Mittwoch, 22. Mai 2019

Justin Timberlake, Amanda Seyfried
© 20th Century Fox

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Nimmt man eine Zeitung oder Illustrierte zur Hand, macht den Fernseher an, surft im Internet…oder geht ins Kino – egal wo, es ist da, offensichtlich oder unterschwellig, die Medien durchdringend: Wir leben in einer Kultur des Jugendwahns! Auch die Helden der bewegten Bilder werden immer jünger!

Milliardensummen und unzählige Arbeitsstunden werden jedes Jahr von der Gesundheits- und Schönheitsindustrie dafür ausgegeben, Wege zu finden, den Alterungsprozess des Körpers aufzuhalten und Konsumenten mit Dingen zu füttern, für die sie bereit sind, einen stetig wachsenden Betrag locker zu machen. Diese Geldmenge würde mittlerweile längst ausreichen um die Verschuldung eines kleinen Landes zu tilgen – und dient doch nur dazu, dass sich einige Menschen ihrem persönlichen Jugendwahn hingeben können.

Während die Wissenschaft der Lösung des komplexen Prozesses näher zu kommen scheint, könnte ein Mann einen Weg gefunden haben, menschliche Wesen für immer jung zu erhalten…zumindest auf dem Papier: der „zukunfts-dokumentaristische“ Filmemacher Andrew Niccol, der uns seit Gattaca (1997) mit Filmen wie Die Truman Show, S1m0ne und Lord of War – Händler des Todes den Spiegel vorgehalten hat.

In Time bringt Niccols Fähigkeit ganz besonders hervor, beeindruckende Actionfilmelemente mit außergewöhnlichen Ideen in unerwarteter Weise zu verbinden, und sie in fantastischen, und doch wiedererkennbaren Welten anzusiedeln. »In Time ist ein Actionthriller«, erklärt Niccol. »Ich denke, den Zuschauern wird genau das gefallen. Sie werden mit den Stunts, der Action und den Autoverfolgungsjagden mitgehen und sie werden Amanda Seyfried und ihre Art lieben, mit der Knarre zu hantieren, denn das kann sie in der Tat ganz hervorragend!

Aber ich glaube, die Kinogänger werden auch einige der Ideen und Themen mögen, mit denen wir uns auseinandersetzen, denn In Time macht Aussagen zu unserer Sehnsucht, für immer jung bleiben zu wollen. Obwohl wir das Alterungsgen nicht außer Kraft setzen können, wie im Film, unternehmen wir doch ganz extreme Anstrengungen, um unsere Jugend zu erhalten.«

Will Salas ist der Held der Geschichte. Er lebt in Dayton, der ärmsten Gegend der Zeitzone. Er hat nur etwas mehr als 24 Stunden auf seiner Körperuhr und muss jeden Tag in einer Fabrik schuften, um sich einen weiteren Tag Leben leisten zu können. Für seine Mutter Rachel ist es die übliche Geschichte – wie für jeden anderen im Malocherstädtchen Dayton.

Aber Dayton ist keineswegs in einem desolaten Zustand, sondern höchst lebendig mit Farben, Geräuschen, Hektik, Musik, Anspannung…und Kriminalität. Gangs mit Namen wie Minute Men sind ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, Zeit zu stehlen, und ein Mord für den Gewinn von ein paar Stunden bedeutet ihnen gar nichts.

Zeit zu stehlen erfordert letztlich nichts anderes als Zeitgefühl: Der Aggressor gewinnt buchstäblich die Oberhand, drückt seine Zeituhr direkt auf die seines Opfers und zwingt es in eine Art Schwitzkasten. Ohne hinzusehen, wie weit die Lebenszeit transferiert wurde, kann der Beraubte schließlich jedoch den Spieß umdrehen – wie beim Armdrücken. Und darin ist Will Meister. Allerdings setzt er seine Fähigkeit seiner Mutter zuliebe nicht mehr ein.

Diese wird gespielt von der bezaubernden Olivia Wilde (Tron: Legacy, Cowboys & Aliens – Da bekommen Begriffe wie „MILF“ und „Motherfucker“ eine ganz neue Bedeutung!). Als Will den mit einem reichen Zeitvorrat ausgestatteten Henry vor einer Truppe von Minute Men beschützt, die ihm eben diesen Reichtum stehlen wollen, bedankt sich Henry bei Will mit einem Zeitgeschenk von sage und schreibe einem Jahrhundert.

Aber da Zeit eine Währung ist und darüber fein säuberlich Buch geführt wird, erregt die Bewegung einer so großen Menge von Zeit innerhalb der Grenzen Daytons die Obrigkeit, die „Timekeeper“. Außerdem wird Will fälschlicherweise eines Mordes angeklagt, was den altgedienten Timekeeper Leon veranlasst, eine gnadenlose Verfolgungsjagd auf Will zu starten.

Will flieht dank seiner gewonnenen Zeit in die nächstgelegne reichste Zone: New Greenwich. In krassem Gegensatz zu Dayton bewegt sich hier nichts und niemand schneller als nötig. Zeit ist purer Luxus, den sich hier alle Bewohner leisten können, da die meisten von ihnen noch hunderte, wenn nicht sogar tausende von Jahren zu leben haben.

Auf der Suche nach seiner Bestimmung trifft er auf die hübsche Sylvia Weis, die Tochter des Superreichen Philippe Weis. Bei einem Pokerspiel mit ihm setzt er all seine übrig gebliebene Lebenszeit aufs Spiel, denn er weiß ja wie es ist, von Minute zu Minute zu leben. Schließlich kommt es bei der Cocktailparty Schlag auf Schlag: Will verliert einen Großteil, der Timekeeper steht auf der Matte und seine Avancen mit Sylvia finden ein jähes Ende.

Als die Timekeeper versuchen, Will festzunehmen, nimmt er Sylvia als Geisel. Was als Flucht vor dem Gesetz beginnt, entwickelt sich zu einem hoch riskanten Spiel, die Regeln für diese gar nicht so schöne neue Welt zu ändern. Und im Mittelpunkt dieses Spiels befindet sich ein Liebespaar auf der Flucht…

In Time ist anspruchsvolles Actionkino im Stil von Gattaca. Es bleibt zwar ein Rätsel, wie die beiden Hauptfiguren den Überschlag im Cabrio überleben konnten und wie der Alterungsprozess medizintechnisch angehalten wird, geschweige denn das sekündliche Nachholen der tatsächlich „gelebten“ Lebenszeit, das nach dem plötzlichen Tod eintritt, nachdem die geborgte Zeit abgelaufen ist, doch es kommt ja im Wesentlichen auf die Geschichte an, die hier erzählt wird. Und die ist kompliziert genug. Die Hauptsache ist, man verlangt im Nachhinein nicht die zwei Stunden Lebenszeit zurück, die einem genommen wurden… ■ mz


OT: In Time
USA 2011
Thriller/Science Fiction
FSK: Freigegeben ab 12
109 min

mit
Justin Timberlake (Will Salas) Robin Kahnmeyer
Amanda Seyfried (Sylvia Weis) Magdalena Turba
Cillian Murphy (Raymond Leon) Norman Matt
Vincent Kartheiser (Philippe Weis) Nicolas Artajo
Olivia Wilde (Rachel Salas) Anja Stadlober
Alex Pettyfer (Fortis) Patrick Roche
Matt Bomer (Henry Hamilton) Simon Jäger
Ethan Peck (Constantin) Alex Turrek
Johnny Galecki (Borel) Ozan Ünal
Yaya DaCosta (Greta)
u.a.

musik
Craig Armstrong

kamera
Roger Deakins

drehbuch
Andrew Niccol

regie
Andrew Niccol

produktion
Regency Enterprises
New Regency Pictures
Strike Entertainment

verleih
20th Century Fox

30.11.2011 | mz |
Kategorien: ohne