Mittwoch, 24. Juli 2019

James Marsden, Kate Bosworth
© Sony Pictures

Trailer | IMDb | Filmseite

David Sumner und seine Frau Amy, zwei weltgewandte Städter, ziehen nach dem Tod von Amys Vater in ihre alte Heimatstadt, dem idyllisch gelegenen Blackwater, im tiefen Süden Mississippis. Jeder weiß hier viel über den anderen. Und der wöchentliche Höhepunkt in dem Städtchen ist das Footballspiel am Freitagabend.

Aber die Idylle trügt. Während Amys Ex-Freund Charlie und seine Footballmannschaft der attraktiven Amy nachstellen, laden Sie den arglosen David zu einer Jagdpartie ein, die nach und nach in einer Gewaltspirale mündet. Als dann noch die Tochter des ehemaligen Football-Coachs Tom Heddon vermisst wird, gerät die Situation völlig außer Kontrolle und endet in einer extrem gewaltsamen Konfrontation.

Straw Dogs, zu Deutsch: Strohhunde, stammt aus dem chinesischen Philosophietext „Dao-de-jing“ und bezeichnet eben diese, manchmal auch aus geschnittenem Gras gefertigten Figuren, die im alten China als Opfertiere genommen wurden. Nach der Darbietung werden diese dann zertrampelt, beiseite gefegt und anschließend verbrannt.

David vergleicht Charlie und dessen Freunde Bic, Norman und Chris mit diesen Strohhunden. »Toller Vergleich«, sagt James Marsden. »Jedoch ist es ziemlich arrogant, so etwas zu sagen. Peckinpah sagte einmal, dass David der Schwierige im Film sei. Er ist derjenige, der in ihr Territorium kommt und anfängt, sie unter Druck zu setzen. Doch wenn er am Ende von allen anderen völlig isoliert ist, feuert ihn das Publikum an.«

Das ganze philosophische Gehabe mag vielleicht im Originalfilm von Sam Peckinpah funktioniert haben. In diesem Film ist David eigentlich nur der Spielball der Emotionen. Wenn seine Frau schweißgebadet in kurzen Turnhöschen und Hemdchen, wenn auch unwissend, vor den Bauarbeitern posiert, ihren Mann anstachelt, er solle etwas sagen, wenn ihn etwas stört, und dann noch beim Entkleiden im Schlafzimmer das Fenster zur Freude der arbeitenden Männerriege auf dem Scheunendach gegenüber offen lässt, brauch sie sich später nicht zu wundern, wenn diese sie vergewaltigen!

Immerhin erkennt sie ihren Fehler, doch leider zu spät. Sie verschweigt es zwar David, um die Situation nicht noch weiter zu verschärfen, doch diese hatte sich schließlich durch einen zweiten Handlungsstrang zugespitzt, der ursprünglich gar nicht vorkam und in diesen Film auch eigentlich nicht so richtig hinein passt.

Die Rede ist von dem zurückgebliebenen Jeremy (nicht gerade passend: Dominic Purcell), der von der zickigen Coachtochter ausgenutzt wird, ihren schnell aufbrausenden Vater anzustacheln. Die ganze Nebenhandlung mit Jeremy und seinem Bruder, der ihn immer wieder aus brenzligen Situationen retten muss, weil dieser sie nicht versteht, diese ganze Schöne-und-das-Biest-Geschichte lenkt eigentlich nur von der Einfachheit der ursprünglichen Geschichte ab, die Abgründe der menschlichen Seele bloßzustellen.

Dadurch wird der Film zu einem relativ unspektakulären Thriller, der in einem vorhersehbaren Gemetzel mündet. Da sollte man sich dann doch eher das Original mit Dustin Hoffman und Susan George ansehen, das zwar für die heutigen ungeduldigen Zuschaueraugen eher einschläfernd wirken könnte, dafür aber nicht ganz so konstruiert wirkt.

Ohne Einwände sind die Figuren zwar gut gespielt, besonders genial von James Woods und Alexander Skarsgård, doch vielleicht wäre ein 1:1-Remake besser gewesen, wenn überhaupt nötig. Somit ist der Film nicht unbedingt eine Empfehlung fürs Kino. Das Gemetzel am Schluss kann man sich schließlich auch auf DVD ansehen. ■ mz


OT: Straw Dogs
USA 2011
Thriller
FSK: Freigegeben ab 16
110 min

mit
James Marsden (David Sumner)
Kate Bosworth (Amy Sumner)
Alexander Skarsgård (Charlie)
James Woods (Tom Heddon)
Dominic Purcell (Jeremy Niles)
Rhys Coiro (Norman)
Billy Lush (Chris)
Laz Alonso (John Burke)
Willa Holland (Janice Heddon)
Walton Goggins (Daniel Niles)
u.a.

musik
Larry Groupé

kamera
Alik Sakharov

drehbuch
Rod Lurie
nach dem Drehbuch des Originals von David Zelag Goodman und Sam Peckinpah
nach dem Roman „The Siege of Trencher’s Farm“ von Gordon Williams

regie
Rod Lurie

produktion
Screen Gems
Battleplan Productions

verleih
Sony

01.12.2011 | mz |
Kategorien: ohne