Mittwoch, 22. Mai 2019

In Aibileen Clarks (Viola Davis) Gesichtsausdruck zeigen sich Bedenken, als sie Hilly Holbrooks (Bryce Dallas Howard) ungeheuerlichen Vorschlag hört, den diese ihren Freundinnen Elizabeth Leefolt (Ahna O’Reilly), Skeeter Phelan (Emma Stone), and Jolene French (Anna Camp) unterbreitet.
© Dale Robinette/DreamWorks II Distribution Co., LLC.

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Jackson, Mississippi im Jahr 1963. Nach vier Jahren Studium an der University of Mississippi in Oxford kehrt Skeeter in ihren Heimatort zurück. Sie hat große Pläne und träumt von einem Job als Journalistin – keine leichte Aufgabe für eine Frau zu dieser Zeit. Als sie wieder in ihrem Elternhaus ankommt, ist sie zunächst entsetzt. Die schwarze Haushälterin Constantine, die sie groß gezogen hat, arbeitet nicht mehr dort. Skeeters Mutter hüllt sich in Schweigen.

Zudem wird Skeeter den Erwartungen ihrer Mutter nicht gerecht, sind alle ihre gleichaltrigen Freundinnen doch schon lange verheiratet. Von solch einer Bevormundung hält die selbstbewusste Skeeter allerdings überhaupt nichts.

Je mehr Skeeter jedoch das diskriminierende Verhalten der anderen jungen Frauen in ihrem Umfeld wahrnimmt (Hilly plant sogar, einen Gesetzesentwurf einzubringen und die Einrichtung von Außentoiletten für die schwarzen Hausangestellten einzufordern), desto mehr wächst in ihr der Wunsch, den Haushälterinnen eine Stimme zu geben. Sie will Interviews mit ihnen führen und so die Geschichten all jener, die oft wie Unsichtbare behandelt werden, schließlich unter dem Titel „The Help“ veröffentlichen.

Zunächst stößt ihr Vorschlag, in den rassistischen Südstaaten kein ungefährliches Unterfangen, bei den schwarzen Frauen nicht gerade auf Gegenliebe, während ein New Yorker Verlag sich interessiert zeigt. Als die Demütigungen, die die Haushälterinnen tagtäglich still erdulden, überhand nehmen, erklärt sich erst Aibileen bereit, Skeeter zu unterstützen. Wenig später kommt auch Minny hinzu, die noch bis vor kurzem im Haus der Holbrooks angestellt war und der gekündigt wurde, weil sie deren Toilette benutzt hatte.

Minnys Nachfolgerin Yule May ergeht es bei den Holbrooks kaum besser. Als man sie des Diebstahls bezichtigt, wird sie sogar verhaftet. Dieser Vorfall führt dazu, dass plötzlich auch zahlreiche andere Haushälterinnen zu Interviews bereit sind. Während Skeeter immer mehr skandalöse Geschichten sammelt, kann Minny allmählich wieder Mut fassen. Sie findet eine neue Stelle bei Celia Foote, die sie eher als Freundin, als als Dienstmädchen behandelt.

Unterdessen ist sich Skeeter sicher, dass ihr Material brisant ist und die rassistische Gesellschaftsordnung in Jackson und darüber hinaus erschüttern wird…

Eine Freundschaft ist für die Handlung von The Help von zentraler Bedeutung, und eine Freundschaft war auch mitentscheidend dafür, dass die Verfilmung des Romans zustande kam. Tate Taylor, der Drehbuchautor und Regisseur, und Kathryn Stockett, die Autorin von „Gute Geister“, sind alte Freunde aus Kindertagen. Sie wuchsen in den 1970er Jahren in der Stadt Jackson im US-Bundesstaat Mississippi auf.

Ohne ihre langjährige vertrauensvolle Freundschaft hätte die Geschichte, die The Help erzählt, nie den Weg auf die Leinwand gefunden – ein Weg, den schließlich ein dritter Freund mit ihnen beschritt: der ebenfalls in Jackson geborene Brunson Green, dem Taylor 18 Jahre zuvor bei einem Bluesfestival in Jackson begegnet war. Mit Octavia Spencer schloss sich ihnen später eine weitere Freundin an.

Taylor hatte Octavia Spencer 1996 kennen gelernt, als beide als Produktionsassistenten am Set der John-Grisham-Verfilmung Die Jury arbeiteten. Nach dem Ende der Dreharbeiten packten Taylor und Spencer ihre Sachen und zogen gemeinsam nach Los Angeles. Taylor, Green und Spencer hingen in L.A. ständig zusammen und bekamen häufig Besuch von Kathryn Stockett, die zwischenzeitlich geheiratet und ein Baby bekommen hatte und in New York City lebte.

»Mississippi ist fast schon ein eigenständiger Charakter«, sagt Taylor. »Die Menschen hier haben alle exzentrische, ausgefallene Eigenschaften. Es ist eine kauzige Gegend. Man muss sich nur die Schriftsteller ansehen, die aus den Südstaaten stammen. Dass sie so viel Ruhm und Ehre einheimsen konnten, lag auch daran, dass sie das Leben wirklich so beschrieben, wie es hier ist. Sie mussten nichts erfinden. Sie legten den tiefen Süden einfach auf ihre Weise aus. Es gibt nichts Vergleichbares.«

»Tate und ich stammen beide aus Mississippi«, sagt Produzent Brunson Green, »deshalb wussten wir, dass es uns gelingen würde, vor Ort ein authentisches Milieu zu erschaffen. Zusammen mit unserem Produktionsdesigner Mark Ricker fuhren wir mit dem Auto durch den Bundesstaat und suchten fünf Tage lang nach dem perfekten Schauplatz. Als wir nach Greenwood kamen, entdeckten wir eine Stadt, die wie Jackson in den 60er Jahren aussah. Alles passte. Wir sahen Skeeters und Hillys Häuser und auch den verlassenen Ballsaal, in dem wir die Benefizveranstaltung abhalten konnten. In diesem Moment wussten wir, dass Greenwood der richtige Ort ist. Und dann ließ die Stadt das ganze Team in ihre Häuser und in ihre Herzen.«

Und The Help ist auch was fürs Herz. Die Figuren wirken alle so lebensnah mit ihren Ecken, Kanten und Schrullen. Man kann sich in jede einzelne Figur hineinversetzen. Der Film erzählt nicht nur eine Geschichte über Rassismus und Diskriminierung, sondern vor allem auch über die Chancen, diese zu überwinden. Durch die Figuren von Skeeter, Aibileen und Minny wird der Film zu einem Plädoyer für Engagement und Zivilcourage.

Die leichte, oft auch humorvolle Sicht von The Help ist wahrscheinlich vor allem aufgrund der zeitlichen Distanz und des Wissens möglich, dass die Rassentrennung und die Diskriminierung (zumindest in der offensichtlichen und staatlich legitimierten Form) so heute in den USA nicht mehr geduldet wird. Dass der Film jedoch nur die ersten Schritte zeigt und nicht die Lösung des Problems, verschweigt der Film nicht. Es geht vor allem um den Anfang einer Veränderung – und um den Mut, diese anzustoßen.

Man spürt den Frust, die Wut, die Verzweiflung, aber auch den Mut der Protagonistinnen, und fiebert von Anfang bis Ende mit ihnen mit. Da stören die knapp zweieinhalb Stunden auch nicht, die der Film dauert. Am Ende denkt man, ein interessantes, aufwühlendes, gutes Buch gelesen zu haben. Alles ist so, wie man es sich vorstellt, so echt wirkend, was wahrscheinlich an dem genialen Produktionsteam liegt. Die Bauten, Kostüme, das ganze Flair der Sechziger wird in dem Film wieder lebendig. Es gibt an dem Film auch so gar nichts auszusetzen. Die Schauspieler sind hervorragend, ebenso die Kameraeinstellungen als auch die Filmmusik von Thomas Newman. Somit ist The Help auch der perfekte Film für ein besinnliches Weihnachtsfest. ■ mz


OT: The Help
USA 2011
Drama
FSK: Freigegeben ohne Altersbeschränkung
146 min

mit
Emma Stone (Eugenia ‘Skeeter’ Phelan) Anja Stadlober
Viola Davis (Aibileen Clark) Sandra Schwittau
Bryce Dallas Howard (Hilly Holbrook) Manja Doering
Octavia Spencer (Minny Jackson) Martina Treger
Jessica Chastain (Celia Foote) Berenice Weichert
Ahna O’Reilly (Elizabeth Leefolt)
Allison Janney (Charlotte Phelan) Karin Buchholz
Anna Camp (Jolene French) Sonja Spuhl
Chris Lowell (Stuart Whitworth)
Mike Vogel (Johnny Foote) Tommy Morgenstern
Cicely Tyson (Constantine Jefferson)
Sissy Spacek (Missus Walters) Susanna Bonaséwicz
Aunjanue Ellis (Yule Mae Davis) Cathrin Vaessen
Mary Steenburgen (Elain Stein)
u.a.

musik
Thomas Newman

kamera
Stephen Goldblatt

drehbuch
Tate Taylor
nach der Romanvorlage „Gute Geister“ (OT: „The Help“) von Kathryn Stockett

regie
Tate Taylor

produktion
DreamWorks Pictures
Reliance Entertainment
Participant Media
Imagenation Abu Dhabi
1492 Pictures
Harbinger Pictures

verleih
Disney

09.12.2011 | mz |
Kategorien: ohne