Montag, 17. Juni 2019

Craig Roberts, Yasmin Paige © Kool Filmdistribution

Trailer | IMDb | Filmseite

„Die meisten Menschen halten sich für Individuen und denken, dass es auf diesem Planeten niemanden gibt wie sie. Dieser Gedanke spornt sie an, aus dem Bett zu steigen, etwas zu essen und herumzulaufen, als wäre alles in Ordnung. Ich heiße Oliver Tate.“

Oliver Tate ist 15, Griesgram und Einzelgänger, macht aber hier und da auch schon mal mit, andere Mitschüler zu hänseln. Er ist in die hübsche Jordana mit dem Bob-Haarschnitt verknallt und schafft es sogar eines Tages, dass sie sich für ihn interessiert. Eins kommt zum Anderen und plötzlich ist der über Leben und Tod philosophierende Teenager mit der fröhlich zündelnden Jordana zusammen, die jegliche Romantik verabscheut.

Gleichzeitig befindet sich die Ehe seiner Eltern in einer Krise. Während Mama Tate mit dem merkwürdigen Nachbar anbandelt, einem Vokuhila-New-Age-Guru, den Oliver Ninja nennt, weil dieser beim Herauslassen seiner Gefühle Schattenkarate verübt, versinkt Papa Tate in Schwermut. Oliver würde gerne dem spärlichen Liebesleben seiner Eltern auf die Sprünge helfen, doch das ist nicht so einfach, zumal sich herausstellt, dass Nachbar Graham Muttis erste Liebe war, bevor sie seinen Vater getroffen hatte.

Als Oliver Jordana dazu bringt, sich zu öffnen, spitzt sich die missliche Lage, in der er sich befindet, immer mehr zu. Schließlich muss er eine Entscheidung treffen: Die Ehe seiner Eltern retten oder seiner Freundin beistehen, die im Krankenhaus während der Krebs-OP ihrer Mutter auf das Resultat wartet…

»Ich vergleiche Submarine gern mit Taxi Driver, nur dass es hier um einen Fünfzehnjährigen geht, ohne den Zugang zu Waffen«, grinst Regisseur Richard Ayoade über sein Spielfilmdebüt. »Oliver ist, ählich wie Travis Bickle, nicht das, was man als traditionell sympathischen Charakter bezeichnet. Er ist selbstsüchtig und ein wenig gemein, was ihn aber viel interessanter macht, wie alle guten Antihelden.«

Der Film spielt, wie auch der Roman, im walisischen Swansea, aus dem auch der Autor stammt, in einer Zeit, in der es noch Schwarzweiß-Fernseher und Audiokassetten gab. Er erinnert an die Jugendzeit, manch einer kann sich sogar in der einen oder anderen Figur wiederfinden.

»Craig überraschte mich irgendwie: Sein Haarschnitt war à la Pete Townsend mit kurzem Pony, aber er hatte dicke Tränensäcke unter den Augen. Er hatte einen angenehmen Look. Bei all seinen Castingauftritten wollte ich nur, dass er so gut war, wie es schien – und er war immer weitaus besser… Ich mochte ihn sehr. Er ist wirklich witzig und charmant«, erzählt Ayoade.

»Übrigens ist auch Yasmin eine großartige Schauspielerin. Man kann ihr ewig zusehen. Außerdem ist sie sehr intelligent. Sie hatte für jede Einstellung die richtige Intuition. Ich hatte Glück, denn der Film wäre ohne Craig und Yasmin unvorstellbar. Man wünscht sich immer Schauspieler, die so gut sind wie diese beiden, und die man persönlich mag, mit denen man gerne zusammen ist. Das ist wahrscheinlich das Wichtigste.«

Dem kann ich nur beipflichten. Aber auch alle anderen Schauspieler sind hervorragend, auch hier wieder hervorstechend: Sally Hawkins als Olivers paranoide, schüchterne Mutter. Man verliebt sich in die Figuren und betrachtet deren Schicksale mit einem lächelnden und einem weineneden Auge.

Der walisischen Umgebung angepasst, sind nicht nur die Farben trist gewählt, sondern auch der Soundtrack mit den melancholischen Songs von Alex Turner. Mit dem tollen Erzählstil aus Olivers Sicht erschuf Ayoade eine recht ausgewogene Dramödie, die sich in die illustren Meisterwerke zeitgenössischer britischer Filme einreiht. ■ mz


OT: Submarine
GB 2010
Drama
FSK: Freigegeben ab 12
96 min

mit
Craig Roberts (Oliver Tate) Tim Schwarzmeier
Yasmin Paige (Jordana Bevan) Malika Bayerwaltes
Sally Hawkins (Jill Tate) Claudia Lössl
Noah Taylor (Lloyd Tate) Jacques Breuer
Paddy Considine (Graham Purvis) Pascal Breuer
Darren Evans (Chips) Patrick Roche
Osian Cai Dulais (Mark Pritchard)
Lily McCann (Zoe Preece)
Otis Lloyd (Keiron)
u.a.

musik
Andrew Hewitt

kamera
Erik Alexander Wilson

drehbuch
Richard Ayoade
nach dem Roman „Ich, Oliver Tate“ von Joe Dunthorne

regie
Richard Ayoade

produktion
Film4
Film Agency for Wales
Red Hour Films
Warp Films

verleih
Kool

17.11.2011 | mz |
Kategorien: ohne