Mittwoch, 24. Juli 2019

Therapeutin Katherine (Anna Kendrick) versucht, mit ihrem Patienten Adam (Joseph Gordon-Levitt) in Gespräch zu kommen
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Eine Komödie über Krebs? Im Ernst? Doch, das geht: Autor Will Reiser hat die Krankheit besiegt und weiß aus eigener Erfahrung, dass selbst die schlimmste Katastrophe die absurdesten Situationen mit sich bringt. Mit erfrischendem Witz und großem Feingefühl verarbeitet er in dem Film persönliche Erlebnisse und beweist, dass Lachen eben doch die beste Medizin ist.

Als beste Kumpel im Ausnahmezustand brillieren Joseph Gordon-Levitt und Comedystar Seth Rogen, der auch als Produzent verantwortlich zeichnet: Drehbuchautor Will Reiser zählt zu seinen engsten Freunden. Die liebevolle Tragikomödie wurde vom National Board of Review für das Beste Originaldrehbuch ausgezeichnet und zu einem der Top 10 Independent Filme des Jahres 2011 benannt.

Adam Lerner ist noch keine 30, hat einen coolen Job, eine hübsche Freundin und die beste Zeit seines Lebens. Alles läuft perfekt – bis er plötzlich diese brutalen Rückenschmerzen bekommt. Die schockierende Diagnose: An Adams Wirbelsäule wächst ein monströser Tumor. Er hat Krebs – noch dazu eine seltene Form, die mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich verläuft.

Der Himmel stürzt ein, und schlagartig ist Adams Welt eine andere, die vor allem aus Wartezimmern besteht: Arzttermine statt hipper Partys, Chemo statt Cocktails, und seine glorreichen Zukunftspläne schrumpfen auf ein einziges Ziel: Überleben. Die Menschen, die ihm am nächsten stehen, sind genauso überfordert wie er selbst: Adams bester Freund Kyle nutzt seine Misere schamlos aus, um mit der bewährten Mitleidsmasche Frauen ins Bett zu kriegen.

Seine dominante Mutter Diane ist für ihren Sohn eher zusätzliche Belastung als seelische Stütze. Adams Freundin Rachael, eine angesagte Künstlerin, stürzt sich ins Szeneleben und rast manisch von einem Termin zum nächsten, um nur ja nicht zum Nachdenken zu kommen. Und Therapeutin Katherine, die ihm in dieser schweren Zeit eigentlich zur Seite stehen soll, ist noch nervöser als ihr Patient: Adam ist gerade mal ihr dritter Fall.

Seth Rogen, Evan Goldberg und Will Reiser lernten sich hinter den Kulissen des Brit-Imports Da Ali G Show kennen, der legendären Comedyshow mit Sacha Baron Cohen. Rogen und Goldberg galten als vielversprechende Nachwuchsautoren, Reiser stand als Produzent noch am Anfang seiner Laufbahn. Mit Anfang 20 waren die drei damals die jüngsten Mitarbeiter im Team und freundeten sich schnell an.

Dann passierte das Undenkbare. Rogen und Goldberg konnten buchstäblich zusehen, wie ihr Freund in sich zusammenfiel. »Bei dieser Show war ein unmenschliches Tempo gefordert«, erzählt Goldberg. »Wir arbeiteten 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Ungefähr sechs Wochen lang konnten wir minutiös beobachten, wie Will von Tag zu Tag mieser aussah. Wir hatten ja keine Ahnung, dass er krank war. Also zogen wir ihn damit auf. Sacha Baron Cohen, der Star der Show, setzte noch einen drauf, er war unser Rädelsführer. Und Will lachte herzlich mit.«

»Will war die ganze Zeit schwer krank«, erinnert sich Seth Rogen. »Es war wie in Jäger des verlorenen Schatzes, wenn am Ende die bösen Nazis schmelzen. Es war ihm anzusehen, dass er nicht gesund war.« Nach acht Monaten, als Da Ali G Show schließlich abgedreht war, eröffnete Will Reiser seinen Freunden, dass er an Krebs litt.

Nach einer Reihe invasiver Tests erfuhr Reiser, dass ein gigantischer Tumor auf seine Wirbelsäule drückte. »Das Ding war beachtlich und saß an einer äußerst ungünstigen Stelle«, erinnert sich Reiser. »Für mich wurde der Tumor zu diesem Alien, das in meinem Körper hauste. Und ich wusste nicht, wie das mit uns enden würde.«

Der behandelnde Chirurg erläuterte Reiser sämtliche Schritte: Der Tumor konnte in einer sechsstündigen Operation entfernt werden. Doch der Heilungsprozess, körperlich wie auch seelisch, würde langwierig und qualvoll werden. »Der Arzt hatte mir zwar gesagt, dass ich eine Woche im Krankenhaus bleiben müsste. Mir war aber nicht klar, dass dies eine Woche der schlimmsten Schmerzen bedeutete, die ich je erlebt habe.«

Es sollte ganze zwei Jahre dauern, bis Will Reiser sich in der Lage fühlte, die Krankheit auch kreativ zu verarbeiten. Er malte sich seine Hauptfigur Adam Lerner als einen Perfektionisten aus, den vor allem die eigene Hilflosigkeit aus der Bahn wirft. »Krebs schmeißt alles über den Haufen und pulverisiert das Leben, das du dir aufgebaut hast«, weiß der Autor. »Du kannst nichts tun außer loszulassen. Du musst dich davon verabschieden, alles unter Kontrolle haben zu wollen.«

Joseph Gordon-Levitt fragte sich unwillkürlich, was bitte an einem krebskranken jungen Mann lustig sein soll. »Meine erste Reaktion war: Wovon redet ihr da? Das ist doch nicht witzig. Aber ich muss zugeben: Dank Will ist es das doch.« Produzent Ben Karlin schwärmt: »Für einen so jungen Schauspieler ist Joe unglaublich erfahren und selbstsicher. Vor allem brachte er eine Art stillschweigendes Vertrauen mit – in sich selbst und in das Drehbuch. Wie er diesen Charakter zum Leben erweckt hat, übertraf alle unsere Erwartungen.«

Und der Schlüssel zum Humor und zur Aufrichtigkeit des Films sind die Figuren, betont der Hauptdarsteller. »Es ist zwar eine Komödie, aber die Charaktere sind eben nicht flach, sondern echte Menschen. Adam zum Beispiel ist der Letzte, der mit dieser Diagnose klar käme. Er ist eher ein Hypochonder, der sich dauernd ausmalt, dass er an einer tödlichen Krankheit leiden könnte. Da ist es Ironie des Schicksals, dass es prompt gerade ihn trifft.«

Anna Kendrick, die für ihre Rolle in Up in the Air neben George Clooney eine Oscar®-Nominierung erntete, spielt Adams Therapeutin Katherine, die ihn nach der Schock-Diagnose und während der zermürbenden Behandlung seelisch unterstützen soll. »Anna zählt zu den aufregendsten Nachwuchsstars ihrer Generation«, schwärmt Produzent Nathan Kahane. »Sie ist absolut glaubwürdig und hat einen messerscharfen Verstand. Zugleich ist sie so charmant und herzig, dass man sich gleich zu ihr hingezogen fühlt. Anna ist der Sonnenschein dieses Films. Es macht großen Spaß, sie in einer Rolle zu erleben, die ihrer ganzen Persönlichkeit so perfekt entspricht – und nicht nur ihrem komödiantischen Talent.«

»Die Komödie speist sich aus der Wirklichkeit«, sagt Kendrick. »Das alles könnte durchaus genauso passieren. Nichts wirkt oberflächlich oder aufgesetzt. Wäre ein Freund von dir krank (ein kluger Kopf, geistreich und alles andere als schlicht), dann wäre das tragisch und schwer auszuhalten. Aber es würde doch immer Momente geben, in denen man lachen muss. Genau das ist die Aussage des Drehbuchs. Es geht nicht nur darum, eine Komödie über ein Tabuthema zu machen. Es wirkt wahrhaftig.«

50/50 ist Will Reisers erstes Drehbuch. Und das Schreiben hat sein Weltbild fast genauso stark verändert wie seine Krebserkrankung: »Bevor ich krank wurde und dieses Skript geschrieben habe, fand Krebs in meinem Leben nicht statt. Letztlich habe ich durch den Krebs neue Freunde gefunden. Mir hat sich dadurch eine ganze Welt eröffnet, ständig erzählen mir Leute ihre persönlichen Schicksale. Von allen Seiten höre ich, dass sich Betroffene in diesem Film wieder finden, und wie sehr 50/50 sie berührt, weil sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das ist für mich das größte Kompliment. Nichts könnte mir mehr das Gefühl geben, dass ich einen guten Job gemacht habe.«

Wenn man liest, dass es sich hierbei um eine Komödie dreht, kommt man nicht drum herum, Abscheu zu empfinden. Doch Reiser, Levine und den Schauspielern ist ein wirklich berührendes Krebsdrama gelungen, das mit einer gesunden Portion trockenem Lebenshumor auskommt, ohne die klassische Klamaukschiene unterhalb der Gürtellinie zu bedienen. Man merkt auch die Zurückhaltung in der Darstellung der Figuren, die recht lebensnah porträtiert werden. 50/50 ist mittelstarkes Gefühlskino, das mit einem passend ausgewählten Soundtrack unterstrichen wird. ■ mz

OT: 50/50
USA 2011
Drama/Komödie
FSK: 12
100 min

mit
Joseph Gordon-Levitt (Adam) Florian Halm
Seth Rogen (Kyle) Tobias Kluckert
Anna Kendrick (Katherine) Anne Helm
Bryce Dallas Howard (Rachael) Solveig Duda
Anjelica Huston (Diane) Marianne Groß
Andrew Airlie (Dr. Ross) Jacques Breuer
Matt Frewer (Mitch) Walter von Hauff
Philip Baker Hall (Alan) Norbert Gastell
Serge Houde (Richard)
Peter Kelamis (Phil)
u.a.

musik
Michael Giacchino

kamera
Terry Stacey

drehbuch
Will Reiser

regie
Jonathan Levine

produktion
Summit Entertainment
Mandate Pictures
Point Grey Pictures
IWC Productions

verleih
Universum

Kinostart: 3. Mai 2012

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03.05.2012 | mz |
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