Montag, 22. Juli 2019

George Smiley (Gary Oldman)
© STUDIOCANAL

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Eine missglückte Aktion des britischen Geheimdienstes in Budapest hat politische Folgen: Der langjährige MI6-Chef Control und seine rechte Hand George Smiley müssen ihren Hut nehmen und eine junge Generation um den intriganten Percy Alleline übernimmt die Macht. Im Circus, wie der Auslandsgeheimdienst von seinen Agenten genannt wird, brechen neue Zeiten an.

Nur wenige Monate später wird Smiley reaktiviert: Im direkten Auftrag der Regierung soll er einem ungeheuren Verdacht nachgehen, den der mittlerweile gestorbene Control gehegt hatte: Gibt es an der Spitze des Circus einen Maulwurf des sowjetischen KGB? Fünf Männer hatte Control auf seiner Liste: den neuen Chef Percy Alleline, den selbstbewussten Bill Haydon, den altgedienten Roy Bland, den Bürokraten Toby Esterhase und seinen Ziehsohn Smiley selbst.

Smiley ist schockiert, dass Control ihn des Verrats für fähig hielt. Zusammen mit dem jungen Agenten Peter Guillam ermittelt Smiley fortan in den eigenen Reihen. Um den Verräter zu finden, darf er keinen Staub aufwirbeln und muss sich auf seinen Verstand und alte Freunde verlassen. Viele Spuren verlaufen im Sand, bis schließlich der junge Agent Ricki Tarr aus einem Einsatz in Istanbul einen entscheidenden Hinweis mitbringt. Smiley ahnt: Wer immer der Maulwurf im Gewimmel der Gänge des Circus ist, er ist Smiley um mehrere Züge voraus. Denn hinter ihm steht Karla, der brillante Stratege des KGB, der genau um Smileys größte Schwäche weiß.

Wohl kaum ein Autor kennt sich besser in der Welt der Spionage aus als John le Carré. Über zwanzig meisterliche Romane veröffentlichte er, nachdem er bis in die Ära des Kalten Krieges unter anderem als Undercoveragent für die britischen Geheimdienste MI5 und MI6 arbeitete. Mit dem schweigsamen Spion George Smiley stellte er bereits 1961 in seinem Debütroman „Schatten von Gestern“ jene Figur vor, die zu seiner berühmtesten Schöpfung avancieren und zentraler Charakter einer Reihe weiterer Bücher werden sollte. Darunter auch „Dame, König, As, Spion“, als Roman erstmals veröffentlicht 1974 und als Meisterwerk der Spionageliteratur im kulturellen Kanon des 20. Jahrhunderts unumstritten.

John le Carré: »Die Welt der Spione in meinen Büchern ist eine Metapher für die große Welt, in der wir alle leben. Wir beschummeln einander, belügen uns selbst, erfinden kleine Geschichten und schauspielern uns durchs Leben. Im Berufsleben, in der ganz normalen Welt ist das doch nicht viel anders. Ich glaube, dass Dame, König, As, Spion auch darum bis heute seine Wirkung nicht verfehlt. Als ich das Buch schrieb, wollte ich diese Universalität des Stoffes ausschöpfen und traf offenbar einen Nerv. Die Menschen wollten ihr Leben widergespiegelt sehen im Kontext einer Verschwörung. Das ist ein wiederkehrendes Muster zwischen den Menschen und den Institutionen, die sie erschaffen.«

Der schwedische Regisseur Tomas Alfredson, der durch seinem Vampirfilm So finster die Nacht (dessen US-Remake vor kurzem in unsere Kinos kam) einen guten Ruf in der Welt des Kinos besitzt, inszenierte nun seinen ersten englischsprachigen Film, für den er mit Absicht ausgewählt wurde, denn als Schwede besitzt er die nötige Objektivität, um an den Stoff heranzugehen.

»Dame, König, As, Spion ist sicher ein großer Schritt für mich«, sagt er. »Doch ich arbeite seit dreißig Jahren in Film und Fernsehen, und ich hatte viel Hilfe dabei, erstmals in Englisch und mit den Feinheiten der Sprache zu arbeiten. Manches Wort kann hier mehr sagen als in anderen Thrillern ein ganzer Dialog.«

Obgleich die Darstellung von Sir Alec Guinness gemeinhin zuerst mit le Carrés Figur des George Smiley assoziiert wird, weist der Autor gern darauf hin, dass der Meisterspion bereits von einer Reihe Schauspielern verkörpert wurde. So wurde Smiley bereits durch Denholm Elliott, Rupert Davies, Peter Vaughan und James Mason verkörpert. In der neuen Verfilmung übernimmt Gary Oldman die Rolle des knallharten Geheimagenten.

John le Carré, der mit Sir Alec Guinness zu dessen Lebzeiten eine gute Freundschaft pflegte, blieb nicht minder beeindruckt von Oldmans Arbeit: »Ich war restlos hypnotisiert von seiner Performance. Auf gewisse Weise habe ich mich immer mit Alecs Smiley identifiziert, doch Gary formt einen neuen Mann aus der Vorlage. Man fühlt die Beherrschung seiner Kunst, wenn er sein eigenes Leben verlässt und eine Rolle komplett ausfüllt. Mit seinem Smiley spürt man den Schmerz, die Gefahr und die Härte der Figur, den Schatten der Einsamkeit und manchmal ein Flackern von Grausamkeit in den Augen.«

»George Smiley ist ein köstlicher Charakter, eine wundervolle Herausforderung für jeden Schauspieler«, sinniert Oldman. »Er besitzt starken Sinn für Moral und erkennt zugleich die dunklen, unethischen Seiten seines Schaffens. Er kann die Stellschrauben der Bürokratie in seinem Sinne bedienen und Menschen manipulieren, deren Schwächen und Anfälligkeit er sieht wie auf einem Radar. Und vor allem ist er bestechend vielseitig und so vieles zugleich – von mildem Gemüt und mit gefährlichem Scharfsinn, mit einem Gedächtnis wie eine Stahlkammer und versiert im Spionagegeschäft wie wenige.

Doch trotz allem ist er ein angeschlagener Mann, verfolgt von Melancholie und privaten Verlusten. Welch brillante Idee von le Carré, ihn ausgerechnet Smiley zu nennen! Im Buch steht nur, er sei eher kurz geraten, unattraktiv und übergewichtig. John le Carré sagte mir, dass ich alle Freiheiten hätte, mir Smiley zu eigen zu machen. Und ich hoffe nur, was Anständiges daraus gemacht zu haben, was dieser absoluten Ausnahmefigur gerecht wird.«

Angelehnt an einen britischen Kinderreim („Tinker, Tailor – Soldier, Sailor – Rich Man, Poor Man – Beggar Man, Thief“) sind mit den Symbolen des Originaltitels innerhalb der Story jeweils Codenamen für Personen unter Verdacht gemeint. Und höchst verdächtig benimmt sich in Dame, König, As, Spion irgendwann jeder einmal.

Mit den zumeist ruhigen Bildern von Hoyte van Hoytema, der auch schon bei So finster die Nacht mit Alfredson zusammengearbeitet hat, und dem jazzig-langsamen Filmscore von Alberto Iglesias, der bereits 2005 bei der Verfilmung von John le Carrés „Der ewige Gärtner“ für die Musik verantwortlich zeichnete, gelang ein subtil spannender Thriller, der le Carrés Roman beeindruckend umsetzt.

Übrigens hat John le Carré auch einen Gastauftritt als Schauspieler auf der Silvesterfeier, bei der mehr als 100 Komparsen auftraten. »Ich musste mir doch einen Grund vorstellen, warum jemand in meinem Alter noch im Kreis der Männer des Circus’ sitzen sollte«, so der Autor. »Ich entschied, dass ich ein alter, schwuler Bibliothekar war, der der guten, alten Zeiten wegen eingeladen wurde und die Erlaubnis hat, sich volllaufen zu lassen.« ■ mz


OT: Tinker Tailor Soldier Spy
GB/F/D 2011
Thriller
FSK: 12
127 min

mit
Gary Oldman (George Smiley) Udo Schenk
Colin Firth (Bill Haydon) Tom Vogt
John Hurt (Control) Jürgen Thormann
Mark Strong (Jim Prideaux) Oliver Siebeck
Benedict Cumberbatch (Peter Guillam) Tommy Morgenstern
Tom Hardy (Ricki Tarr) Daniel Fehlow
Ciarán Hinds (Roy Bland) Bernd Rumpf
Toby Jones (Percy Alleline) Lutz Schnell
Nick Hopper (Alwyn) Andreas Hosang
Stephen Graham (Jerry Westerby) Uwe Büschken
Kathy Burke (Connie Sachs)
David Dencik (Toby Esterhase)
u.a.

musik
Alberto Iglesias

kamera
Hoyte van Hoytema

drehbuch
Bridget O’Connor
Peter Straughan
basierend auf dem Roman von John le Carré

regie
Tomas Alfredson

produktion
StudioCanal
Karla Films
Paradis Films
Kinowelt Filmproduktion
Working Title Films
Canal+
CinéCinéma

verleih
StudioCanal

13.02.2012 | mz |
Kategorien: ohne