmant, wie uns hier die Historie ganz sanft geleitet hat.«

Wann immer es darum ging, einen von Méliès’ Filmen direkt in Hugo Cabret zu zitieren, gaben sich die Filmemacher allergrößte Mühe, alle Aspekte des Films mit der größtmöglichen Authentizität nachzubilden: das Aussehen der Darsteller, ihre Bewegungen, die Kostüme, die Beleuchtung und die Spezialeffekte. Die Einstellungen wurden Bild für Bild minutiös nachgestellt.

Méliès musste seinerzeit nach der Methode des „trial and error“ verfahren: Er filmte eine Szene, er ließ den Film entwickeln und schneiden, schaute ihn sich dann an – und erst dann war klar, ob eine Sache funktioniert hatte oder nicht. Der für die visuellen Effekte verantwortliche Rob Legato dagegen konnte auf bewährte Techniken zurückgreifen, um für Scorsese Kinomagie zu erzeugen, insbesondere in einer extrem aufwendigen Szene, in der eine Lok über den Prellbock hinausschießt, durch die Bahnhofshalle rast und schließlich durch eines der riesigen Glasfenster hindurch auf die Straße vor dem Bahnhof kracht.

Genau so ein Unfall passierte tatsächlich im Gare Montparnasse am 23. Oktober 1895. Das eindrucksvolle Foto der Lok auf der Straße, deren Anhänger noch im Fenster des Bahnhofs feststecken, nahm Legato als Ausgangspunkt für seine Arbeit. Er erzählt: »Ich hatte gleich das Gefühl, wir sollten die Szene mit Miniaturmodellen fotografieren. Damit hatte ich bei Titanic und bei Apollo 13 sehr gute Erfahrungen gemacht. Danach ließen wir den Zug und das Fenster im Maßstab 1:4 nachbauen, setzten das Ding in Bewegung, und das Ganze spielte sich ziemlich genau so ab wie damals, selbst die verknotete Endposition des Zuges war dieselbe wie auf dem historischen Foto.«

Einige Szenen wurden jedoch an realen Schauplätzen gedreht. Das Museum, in dem wir Jude Law als Hugos Vater bei der Arbeit sehen, steht allerdings nicht in Paris, sondern es handelt sich dabei um das Londoner Victoria & Albert Museum. Das Kino dagegen, das Isabelle und Hugo besuchen, ist ein echtes historisches Pariser Kino, dessen Eingangshalle für die Szene mit Plakaten für alte Stummfilme und Filme, die tatsächlich 1930 und 1931 in Paris zu sehen waren, geschmückt wurde.

Das Pariser Theater, in dem am Schluss die große Gala für Georges stattfindet, ist in Wirklichkeit ein historischer Hörsaal der Pariser Sorbonne im Quartier Latin im 5. Arrondissement. Die Szene, in der der junge Méliès zusammen mit Jeanne den Zaubertrick der schwebenden Jungfrau aufführt, wurde im Pariser Athénée Théâtre Louis-Jouvet gedreht, als Vorbild diente dabei ein altes Veranstaltungsplakat, das so originalgetreu nachgestellt wurde, dass Kostümbildnerin Sandy Powell sogar noch das Innenfutter von Jeannes Rock, das beim Schweben zu sehen ist, von Hand nachfärbte.

Ob es nun die Kostüme, die Ausstattung oder die Bauten sind: Das Paris des Jahres 1931 lebt in allen Teilen von Hugo Cabret. Auch die Filmmusik von Howard Shore ist eine Liebeserklärung an die französische Kultur der damaligen Ära und an die Frühzeit des Kinos: »Ich wollte, dass die Musik jeweils dieselbe Tiefe hat wie das dazugehörige Bild – die perfekte Verbindung von Licht und Klang.«

Hugo Cabret ist Scorseses Verbeugung vor dem Kino und des Filmpioniers Méliès. Es ist eine Art Geschichtsstunde mit einer spannend unterhalsamen Geschichte für Jung und Alt, die den Zuschauer für zwei Stunden in das Paris der 1930er Jahre entführt. Der 14-jährige Hauptdarsteller Asa Butterfield (Der Sohn von Rambow, ►Der Junge im gestreiften Pyjama und The Wolfman) trägt den Film mit seinen großen Augen und seinem souveränen Schauspiel und ist ein ehrwürdiger Gegenspieler zu Altmeister Ben Kingsley und dem sehr eindringlichen Sacha Baron Cohen. ■ mz

OT: Hugo
USA 2011
Drama/Kinderfilm
FSK: 6
126 min
3D

mit
Asa Butterfield (Hugo Cabret) Manuel Scheuernstuhl
Ben Kingsley (Georges Méliès) Peter Matic
Chloë Grace Moretz (Isabelle)
Sacha Baron Cohen (Stationsvorsteher)
Ray Winstone (Onkel Claude)
Emily Mortimer (Lisette)
Christopher Lee (Monsieur Labisse)
Helen McCrory (Mama Jeanne) Carin C. Tietze
Michael Stuhlbarg (Rene Tabard)
Jude Law (Hugos Vater) Philipp Brammer
u.a.

musik
Howard Shore

kamera
Robert Richardson

drehbuch
John Logan
basierend auf dem Buch „The Invention of Hugo Cabret“ von Brian Selznick

regie
Martin Scorsese

produktion
Paramount Pictures
GK Films
Infinitum Nihil

verleih
Paramount

23.02.2012 | mz |
Kategorien: ohne