Mittwoch, 24. Juli 2019

Rose (Rachel Weisz) auf dem Weg zu ihrem Liebhaber
© Prokino

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360 ist ein ebenso modernes wie elegantes Geflecht von Beziehungen, deren Protagonisten in verschiedenen Städten und Ländern auf der ganzen Welt miteinander in einer lebendigen, spannenden und sehr bewegenden Erzählung über die Liebe im 21. Jahrhundert verbunden sind. Beginnend in Wien spinnt der Film seine faszinierenden, ineinander verflochtenen Geschichten rund um die Welt über Paris, London, Bratislava, Rio de Janeiro, Denver und Phoenix weiter.

Die einfache Entscheidung eines Mannes, seiner Ehefrau treu zu bleiben, löst eine Kette von Ereignissen aus, die rund um den Globus mal sehr subtile, mal hochdramatische Folgen nach sich ziehen und den Zuschauer am Ende dorthin zurückführen, wo 360 seinen Anfang genommen hat.

Vor dem Hintergrund der weltweiten Banken- und Finanzkrise, des Dominoeffektes des Arabischen Frühlings und der grenzüberschreitenden Bedrohungen durch Grippe-Pandemien und Währungsinstabilitäten zeigt 360 dabei mit bestechender Klarheit, wie eng die Welt heutzutage zusammengewachsen ist.

Durchzogen von hoffnungsvollen, wunderschönen und romantischen Momenten ebenso wie von Verzweiflung, Missverständnissen und Widersprüchen erlebt dabei jeder der Protagonisten seine eigene emotionale und packende Geschichte, die mit denen der anderen rund um die Welt verbunden ist.

Mit einer respektvollen Verneigung vor dem Wiener Dramatiker Arthur Schnitzler und seinem berühmten „Reigen“ nimmt 360 die Zuschauer mit auf eine Rundreise voll ansteckender Romantik. »In vielerlei Hinsicht ist 360 auch eine Reflexion meiner eigenen Lebensweise und der Tatsache, dass ich viel zu viel Zeit auf Flughäfen und unterwegs verbringe«, erklärt Drehbuchautor Peter Morgan (Frost/Nixon).

»Wenn man im Dämmerzustand des Jetlags an das Leben in diesen vier, sich aus zahlreichen multinationalen Milieus zusammensetzenden Metropolen denkt und das noch kombiniert mit der Bedeutung, die das Internet heutzutage in unser aller Leben spielt – dann fällt einem zwangsläufig auf, wie überflüssig Grenzen mittlerweile sind und dass im modernen 21. Jahrhundert die Welt inzwischen zu einer einzigen großen Gemeinde verschmolzen ist. Diese Erkenntnis wollte ich zu Papier bringen, genauso wie die Tatsache, dass jede unserer Handlungen Konsequenzen nach sich zieht.

Die wirtschaftlichen Entscheidungen eines Landes, einer Bank oder einer Regierung können dramatische Folgen für andere haben. Eine einzelne mit einem Virus infizierte Person kann in New York ein Flugzeug betreten und nur 24 Stunden später jemanden in der Mongolei anstecken. Das Fallen von Aktienkursen in Tokio kann zur Entlassung von Arbeitern in Stockholm führen. Menschen pokern online mit jemandem in einer vollkommen anderen Zeitzone am anderen Ende der Welt.

An all solchen Beispielen lässt sich erkennen, wie sehr wir immer mehr zu einer großen Gemeinde zusammenwachsen – und es teilweise schon längst geschehen ist. Ich wollte eine Geschichte schreiben, die genau das verdeutlicht. Allerdings wollte ich das ganze nicht einfach gerade heraus, sondern als Metapher angehen. Und welche Themen würden sich dabei als Aufhänger besser anbieten als Liebe, Romantik, Sex und Beziehungen?«

Der international arbeitende Filmemacher Fernando Meirelles, der, seit sein bahnbrechender Film City of God 2002 auf die Leinwand kam, rund um die Welt mit Kritikerlob und Auszeichnungen für seine einzigartigen und fulminanten Arbeiten bedacht wurde, inszenierte diesen realistischen Blick auf das moderne und sehr zeitgemäße Leben der Protagonisten Morgans:

»Für mich haben die Geschichten gemeinsam, dass sie von Menschen handeln, die versuchen, ihr Bestes zu tun und gute Menschen zu sein, auch wenn ihnen das nicht immer gelingt. Das gefiel mir besonders, denn es macht diesen Film so menschlich. Er handelt von unseren Trieben und Begierden und von der Tatsache, dass irgendetwas in uns drin uns manchmal die Richtung wechseln lässt. Davon war ich fasziniert und wollte mich mehr damit auseinandersetzen.«

Da im Film Englisch, Österreichisch, Französisch, Russisch, Arabisch, Slowakisch und brasilianisches Portugiesisch gesprochen wird, war es für 360 natürlich unabdingbar, die Protagonisten durch ein wahrhaft internationales Ensemble verkörpern zu lassen. Die Erzählung des Films wird von den Figuren und ihren Szenarien vorangetrieben, und jeder Handlungsstrang steht für sich selbst.

Was sie miteinander verbindet und als Leitfaden den Film durchzieht, ist jeweils die Ausgangssituation, dass wir nur für einen kurzen Moment Einblick in das Leben dieser Individuen bekommen und nichts über ihre Vorgeschichte erfahren. Die Entscheidungen, die sie treffen, ob aus höheren Motiven oder nicht, führen schließlich dazu, dass sie innerhalb ihrer Geschichten auf die eine oder andere Weise erlöst werden.

Für Rachel Weisz, die für ihre Rolle in Meirelles’ Der ewige Gärtner unter anderem mit dem Oscar® ausgezeichnet wurde, bot sich mit 360 die Chance, erneut mit dem Regisseur zusammenzuarbeiten. Doch auch das Drehbuch reizte sie, wie sie berichtet:

»Mir gefiel das Skript sehr, nicht zuletzt, weil es eine echte Ensemble-Arbeit ist, in der jeder seine kleine Geschichte hat und dann den Staffelstab an den nächsten Schauspieler weiterreicht. Ich habe es sehr genossen, fünf Tage mit Fernando zu verbringen, denn ich bewundere ihn sehr. Und Peter Morgans Drehbuch ist einfach wundervoll und ungewöhnlich. Einerseits war die Arbeit an diesem Projekt sehr leichfüßig und einfach, andererseits aber auch eine echte Herausforderung, denn man hatte nur sehr wenig Zeit, die Figur zu erschaffen, und musste sofort ins kalte Wasser springen.«

In seiner Gesamtheit ist der Look von 360 vergleichsweise schlicht, was nicht zuletzt an der Erzählebene und dem geringen Wissen über die Figuren liegt. Um für Einheitlichkeit und Kohärenz zu sorgen, präsentiert der Film alle Handlungsorte so natürlich und realistisch wie möglich, genau wie die Leben der um den Globus rotierenden Figuren.

Die Figuren, deren Wege sich immer wieder kreuzen und ineinander verschlingen, sind ständig in Bewegung, genau wie die Kamera mit ihren 180- und 360-Grad-Fahrten. Neben Locations mit Wiedererkennungswert wurde deswegen auch viel in Seitenstraßen und an versteckten Orten gedreht, die man gemeinhin nicht auf der Leinwand sieht und die die unterschiedlichen Städte miteinander in Verbindung setzen, wie Kameramann Adriano Goldman erklärt:

»Wir suchten nach ganz speziellen Bildern, um Wien, aber auch Paris und London einzufangen. Wir wollten keine wohlhabenden, sondern ganz durchschnittliche Menschen in diesen Städten zeigen, es sollte um authentische Orte gehen. In Paris beispielsweise entdeckte Fernando einen Markt, der am Ende eines Tages gerade abgebaut und weggeräumt wurde. Überall lag Müll auf der Straße, und er entschied plötzlich: Hier möchte ich drehen, jetzt sofort. Holt mir eine Kamera und holt Jamel, der hier durch diese dreckige Straße laufen soll. Das Ergebnis war wunderschön und ein Bild von Paris, wie man es noch nie im Film gesehen hat.«

Newcomerin Gabriela Marcinkova, die Mirkas Schwester Anna spielt, sinniert derweil über die Bedeutung von 360 und die Geschichten des Films: »360 steht natürlich für einen Kreis. Kreise sind unendlich, genau wie auch das Leben an sich letztlich unendlich ist. All die verschiedenen Geschichten in 360 mit all ihren Figuren und unterschiedlichen Ländern stellen also den Kreislauf des Lebens dar, der immer und immer weiterläuft. Wir selbst als Individuen spielen darin womöglich keine allzu große Rolle. Aber gemeinsam sind wir der Hauptbestandteil.«

Für diese weltumspannende und -verbindende Geschichte engagierte Mereilles bekannte als auch unbekannte Schauspieler aus den verschiedenen Nationen, in denen der Film spielt. Dadurch erreichte er noch ein Stück Authentizität mehr, sozusagen den letzten Schliff. Wer auf Ensemblefilme steht, ist bei 360 bestens aufgehoben. Der Film ist spannend wie das Leben – man weiß nicht, was auf einen zukommt. Es ist aber auch in erster Linie ein Film über die Liebe und das Leid damit – großartig gespielt und ebenso erzählt. ■ mz

OT: 360
GB/AUT/BR/F 2011
Drama
FSK: 12
110 min

mit
Lucia Siposová (Mirka) Lucia Siposová
Gabriela Marcinkova (Anna) Gabriela Marcinkova
Johannes Krisch (Rocco) Johannes Krisch
Jude Law (Michael Daly) Florian Halm
Moritz Bleibtreu (Geschäftsmann) Moritz Bleibtreu
Rachel Weisz (Rose) Claudia Urbschat-Mingues
Jamel Debbouze (Zahnarzt) Axel Malzacher
Dinara Drukarowa (Valentina) Morin Smolé
Wladimir Wdowitschenkow (Sergej) Mark Zak
Maria Flor (Laura) Janaina Pessoa Magalhaes
Anthony Hopkins (Älterer Mann) Wolfgang Pampel
Ben Foster (Tyler) Alexander Wüst
Marianne Jean-Baptiste (Fran) Sona MacDonald
Mark Iwanir (Boss) Mark Iwanir
u.a.

drehbuch
Peter Morgan

kamera
Adriano Goldman

regie
Fernando Meirelles

produktion
Revolution Films
BBC Films
Dor Film Produktionsgesellschaft
Gravity Entertainment
Muse Productions
O2 Filmes
ORF Film/Fernseh-Abkommen
Unison Films

verleih
Prokino

Kinostart: 16. August 2012

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23.08.2012 | mz |
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