Mittwoch, 24. Juli 2019

Kenny Bostick (Owen Wilson), Stu Preissler (Steve Martin) und Brad Harris (Jack Black)
© 20th Century Fox

Trailer | IMDb | Filmseite

Brad, Kenny und Stu stehen an kritischen Punkten ihres Lebens: Der eine steckt in der Midlifecrisis, der andere kämpft mit dem Alter und der nächste damit, dass er gar kein Leben besitzt. Brad ist leidenschaftlicher Hobbyornithologe und hört sich auf seinem MP3-Player eher Vogelstimmen statt Rockmusik an. Um aus seinem tristen Alltagsleben zu entfliehen, beschließt er, ein sogenanntes „Big Year“ durchzuführen, bei dem man innerhalb eines Kalenderjahres so viele Vogelarten wie möglich beobachten muss.

Rekordhalter mit 732 Vogelarten ist Kenny Bostick, der es noch einmal versuchen will, damit ihm ja niemand den Rekord streitig machen kann. Seine Frau ist davon nicht so begeistert. Sie will lieber ein Kind bekommen und eine Familie gründen – nicht so einfach, wenn der Ehemann das ganze Jahr über auf Achse ist. Sie beschließt daraufhin, das Haus zu renovieren, und hofft, dass Kenny zum Befruchtungstermin anwesend ist.

Auch Stu hat ein Problem – seine Firma, die ihn nicht loslassen will. Er will endlich seinen Ruhestand genießen und ihn mit einem „Großen Jahr“ beginnen. Geld spielt bei ihm, im Gegensatz zu Brad, keine Rolle. Jet und Hubschrauber stehen ihm rund um die Uhr zur Verfügung. Seine Familie steht, im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern, jedoch hinter ihm.

Während des Jahres treffen die Drei immer wieder auf- und aneinander, und Brad und Stu freunden sich sogar an. Aber je länger das Jahr fortschreitet, umso mehr wird den Beteiligten klar, dass eigentlich der Weg das Ziel ist. Sie befinden sich sozusagen auf ihrem ganz persönlichen „Jacobsweg“, der ihr Leben von Grund auf durchschüttelt…

Die Schauspieler sind sich mit David Frankel darüber einig, dass es in Ein Jahr vogelfrei! nicht nur ums Vogelbeobachten geht. Der Regisseur vermerkt zudem, dass Vogelbeobachten und Filmemachen gewisse Parallelen aufweisen: Beides sind närrische Reisen. »Während wir den Film drehten, hatten wir tatsächlich das Gefühl, ein Big Year zu erleben«, erzählt er.

Der Drehplan war mörderisch. Es galt, über 270 Szenen an über 100 Schauplätzen innerhalb von 55 Tagen auf Film zu bannen. »Von unserer ersten Drehortbesichtigung am Yukon bei rund 28 Grad minus bis zu unserem letzten Drehtag in Florida bei 44 Grad plus war es ein langer, harter Weg«, weiß Produzentin Karen Rosenfelt. Frankel fügt hinzu: »Ich glaube, man sieht in unserem Film, was es heißt, wenn diese Vogelbeobachter ein Jahr lang unterwegs sind.«

Einer der exotischsten Schauplätze, an dem gedreht wurde, war das Yukon-Territorium im äußersten Nordwesten Kanadas. Das kleinste kanadische Territorium grenzt im Norden an Alaska, im Osten an die Nordwest-Territorien und im Süden an die Provinz British Columbia an. Die Produktionslastwagen brauchten vier Tage, um die Strecke von Vancouver zum Yukon zu bewältigen, während die Schauspieler und das Team von Vancouver nach Whitehorse flogen und dafür zweieinhalb Stunden benötigten. Von dort aus ging es per Bus sechs Stunden nach Dawson City weiter, jener Stadt, die in den 1890er Jahren durch den Klondike-Goldrausch berühmt wurde.

In Ein Jahr vogelfrei! steht Yukon für Attu Island, jene „heilige“ Insel der Vogelbeobachter, die am westlichsten Zipfel der Alëuten-Kette liegt. In Dawson City, dessen Einwohnerzahl je nach Jahreszeit zwischen 900 und 1.800 Menschen schwankt, bedeuteten die 120 Crewmitglieder einen enormen Bevölkerungszuwachs. Gedreht wurde hier im Juni.

Der Dreh am Yukon bot Chefkameramann Lawrence Sher die einmalige Gelegenheit, einmal 24 Stunden zu drehen, ohne je wirklich auf natürliches Licht verzichten zu müssen. »Bei aller Unordnung, bei allem Kontrollverlust, der damit einhergeht, wenn die Sonne nie wirklich versinkt und das Wetter sich laufend ändert, hat es doch etwas Magisches, hier zu arbeiten«, erinnert sich Sher.

»Bei Ein Jahr vogelfrei! hatten wir über 100 verschiedene Drehorte«, lacht Produktionsdesigner Brent Thomas. »Das zog natürlich gewisse logistische Probleme nach sich. Wie schafft man das alles in nur 55 Tagen?« Zu verschiedenen Zeiten des Drehs arbeiteten bis zu 80 Leute des Ausstattungsteams gleichzeitig an fünf verschiedenen Sets.

Als die Dreharbeiten im Yukon-Territorium beendet waren, kehrte das Team nach British Columbia zurück, nach Osoyoos im Okanagan-Tal, wo die einzige Wüste Kanadas zu finden ist. Hier wurden jene Szenen „gedoubelt“, die in Arizona und Kalifornien spielen sollten. Darüber hinaus wurde auch noch in Whistler, Vancouver, Tofino, einem kleinen Dorf an der Westküste von Vancouver Island, in New York City, im kalifornischen Joshua Tree sowie in den Everglades und auf den Keys von Florida gefilmt.

Bei der prominenten Besetzung, die Frankel der Beliebtheit seiner drei Hauptdarsteller verdankt, hat die Natur es nicht so leicht, in der Gunst des Publikums Fuß zu fassen. Doch trotz der vollgepackten Handlung mit ihren Seitensträngen gelang es dem Filmteam, einige beeindruckende Naturschauspiele einzufangen, als auch viele verschiedene, auch seltene Vogelarten vor die Kameralinse zu bekommen.

Der Film begeht eine Gratwanderung zwischen Komödie und Naturfilm und kombiniert beides, wenn z.B. Brad, der alle Vogelarten an ihrem Zwitschern erkennt, Bostick beim Nachahmen erwischt und sich in die niedliche Ellie verknallt, die erstaunlich akkurat Vogelstimmen imitieren kann. Diese Liebesgeschichte ist einer der Anker, der den Film davor rettet, als billige Roadmovie-Komödie abzudriften.

Hinzu kommt ein stimmungsgeladener Soundtrack mit Musik von Coldplay, Django Reinhardt, den Eels als auch von Steve Martin selbst, unterstrichen vom klassischen Score von Theodore Shapiro und Alexandre Desplat. Ein Jahr vogelfrei! ist eine liebenswürdige Unterwegs-Komödie mit einem erfrischend originellen Thema, die nicht nur Vogelfreunde begeistert. Im Original wird übrigens gesagt, dass es nicht „Vögel beobachten“ (Bird watching) heißt, sondern „Vögeln“ (Birding) – ein kleiner Übersetzungsgag, der im Original natürlich nicht funktioniert. ■ mz

OT: The Big Year
USA 2011
Komödie
FSK: 0
101 min

mit
Jack Black (Brad Harris) Tobias Meister
Owen Wilson (Kenny Bostick) Philipp Moog
Steve Martin (Stu Preissler) Frank-Otto Schenk
Rosamund Pike (Jessica) Ranja Bonalana
Rashida Jones (Ellie) Tanja Geke
Brian Dennehy (Raymond Harris) Klaus Sonnenschein
Dianne Wiest (Brenda Harris) Kerstin Sanders-Dornseif
JoBeth Williams (Edith Preissler) Rita Engelmann
Anjelica Huston (Annie Auklet) Marianne Groß
Kevin Pollak (Jim Gittelson) Gerald Schaale
Joel McHale (Barry Loomis) Norman Matt
Anthony Anderson (Bill Clemont) Michael Iwannek
Tim Blake Nelson (Fuchs) Matthias Klages
Jim Parsons (Crane) Gerrit Schmidt-Foß
Barry Shabaka Henley (Dr. Neil Kramer) Jürgen Kluckert
John Cleese (Erzähler) Lothar Blumhagen
u.a.

musik
Theodore Shapiro

kamera
Lawrence Sher

drehbuch
Howard Franklin
inspiriert vom Buch von Mark Obmascik

regie
David Frankel

produktion
Fox 2000 Pictures
Red Hour Films
Deuce Three Productions
Sunswept Entertainment
Dune Entertainment
Ingenious Media

verleih
20th Century Fox

Kinostart: 14. Juni 2012

http://ws.amazon.de/widgets/q?rt=tf_ssw&ServiceVersion=20070822&MarketPlace=DE&ID=V20070822%2FDE%2Fangelonemedia-21%2F8003%2Fc661f9a4-29f6-408e-bfff-b24aa8a42994&Operation=GetDisplayTemplate Amazon.de Widgets

13.06.2012 | mz |
Kategorien: ohne