Mittwoch, 24. Juli 2019

Abby (Chloë Moretz) umgibt ein blutiges Geheimnis
© Central Film/Wild Bunch/Fish Head Productions, LLC/Saeed Adyani

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Der zwölfjährige Owen wächst 1983 in einer Kleinstadt in der Bergwelt New Mexicos auf – der perfekte Spiegel der gepeinigten Seele des zierlichen Jungen, der allein mit seiner Mutter in einem tristen Wohnblock lebt. Freunde hat er dort keine und in der Schule wird er von Mitschülern terrorisiert.

Doch dann zieht ein Mädchen in seine Nachbarschaft, das genauso einsam und verloren wirkt. Owen schließt Freundschaft mit Abby, die mit ihrem Vater allein zu leben scheint und sich immer nur nach Sonnenuntergang sehen lässt. Als ein Mord nach dem anderen die kleine Gemeinde erschüttert und eine blutleere Leiche nach der anderen gefunden wird, keimt ein erschütternder Verdacht in Owen…

Let me in basiert auf dem Roman „So finster die Nacht“ („Låt den rätte komma in“) des schwedischen Bestsellerautoren John Ajvide Lindqvist und seiner euphorisch gelobten, gleichnamigen Filmadaption von 2008. Der Film gewann den Founders Award als Bester Spielfilm beim 2008 Tribeca Film Festival.

»Im schwedischen Originalfilm sind die beiden Kids so wunderbar und ihre Beziehung so umwerfend«, findet Regisseur Matt Reeves. »Ich wusste, dass wir mit unserem Film gar nicht erst anzufangen brauchten, wenn wir für unsere Produktion nicht zwei Kids finden würden, die ihnen ebenbürtig sind. In vielerlei Hinsicht handelt es sich um eine sehr erwachsene Geschichte. Die emotionalen Komplexitäten der Beziehung sind sehr erwachsen.«

So finster die Nacht hatte bereits eine leidenschaftliche internationale Fanbasis, und Reeves teilte mit ihr deren Verehrung für das Ausgangsmaterial. Let me in verlegt die Handlung in eine Kleinstadt in den Bergen von New Mexico, aber hält sich darüber hinaus sehr präzise an die Ereignisse im Roman und der ersten Verfilmung.

Und so dürften die Fans des Originals auch nichts gegen das US-Remake haben. Unverständlich bleibt es aber trotzdem, einen europäischen Film 1:1 zu kopieren. Zu den sinnlosesten US-Remakes zählte nicht zuletzt die afroamerikanische Version des britischen Komödienhits Sterben für Anfänger.

Was diesen Film jedoch so bemerkenswert macht, sind drei Dinge: Let me in ist die erste neue Produktion des legendären britischen Horrorfilmstudios Hammer Films, das 1934 gegründet wurde, und im Laufe der Jahre außergewöhnlich erfolgreiche Filme wie Dracula (1958), Frankensteins Fluch (1957) und Schock (1955) herstellte. Die ikonische und weithin geschätzte britische Marke wurde von der Exclusive Media Group erworben und wieder auf Vordermann gebracht und kehrt nun mit diesem Film zurück ins Rampenlicht.

Zum Zweiten wäre da die Hauptdarstellerin Chloë Moretz, die den meisten Kinogängern als Hit-Girl aus Kick-Ass bekannt sein dürfte. »Es machte mir Spaß, diese düstere, tiefschürfende aber auch durch und durch liebenswerte Figur zu finden«, berichtet Moretz. »Abby sieht wie ein normales Mädchen aus, aber in ihr steckt eine Seite ihrer Persönlichkeit, die sich nicht kontrollieren lässt. Sie trägt die Last, ein Vampir zu sein, ohne jemals die Wahl gehabt zu haben.«

Neben ihrer eindringlichen Darstellung des Vampirmädchens, das einerseits sozial fragil nach Freundschaft sucht, andererseits jedoch ihr Verlangen nach Blut locker bei jeder beliebigen Person stillen kann, spielt die Musik eine entscheidende Rolle. Der Regisseur stellte sich einen beunruhigenden musikalischen Hintergrund vor, der, wie die Geschichte, nahtlos von Grauen über Einsamkeit und Zärtlichkeit hin zu Romantik wechseln sollte.

Michael Giacchino trug ein Stück Musik zum Score von Matt Reeves’ vorangegangener Regiearbeit Cloverfield bei, das während des Abspanns zu hören war. Dieses Mal wollte Reeves ihn für den kompletten Score gewinnen. »Michaels Arbeit an Lost gab mir das Vertrauen, dass es ihm mühelos gelingen würde, die gewünschte Atmosphäre der Spannung zu erzeugen«, sagt Reeves. »Er verfügt aber auch über eine zärtliche Emotionalität, die sich in seinen Arbeiten für Pixar und andere niederschlägt. Er war in der Lage, einen Score zu zaubern, der all die widersprüchlichen Tonalitäten des Films aufgreift und doch in einer einheitlichen musikalischen Stimme vereint.«

Mit dieser genialen Mischung aus intensiv emotionaler Darstellung, brutal blutigen Slasherszenarien, gruselig abgelegener Einöde als Handlungsort, einem detailliert ausgefeilten Kostümbild und der prägnanten Filmmusik Giacchinos schafft es Matt Reeves, einen ungewöhnlichen Vampirfilm zu drehen, der nicht nur das Okay des Autors hat, sondern der sich auch vor der schwedischen Erstverfilmung nicht verstecken muss. Ansehen lohnt sich! ■ mz


OT: Let me in
GB/USA 2010
Drama/Horror
FSK: 16
119 min

mit
Chloë Grace Moretz (Abby) Luisa Wietzorek
Kodi Smit-McPhee (Owen)
Richard Jenkins (Abbys Vater) Bodo Wolf
Cara Buono (Owens Mutter)
Elias Koteas (Polizist) Erich Räuker
Dylan Minnette (Kenny)
u.a.

musik
Michael Giacchino

kamera
Greig Fraser

drehbuch
Matt Reeves
basierend auf dem Roman „Låt den rätte komma in“ („So finster die Nacht“) und dem Originaldrehbuch von John Ajvide Lindqvist

regie
Matt Reeves

produktion
Overture Films
Exclusive Media Group
Hammer Films
EFTI

verleih
Wild Bunch/Central

16.12.2011 | mz |
Kategorien: ohne